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Das Statistische Jahrbuch für Bayern 2014 liegt vor: So leben die Durchschnittsbayern.

Alle Zahlen für 2014

Statistisches Jahrbuch: So lebt der Durchschnittsbayer

München - Wie oft wurde im Freistaat Theater gespielt? Und wie viele Sonnenstunden gab es? Hans Huber ist unser Durchschnittsbayer. Was ihn und seine Familie im Leben bewegt, erzählen wir hier. Grundlage ist das Statistische Jahrbuch für Bayern 2014.

Der Durchschnitt vom Durchschnitt vom Durchschnitt, das ist unser Hans. Er ist der Prototyp eines Bayerns. Einer, in dem sich jeder wiederfinden kann. Einer, ohne Ecken und Kanten – und ohne Ausschlag nach oben oder unten: Auf ihn treffen die unendlichen Fakten aus dem Statistischen Jahrbuch für Bayern 2014 zu, die Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in München vorstellte. Ein Wälzer übrigens mit 648 Seiten und 173 000 Daten.

Fangen wir an, bauen wir das Leben unseres Hans Hubers vor uns auf: Der Herr ist 43 Jahre alt, selbstverständlich römisch-katholisch (55,7 Prozent) erzogen worden und zu 46,1 Prozent verheiratet. Wir nennen seine Herzensdame der Einfachheit halber Maria. 2009 war jeder zweite Erwachsene gemessen am gängigen Body-Mass-Index BMI übergewichtig, und damit plagt sich auch unser Hans mit Speckpolstern herum.

Er könnte wie 36 Prozent und damit die meisten Bayern alleine leben. Doch das wollen wir nicht. Hans hat schließlich statistisch gesehen mit 33,5 Jahren seine Maria (30,7) geehelicht. Und mit ihr soll er als Paar samt Kind(ern) wie in 27,9 Prozent aller bayerischen Haushalte wohnen. Hierbei gehört ihnen ihr Heim wie den 69,3 Prozent anderen ähnlichen Paaren. 55 Prozent der Haushalte Bayerns besaßen im Januar 2013 Haus und Grundvermögen. Hans’ Immobilienbesitz hatte einen Verkehrswert von 316 000 Euro. Fast 52 Prozent dieser Haushalte allerdings hat Restschulden, im Durchschnitt liegen sie bei 104 000 Euro.

So viel verdient der Durchschnittsbayer

Und sich den Traum vom Reihenhäuschen im Vorort leisten zu können, hat Hans einen Haupt-/ Volksschulabschluss (43,3) und wie knapp jeder Zweite ab 15 Jahren in Bayern irgendwann einmal eine Lehre absolviert. 14,7 wiesen 2011 einen Fachhochschul- oder eine Hochschulabschluss vor. Hans arbeitet im Dienstleistungsbereich wie zwei Drittel der 6,7 Millionen Erwerbstätigen und verdient im Monat 3629 Euro, seine Maria durchschnittlich 20 Prozent weniger. Selbstredend fährt Hans wie 67 Prozent der erwerbstätigen Bayern lieber mit dem Auto statt mit dem Rad zur Arbeit. Trotzdem liegt sein Arbeitsweg weniger als zehn Kilometer vom Heimatort entfernt. Nur jeder fünfte ist morgens und abends länger als 25 Kilometer unterwegs – unser Hans natürlich nicht. Die Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden, ist für Hans jedoch am Freitag besonders hoch (2013: 8317), am Sonntag passiert ihm bei seinem Familienausflug am seltensten etwas (4940).

A propos Familie: Hans hat laut dem Statistischen Jahrbuch einen Sohn und/ oder eine Tochter. Wir nehmen mal einen Seppi an. Seppi geht als Nesthäkchen auf die Realschule (32,9 Prozent) und nicht etwa auf das Gymnasium (32,2) oder die Mittelschule (27,2). Alle Schulformen weisen einen Ausländeranteil von nahezu unveränderten sieben Prozent vor. Da die Zahl der Auszubildenden zum Ende 2013 mit 246 743 um 1,3 Prozent abermals zurück ging, will Seppi als Durchschnittsbub später studieren. Zum Wintersemester 2013/14 hätte er sich mit 355 915 Kommilitonen (plus sieben Prozent) die Lehrstühle und Professoren teilen müssen. Die Zahl der Erstsemester im Studienjahr 2013 ist um 3,3 Prozent auf 73 655 gestiegen. Seppi interessiert sich an der Uni für Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (26 Prozent). An der Fachhochschule sind die Ingenieurswissenschaften am beliebtesten (40,7).

