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Zurück in der Backstube: Naseer Ahmadi darf seit gestern wieder arbeiten und im September eine Ausbildung zum Konditor beginnen. Darüber freut sich auch seine Chefin Andrea Gütter.

Behörden lenken ein

Statt Abschiebung jetzt Azubi-Vertrag: Naseer Ahmadi darf wieder backen

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Seit gestern steht Naseer Ahmadi wieder in der Backstube. Der Afghane hat seine Arbeitserlaubnis zurückbekommen, im September darf er seine Ausbildung beginnen. Unheimlich viele Menschen hatten sich für den 36-Jährigen eingesetzt – schließlich lenkte die Ausländerbehörde ein.

Prien – Sorgfältig schichtet Naseer Ahmadi Zwetschgenscheiben auf den ausgerollten Teig. So sehr ist bei dieser Aufgabe in der Backstube der Priener Konditorei Müller wohl selten gelächelt worden. Der 36-Jährige lächelt, weil er endlich wieder das tun darf, was ihm am meisten Spaß macht: Kuchen backen. Die letzten vier Wochen sah es ganz so aus, als würde er dafür in Deutschland keine Gelegenheit mehr bekommen.

Jeden Tag Angst vor der Abschiebung

Ahmadi arbeitet seit drei Jahren in der Konditorei. In dieser Zeit hat er perfekt Deutsch gelernt, sogar ein wenig Bairisch. Er konnte sich von dem Gehalt eine eigene Wohnung mieten, war nicht mehr auf staatliche Hilfen angewiesen. Und sein Chef Luitpold Müller war mit ihm so zufrieden, dass er ihm einen Ausbildungsplatz anbot. Doch dann hat er vor vier Wochen plötzlich seine Arbeitserlaubnis verloren. Ihm drohte die Abschiebung zurück nach Afghanistan. Ahmadi hatte seitdem jeden Tag Angst davor, abgeholt zu werden. Und sein Chef musste Extraschichten einlegen, weil er plötzlich einen Mitarbeiter zu wenig hatte.

Nicht nur Luitpold Müller konnte die Entscheidung der Ausländerbehörde nicht verstehen. „Naseer Ahmadi war perfekt integriert“, sagt er. Auch seine direkte Vorgesetzte Andrea Gütter kann nur Gutes über ihn sagen. „Er hat sich in dem Betrieb nur Freunde gemacht“, sagt sie. Öffentlich wurde der Fall aus Prien heftig diskutiert. Die Grünen-Politikerin Renate Künast und der bayerische FDP-Spitzenkandidat Martin Hagen hatten Ahmadi besucht und sich für eine andere Integrationspolitik starkgemacht. Wer abgeschoben wird und wer nicht, dürfe nicht von der Gnade und Willkür der Behörden abhängig sein, betonte Hagen. Er forderte ein Einwanderungsgesetz, das Migranten, die hier Arbeit finden, eine Perspektive bietet. „Bayern fährt die restriktivste Linie aller Bundesländer“, sagte Hagen. „Obwohl die Wirtschaft bei uns besonders stark unter dem Fachkräftemangel leidet.“ Das kann auch Konditor Luitpold Müller bestätigen. „Ich bekomme seit Jahren so gut wie keine Bewerbungen mehr“, betont er.

Müller informierte auch die IHK und die Bäckerinnung über den Fall. Sie versprachen ihm, sich im Wirtschaftsministerium für Naseer Ahmadi einzusetzen. Und der FDP-Politiker Frank Häring startete eine Petition für den 36-jährigen Afghanen. In wenigen Tagen unterschrieben mehr als 700 Menschen.

Ahmadi steht wieder in der Backstube

„Was letztendlich den Ausschlag gegeben hat, dass er nun doch wieder arbeiten darf, wissen wir nicht“, sagt Müller. Ist für ihn auch nicht wichtig. Als er am Donnerstagabend den Anruf von der Ausländerbehörde bekam, freute er sich sehr und rief sofort Ahmadi an. Einen Tag später hatte der 36-Jährige seine Arbeitserlaubnis – auch für die Ausbildung, die er im September beginnen wird. Dann darf er für die drei Jahre plus zwei Folgejahre nicht abgeschoben werden. „Ich bin überzeugt, dass er in dieser Zeit ein super Konditor werden wird“, sagt sein Chef. „Er hat absolut das Potenzial.“ Gleich gestern Morgen erschien Ahmadi um 4.30 Uhr wieder in der Backstube. „Ich bin sehr, sehr froh“, sagte er.

Von Katrin Woitsch und Dirk Breitfuss

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