Renault kollidiert mit Rettungsfahrzeug: Ein Mensch lebensgefährlich verletzt

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Das Protokoll einer Tragödie

Stein a.d. Traun - Nur ein paar Meter, vielleicht sogar Zentimeter trennen in Stein an der Traun Freude und Trauer, Hoffnung und Schmerz Leben und Tod.

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Am Montag gegen 19.45 Uhr bricht ein Fels über dem Haus der Familie B. in der Pallinger Straße, zerlegt das Gebäude wie ein Kartenhaus – und zertrümmert die Familie. Vater Peter (45) und Tochter Sophie (18) sterben in den Trümmern. Mutter Uschi (45) und Sohn Leon (16) leben! Die Retter ziehen sie in der Nacht schwer verletzt aus dem Geröll. Sie waren im gleichen Zimmer wie die beiden Toten. Eine Tür und der Türstock aus Granit hatte einen Hohlraum gebildet. Ärzte und Retter sprechen von einem Wunder. Die Menschen in Stein an der Traun wissen nicht, ob sie weinen oder jubeln sollen.

Das Protokoll einer Tragödie

Kondolenzbuch:

Ein Internet-Kondolenzbuch für Sophie und Peter B. finden Sie hier.

Gegen 19.45 Uhr: Familie B. sitzt zusammen in einem Raum im Erdgeschoss. Vielleicht essen die vier gemeinsam Abendbrot. Rita Kimmeringer wohnt in der Pallinger Straße nebenan, sie sitzt vor dem Fernseher, gleich kommt die Tagesschau. „Plötzlich hörte ich ein Geräusch, wie wenn große Steine aneinander gerieben werden. Aber ich dachte mir nichts dabei.“

19.53 Uhr: Der Braumeister der benachbarten Schlossbrauerei Stein sieht eine Staubwolke und wählt den Notruf. Etwa zeitgleich meldet ein Autofahrer Gesteinsbrocken auf der Straße.

Bilder vom Tag danach

Felssturz in Stein: Bilder vom Tag danach

19.56 Uhr: Blaulicht und Sirenen erfüllen die Pallinger Straße. Nachbarin Rita Kimmeringer blickt aus dem Fenster und sieht nur noch Staub. Ein Fels hat das Haus der Familie B. zermalmt. Der Leitende Notarzt Joaquin Kersting erreicht die Stelle, ihm schießt durch den Kopf: „Das kann keiner überlebt haben.“ Insgesamt rasen rund 350 Helfer zum Einsatz: 124 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren von Stein, Traunreut und Matzing, 40 Männer vom Technischen Hilfswerk, 70 Ärzte und Sanitäter vom Bayerischen Roten Kreuz sowie von den Maltesern, das Kriseninterventionsteam, 90 Polizisten, Kreisbrandmeister, -inspektor und sogar Kreisbrandrat Johann Gnadl aus dem Landratsamt Traunstein samt Unterstützungsgruppe. Der Beamte sagt: „Das war ein brutales Bild.“

Leon (16)

Hunderte Retter sind mit dutzenden Einsatzfahrzeugen vor Ort, sie wollen helfen, Geräte aufbauen, so schnell wie möglich, doch sie müssen die Ruhe bewahren. Als erste Maßnahme ordnen die Einsatzleiter „Stille“ an. Und tatsächlich: Da klopft jemand! Und da sind sogar Stimmen! Jetzt wissen die Retter: Sie kämpfen gegen die Zeit. Feuerwehrmänner bauen Lichtmasten auf. Erst jetzt erfassen sie das ganze Ausmaß: Ein Brocken so groß wie ein Bus liegt an der Stelle, an der einmal das Haus der Familie B. stand. Die Retter bilden Trupps, die sich den Schutthaufen aufteilen. Ein Autokran und ein Radlader müssen wieder abrücken. Zu gefährlich. Die Retter graben mit bloßen Händen. Hinterher loben die Verantwortlichen Zusammenarbeit und Disziplin aller Beteiligten. Die Retter kämpfen sich zu einem Hohlraum vor. Zunächst entdecken sie eine Leiche.

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23.24 Uhr: Die Feuerwehrler bergen den toten Vater Pater B. (45) unter den Trümmern. Sie lassen sich nicht entmutigen, kämpfen weiter, bald können sie die weiteren Opfer sehen. Sie leben!

1.12 Uhr: Die Retter ziehen Sohn Leon (16) heraus. Notarzt Kersting spricht von einem Wunder: „Der Überlebende präsentiert sich in einem unvorhergesehen guten Zustand.“

1.23 Uhr: Die Leiche von Tochter Sophie (18) wird entdeckt und geborgen. 2.09 Uhr Endlich finden und retten die Feuerwehrler auch die Mutter Uschi (40). Auch ihr geht es verhältnismäßig gut. Offenbar hockten die beiden Überlebenden in dem 100 Jahre alten Haus unter einer Tür und dem Türstock aus Granit, der ihnen das Leben rettete.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kommt in der Nacht an den Unglücksort. „Es ist kaum zu fassen, dass aus diesem Trümmerfeld Menschen lebend geborgen werden konnten.“ Mutter und Sohn kommen ins Krankenhaus Traunstein. Sie haben Knochen gebrochen, Verletzungen im Bauchraum und an der Wirbelsäule, sagt Prof. Rupert Ketterl, Ärztlicher Direktor des Klinikums. Beide werden noch in der Nacht operiert. Die Ärzte gehen davon aus, dass Mutter Uschi und Sohn Leon wieder ganz gesund werden. Vater Peter und Tochter Sophie waren vermutlich sofort tot.

Bilder vom Unglücksort

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