Lässt sich Vater Hans nicht gerade von seiner Frau Maria in eine der insgesamt 10 925 Theatervorstellungen schleifen, führt er privat zu später Stunde den täglichen Kleinkrieg mit dem pubertierenden Sohnemann. An Scheidung wie 24 797 Paare (Stand 2013) denkt er trotzdem nicht. Es geht ihm nämlich trotz seines bereits erwähnten Übergewichtes überdurchschnittlich gut. Und da nur 24 Prozent der Bayern rauchen, verabscheut unser Prototyp den Zigarettenqualm ebenfalls. Das freut seine gesetzliche Krankenversicherung, die er wie 10,377 der insgesamt 12,6 Millionen Einwohner im Freistaat besitzt.

Weil Hans keinesfalls, wie 41 Prozent der 2013 Verstorbenen, an Krankheiten des Kreislaufssystems oder Krebs (24) sterben will, versucht er auch, seinen Sitzjob und seine Rückenschmerzen mit Sport auszugleichen. Er spielt – wer errät es? – am liebsten Fußball. Mehr als ein Drittel der Bayern sind Mitglied in einem der 12 105 im BLSV organisierten Sportvereine. Dabei ist König Fußball mit 4 700 und 1,5 Millionen gezählten Mitgliedern (Männerquote: 85,6 Prozent) der Favorit. Hans große Liebe Maria zeigt sich hierbei als flexible Turnerin. Fast eine Million bevorzugen diese Sportart, die Frauenquote liegt bei 71,3 Prozent. Aber auch daheim ist die Hans-Huber-Familie aktiv: In jedem vierten Haushalt stand im vergangenen Jahr ein Heimtrainer, wobei aus den Zahlen nicht zu erkennen ist, ob er tatsächlich zum Sporteln oder als Kleiderständer benutzt wird. Wir hoffen auf Letzteres.

Eine boomende Wirtschaft 

Die bayerische Bevölkerung wächst, zwar nicht rasant, aber doch stetig. Und diese Menschen brauchen Wohnungen. Der historische Tiefstand von 2009 mit 31 335 neuen Wohnungen ist überwunden – und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) war zufrieden: „Mein hochgestecktes Ziel ist es, wieder auf 70 000 gebaute Wohnungen pro Jahr zu kommen.“ Sein Statistisches Jahrbuch für Bayern 2014 zeigt auf, dass 2013 gegenüber dem Vorjahr 14 Prozent neue Wohnungen (47 000 Stück) errichtet wurden. Auch die Baugenehmigungen 2013 stiegen gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent an.

Der Grund für den Zuzug an Mitbürgern aus dem (EU-)Ausland mit Arbeitslosenquoten von um die 15 Prozent ist auch die brummende Wirtschaft. Nicht nur über das überörtliche Straßennetz von fast 42 000 Kilometern – das ist mehr als der Erdumfang – wurden die Güter quer durch Bayern transportiert, auch kamen über 53 Millionen Tonnen über Schienen und weitere 7,7 Millionen über die Häfen an Main und Donau. Am meisten eingeführt wurden wurden Erdöl und Erdgas (17,8 Milliarden Euro). Am beliebtesten im Ausland waren unsere Autos und Wohnmobile (34). Außerdem steuerte Bayern 2013 mit 17,1 Prozent den größten Beitrag zur bundesdeutschen Getreideernte und mit 14,6 Prozent die drittgrößte Kartoffelernte bei. Zudem wurden auf 2785 Hektar Spargel, auf 1854 Speisezwiebeln und auf 1288 Gurken angebaut. Bayern ist auch der größte Rind- und Kalbfleischerzeuger Deutschlands mit 304 800 Tonnen. In den Legehennenbetriebe mit mindestens 3000 Haltungsplätzen wurden 2013 von 3,5 Millionen Tieren 1,04 Milliarden Eier gelegt (plus 0,4 Prozent). Auf jede Henne also kamen im Durchschnitt 300 Eier. 54,6 Prozent davon stammen aus Niederbayern.

Zu den erfreulichen Wirtschaftszeiten steuerten auch die Touristen bei. 31,6 Millionen Gäste buchten insgesamt 84,2 Millionen Übernachtungen in den 12 500 Herbergen mit zehn oder mehr Betten (plus 1,5 Prozent). Am beliebtesten waren Neuschwanstein, die Landeshauptstadt München und Herrenchiemsee für innerdeutsche Gäste (24 Prozent, gefolgt von den Niederländern (9,3) und denen aus den USA (8,8).

Von Angelika Mayr

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