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In einer Gondel auf einem Weiher im Voralpenland: Unter Wasser halten Taucher das Boot auf Kurs, in dem Hauptdarsteller Jule Ronstedt (M.) und Sebastian Bezzel (am Ruder) fahren.

BR-Serie "Franzi": Regisseur schreibt über die Dreharbeiten

Erding - Am Freitag startet im Bayerischen Fernsehen (21.45 Uhr) die neue Serie „Franzi“. Was venezianische Gondeln auf einem bayerischen Weiher zu suchen haben, hat der Regisseur Matthias Kiefersauer während der Dreharbeiten aufgeschrieben.

Nach drei Seiten war ich verliebt. Man hatte mir zwei Drehbücher geschickt. „Franzi“ würde die Serie heißen. Und ich könnte dabei Regie führen. Ich hatte zu lesen begonnen: Eine Frau in meinem Alter erlebt den schwärzesten Tag ihres Lebens, flieht heim nach Erding. Aber wo sie sich Trost erhofft, hört ihr niemand zu. Die Mutter erzählt lang von einem Schwimmkurs und zeigt ihr stolz ein goldenes Seepferdchen. Die beste Freundin ist zu sehr damit beschäftigt, ihren Freund in die Selbstständigkeit zu schubsen – er muss sich fortan selbst verwirklichen, in einer „Tintentankstelle fürs Nachfüllen für Tintenpatronen für Computer fürs Drucken“. Was für Figuren dieser Peter Bradatsch erfindet! Und was für Dialoge!

Eine Gondel auf dem Weiher: Fotos vom Dreh

BR-Serie "Franzi": Bilder vom Dreh

Ob ich Lust hätte auf eine bayerische Fernsehserie, fragt mich die Frau von der Produktionsfirma. Lust? Mit Verlaub: Zehn Jahre lang zupfte ich den Bass in einer Band namens „Sir Quickly“, benannt nach der Figur aus „Irgendwie & Sowieso“. Ich bin von den beiden Regisseuren Franz X. Bogner und Helmut Dietl förmlich sozialisiert worden. Und jetzt fragt man mich, ob ich Lust hätte, deren Tradition – wenn auch in viel kleinerem Rahmen – fortzuführen. Da geht es doch nicht um Lust, da geht es um die Ehre. Und für mich ist dieses Angebot eine Riesenehre. 

Schreibt auch eine Kolumne für den Lokalteil des "Münchner Merkur": Der Regisseur Matthias Kiefersauer.

Sieben Monate später stehe ich nachts an einem Weiher im Voralpenland. Vor mir schwimmt eine original venezianische Gondel, darin sitzen meine Hauptdarsteller Jule Ronstedt und Sebastian Bezzel. Taucher der Wasserwacht halten die Gondel auf Kurs. Gleich werde ich ein Zeichen geben. Daraufhin werden im Hintergrund Lichter angehen und ein schwimmendes Floß illuminieren. Erst dann wird man sehen, dass dort Erich Hallhuber sen. einen Tisch deckt. Ein Techniker hat sich unter dem Tisch versteckt. Ein anderer steht neben einem Scheinwerfer auf einem dreißig Meter hohen Arbeitskran. Der Rest des Teams wartet neben mir, rund 30 Leute. Wir warten, weil einen Kilometer entfernt ein Oberlandler mit seinem tiefer gelegten Auto unsere nächtliche Filmromantik torpediert. Wir müssen leise sein, damit der Tonmeister hören kann, ob das Auto noch da ist. Für dreißig Leute besteht ihre Arbeit einen Moment lang aus Stillstehen und Schweigen.

Der absurdeste Beruf der Welt

Ich denke an meinen verstorbenen Onkel Hans. Er war Holzfäller im Isarwinkel, ein bescheidener Mann mit großartigem Humor. Was würde der Hans wohl sagen, wenn er mich und mein Team jetzt sehen könnte? Vielleicht würde er mich fragen, wie lange diese Einstellung im Fernsehen später sein wird, wenn wir dafür schon so einen Riesenaufwand betreiben. Und ich müsste antworten: „Acht Sekunden.“ Onkel Hans würde lachend den Kopf schütteln. Dann würde er sich ein Bankerl suchen, ein Bier aufmachen und uns amüsiert beobachten. Ich muss auch schmunzeln: Ich habe wahrscheinlich wirklich den absurdesten Beruf der Welt. Und es gibt durchaus Momente, in denen ich auch lieber Holzfäller wäre.

Aber es gibt eben auch andere Momente, die allen Gram vergessen lassen: Als zum Beispiel Kathrin von Steinburg erstmals eine Szene als Sandra spielte und ich meinte, diese Sandra wäre schon mit mir in die Schule gegangen. Oder als mir die große Gisela Schneeberger mitten im Proben ein Riesenkompliment machte. Oder der Moment, wenn heute Abend die erste Doppelfolge im Fernsehen läuft und noch während des Abspanns das Telefon... . „Wir können“, ruft der Tonmeister. Ich nicke und gebe mein Zeichen.

Die Arbeit im Schnittstudio kann wie Erntedank sein

Wieder drei Monate später warte ich im Schneideraum auf hohen Besuch. Der betreuende Redakteur und der BR-Unterhaltungschef haben sich angekündigt.

Der Schnitt ist fast schon erholsam: Am Drehort haben stets 30 Leute auf meine Entscheidungen gewartet. Jetzt ist es eine einzige Frau. Wenn die Dreharbeiten gut gelaufen sind, kann sich der Schnitt anfühlen wie Erntedank: Alles fügt sich, passt zusammen, wird gut. Trotzdem kommen Zweifel. Ich habe einzelne Passagen sicher hundert Mal gesehen. Ich finde sie gar nicht mehr lustig, will sie herauskürzen. Und das ist die größte Gefahr. Bei meinem ersten Langfilm hätte ich beinahe eine Szene weggeschmissen, für die es dann bei der Premiere Szenenapplaus gab – im Kino, wo man eigentlich nie klatscht!

Die Herren kommen. Sie sind gespannt. Man plaudert über die Dreharbeiten. Dann startet die Cutterin den Film – und siehe da: Die Chefs lachen. Und meine Sorgen relativieren sich. Scheinbar habe ich mich damals, bei den ersten drei Seiten von „Franzi“, doch in die Richtige verliebt.

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