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Die Suche nach dem Glück hat Stefanie Sommer 2007 auf die Breitenberg-Hütte geführt. Sie hat ihre Karriere aufgegeben, um Hüttenwirtin zu werden. Und sie hat es nie bereut. Zu ihrem Glück gehört inzwischen auch Hund Bobby.

Die Geschichte einer bayerischen Aussteigerin

Plötzlich Hüttenwirtin

Brannenburg - Stefanie Sommer ist 33, als sie alles hinschmeißt. Sie will herausfinden, wie viel mehr als Büroalltag und Großstadthektik das Leben zu bieten hat – und wird Hüttenwirtin. Nach zwei Sommern auf der Alm hat sie gelernt: Das große Glück – manchmal sind das die ganz kleinen Dinge.

Der Moment größter Freiheit beginnt mit einem lauten Scheppern. Stefanie Sommer steht irgendwo im Nirgendwo, auf eine Bergwiese in rund 1000 Metern Höhe und wirft ihr Handy gegen einen großen Felsen. Und während sie alle Einzelteile wieder einsammelt und sie in den Müll schmeißt, fühlt sie sich, als wäre sie der freiste Mensch der Welt.

Das verdankt sie nicht nur dieser spontanen Zerstörungsaktion. Ihr Handy war das letzte Erinnerungsstück an ihr altes Leben. An einen Alltag mit Termindruck, ständiger Erreichbarkeit und Großstadthektik. Es war ein Leben, das Stefanie Sommer irgendwann nicht mehr ertragen hat. Sie hat in einem großen Filmproduktionsunternehmen in München gearbeitet. Jedes Mal, wenn sie aus ihrem Bürofenster auf die Schwabinger Hausdächer blickte, hat sie sich ganz weit weg geträumt. In die bayerischen Berge. Und dann, an einem Tag im Sommer 2007, hat sie mit dem Träumen aufgehört – und eine SMS geschrieben. Direkt an ihren Chef. Es war die vielleicht spontanste Kündigung, die je eine Münchner Filmproduktionsfirma erreicht hat. Stefanie Sommer hat ihre Karriere von heute auf morgen aufgegeben – für eine ungewisse Zukunft. Aber für das Gefühl, endlich an dem Ort zu leben, an den sie gehört.

Es dauert einige Jahre, bis Stefanie Sommer dort ankommt. Drei harte Jahre, viele Jobs, viele Rückschläge lang. Schwere Arbeit für wenig Geld. Sie ist Taxi gefahren, war persönliche Assistentin für einen Alkoholiker, ist in anderen Büros gelandet – sie hat sich ausprobiert und sich selbst kennengelernt. Bis sie endlich da war, die Chance, von der sie immer geträumt hatte. Mitten im Wendelsteingebirge. Auf der Breitenberg-Hütte bei Brannenburg (Kreis Rosenheim). Es war wieder so eine spontane Aktion, die sich richtig angefühlt hat. Ihr Lebensgefährte Bernhard und sie haben erfahren, dass neue Pächter gesucht werden. Sie haben sich beworben und die Zusage bekommen. Stefanie Sommer ist 36 Jahre alt und plötzlich Hüttenwirtin. Sie ist endlich angekommen. „Das Glück ist eine einfache Sache“, sagt sie. Barfuß durch das Gras laufen, den Vögeln beim Singen zu hören, die Baumwipfel im Wind beobachten. Tiefschwarze Nächte mit tausenden Sternen am Himmel. „Ich habe das bekommen, was man Leben nennt“, sagt Stefanie Sommer fünf Jahre später.

Ihr Buch soll keine Gebrauchsanweisung für das Leben sein - es soll ehrlich sein

Inzwischen ist sie 41. Sie ist nicht mehr Hüttenwirtin, lebt aber auf einer Berghütte in Tirol, direkt an der bayerischen Grenze. Ihr Geld verdient sie mit der Planung von Hochzeitsfeiern und dem Schreiben. Aus der schönsten Zeit ihres Lebens, aus einem gelebten Traum, hat sie ein Buch gemacht. „Aussteigen auf Bayerisch“ heißt es. Es soll keine Gebrauchsanweisung für das Leben sein. Es soll einfach ehrlich sein. Es erzählt nicht nur von den magischen Hütten-Momenten, dem „wundervollen Nichts“, der Ruhe, der Selbstbestimmtheit. Es ist auch ein Buch darüber, was es heißt, kurz nach Sonnenaufgang zwölf Kilo Kartoffeln zu schälen, stundenlang am Stück Gäste zu bewirten, bis zur völligen Erschöpfung körperlich zu arbeiten.

Es ist ein Buch über große Gefühle. Ohne große Worte. Ein Buch, das – wenn es nach Stefanie Sommer geht – anderen Menschen Mut machen soll, ihre Träume zu leben. „Viele Menschen haben das in der Alltagshektik verlernt“, glaubt sie. „Einfach im Jetzt leben, nicht in der Vergangenheit oder der Zukunft“, schreibt sie. „Wissen, dass ich in diesem Moment das Beste mit meiner Zeit anfange. Dass das Leben nicht an mir vorbeizieht, sondern dass ich mittendrin bin.“ Das hat sie sich von der Zeit auf der Breitenberg-Hütte bewahrt.

Seit ihr Buch erschienen ist, hat Stefanie Sommer schon ein paar Mal geweint. Es waren Tränen der Rührung. Wegen der Briefe, die sie bekommen hat. Von Menschen, die ihr geschrieben haben, wie sehr sie ihren Mut bewundern. Die selbst den Zeitpunkt verpasst haben, auszusteigen und an ihre Träume zu glauben. Die ihr Leben lang nach dem Glück gesucht haben, ohne zu wissen, was sie suchen. Dabei kann es so simpel sein, findet Stefanie Sommer. „Glück“, sagt sie, „das ist einfach leben.“

Katrin Woitsch

Das Buch

„Aussteigen auf Bayerisch ... und plötzlich war ich Hüttenwirtin“, Books on Demand GmbH, 364 Seiten, ISBN-13: 978-3734733857. Infos unter info@stefanie-sommer.de

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