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Steinbock-Kolonie: Frisches Blut für die Benediktenwand gesucht

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Von: Dominik Göttler

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Lebendiges Wahrzeichen: Ein Steinbock an der Benediktenwand im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Jäger wollen die isolierte Kolonie dort nun mit Tieren aus der Schweiz verstärken.
Lebendiges Wahrzeichen: Ein Steinbock an der Benediktenwand im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Jäger wollen die isolierte Kolonie dort nun mit Tieren aus der Schweiz verstärken. © JOSEF HARTL

Kommt nach den Geiern nun der Steinbock? Der Jagdverband will Schweizer Steinwild an der Benediktenwand aussetzen – um das Inzuchtproblem der isolierten Kolonie zu lösen. Doch bis zum erhofften Auswilderungstermin wird die Zeit knapp.

Bad Tölz – Für die Benediktenwand sind sie längst zu einer Art lebendigem Wahrzeichen geworden. „Obwohl sie nicht vermarktet wird, ist die Steinwild-Kolonie bei uns hochgeschätzt“, sagt Franz Steger, Sachgebietsleiter für Umwelt am Tölzer Landratsamt. Für ihn ist der Höhenweg vom Brauneck über die Achselköpfe zur berühmten „Bene-Wand“ eine der schönsten Wanderungen in der Region. Und mit ein bisschen Glück lässt sich dort auch mal ein Steinbock beobachten.

Rund 100 Stück Steinwild tummeln sich an der Benediktenwand. Die Population entstand aus einem eingewanderten Tiroler Einzelgänger, genannt „der Alte“, und weiteren Tieren, die seit den 60er-Jahren dort ausgewildert wurden. Doch es ist eine geschlossene Gesellschaft, einen Austausch mit anderen Populationen gibt es nicht. Darunter leidet die genetische Vielfalt des Steinwilds an der Benediktenwand, wie Untersuchungen der Uni Zürich bestätigten. Deshalb wollen engagierte Jäger vor Ort nun Verstärkung organisieren.

Die Zustimmung des Landwirtschaftsministeriums steht noch aus

Im vergangenen Frühjahr kündigte der Bayerische Jagdverband an, zehn Tiere aus der Schweiz an der Benediktenwand auswildern zu wollen. Die Kosten von rund 100 000 Euro wollen die Jäger tragen. Seitdem laufen die Vorbereitungen. „Es sind viele Details, die sich da ergeben“, berichtet Steger aus dem Landratsamt. „Von der Wahl der Ohrmarken bis zu den veterinärmedizinischen Untersuchungen muss alles abgeklärt werden.“ Die Genehmigungen aus der Schweiz für Fang, Markierung und Transport der Tiere aus dem Wallis seien mittlerweile vorhanden. „Fehlt noch die Ausfuhrgenehmigung.“ Angedacht sind zehn Tiere, überwiegend weiblich, so dass schnell eine nächste Generation mit dem neuen Genmaterial heranwachsen kann. Auf bayerischer Seite muss das Landwirtschaftsministerium als oberste Jagdbehörde den Plänen noch zustimmen. Aus dem Ministerium heißt es, die Antragsunterlagen würden gerade noch finalisiert, deshalb könne man sich aktuell noch nicht äußern. „Da geht es zum Beispiel um die Frage, welche Folgen eine Auswilderung auf die Vegetation und den Wald an der Benediktenwand hätte“, sagt Steger.

Anvisierter Auswilderungs-Termin: Ende April oder Anfang Mai

Beim Bund Naturschutz (BN) beobachtet man die Pläne mit gemischten Gefühlen. „Natürlich wünschen wir uns immer überlebensfähige Populationen“, sagt BN-Waldreferent Ralf Straußberger. „Aber so eine Auswilderung braucht eine sorgfältige Abwägung: Ist der Lebensraum groß genug, um so eine Blutauffrischung sinnvoll durchzuführen? Und was passiert, wenn es zu viele Tiere werden? Schießt man dann?“

In der Vergangenheit kam das gelegentlich vor. Wuchs die Population stark, wurden vereinzelt Abschussgenehmigungen für die ganzjährig geschonte Art erteilt. Franz Steger ist aber überzeugt, dass das Ziel, die genetische Vielfalt zu erhöhen, eine stichhaltige Begründung für die Auswilderung ist. „Es gäbe einen Aufschrei in der Region, wenn da auf einmal missgebildete Tiere heranwachsen würden oder die Population zusammenschrumpft.“

Steger schielt auf den Zeitraum von Ende April bis Anfang Mai für die Auswilderung. „Es wird sportlich. Aber wir hoffen, dass wir es hinbringen.“ Beim Bayerischen Jagdverband heißt es nur kurz und knapp: „Die Vorbereitungen laufen und die Gelder sind bereitgestellt.“ Aber die Maßnahme müsse ordentlich abgewickelt werden.

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