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Der Großraum München wird in den kommenden jahren voraussichtlich weiter wachsen.

Großraum München wird weiter wachsen

München - Das Statistische Landesamt prophezeit für die kommenden zwei Jahrzehnte eine dramatische Bevölkerungsverschiebung in Bayern.

In den nördlichen Teilen Frankens und vielen Landkreisen an der Ostgrenze zu Tschechien wird die Einwohnerzahl demnach bis 2028 um mehr als 7,5 Prozentpunkte abnehmen, wie aus dem am Montag vorgelegten Statistischen Jahrbuch hervorgeht. Negativspitzenreiter wäre der Landkreis Wunsiedel mit einem Minus von 21,5 Prozent.

Der Großraum München hingegen wird voraussichtlich weiter wachsen. Im Landkreis Erding wird ein Bevölkerungsplus von 15,5 Prozent erwartet. Die Staatsregierung will nicht tatenlos zusehen. “Das ist kein unabwendbares Schicksal“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Gegenmaßnahmen sollen schon im kommenden Jahr ein Schwerpunktthema im Kabinett sein, wie Herrmann sagte. Der Innenminister nannte Investitionen in Straßen und Schulen, Städtebauförderung, Wirtschaftsförderung und Dorferneuerung.

Ziel der Staatsregierung sei eine “stabile Bevölkerungsentwicklung“ in den ländlichen Gebieten. Sorgen macht der Staatsregierung die stark gesunkene Zahl der Baugenehmigungen: 2008 wurde mit nur noch 35.000 Genehmigungen ein historischer Tiefstand erreicht, sagte Herrmann. Da die Bevölkerung nach wie vor leicht zunimmt und die Zahl der Single-Haushalte wächst, wären eigentlich mehr neue Wohnungen nötig.

Ohne Einwanderung würde die Bevölkerung Bayerns jetzt schon schrumpfen. Derzeit hat fast ein Fünftel der bayerischen Bevölkerung “Migrationshintergrund“. Dahinter verbergen sich etwa 2,4 Millionen Aussiedler, Ausländer, Eingebürgerte und Kinder mit mindestens einem eingewanderten Elternteil. Wie andere Bundesländer verzeichnet der Freistaat auch einen sogenannten Sterbeüberschuss. Im Jahr 2008 gab es 14 800 mehr Todesfälle als Geburten. Insgesamt wurden 106 298 Kinder geboren, 572 weniger als ein Jahr zuvor. Immer häufiger verzichten die Eltern von Kindern auf die Heirat. Fast ein Viertel der Kinder wurde nichtehelich geboren, das war der höchste Stand seit 1951.

Im vergangenen Jahr nahm die Einwohnerzahl Bayerns erstmals seit 25 Jahren ab, und zwar um 604 auf 12 519 728 Einwohner. Grund war nach Angaben des Landesamts ein statistischer Ausreißer, da die Einwohnermeldeämter bundesweit ihre Karteien bereinigten. Dabei stellte sich heraus, dass etwa 15 000 Menschen fälschlich in Bayern gemeldet waren.

Bei der Pressekonferenz im Statistischen Landesamt musste sich Herrmann zuerst durch eine Protestaktion der Mitarbeiter kämpfen, die gegen die geplante Verlagerung der Behörde nach Fürth protestierten. Hermann sicherte den Beamten und Angestellten zu, dass niemand zum Umzug nach Fürth gezwungen werden soll. Alle Mitarbeiter, die nicht mitgehen wollten, bekämen adäquate Arbeitsplätze bei anderen staatlichen Behörden in München angeboten, sagte Herrmann. Die Verlagerung nach Fürth soll ein strukturpolitisches Signal für die von der Quelle-Pleite gebeutelte Region Nürnberg/Fürth sein. “Fürth ist die einzige Stadt in dieser Größenordnung mit mehr als 100 000 Einwohnern, die noch über kein Landesamt verfügt“, sagte Herrmann.

dpa

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