Für ihre Verdíenste um die Bergwacht Bayern wurden unter anderem Franz Vögele aus Murnau (v.l.), Schwester Theodolinde Mehltretter von der Adelholzener Alpenquelle und Horst Hornfeck aus Schliersee ausgezeichnet. foto: kurzendörfer

Zur Stelle, wenn’s vom Berg ruft

München - Ein Leben für die Bergwacht. 21 Männer und eine Frau wurden für ihre Verdienste um die Bergrettung ausgezeichnet. Zum ersten Mal gab sich dabei auch ein Ministerpräsident die Ehre.

Stundenlang hat Einsatzleiter Horst Hornfeck den verschütteten Pistenraupenfahrer gesucht. Die ganze Mannschaft der Schlierseer Bergrettung (Kreis Miesbach) war mit ihm oben am Berg. Die Zeit lief gegen den Raupenfahrer.

Damals in den 70er Jahren ist das gewesen, sagt Hornfeck. Der heute 76-Jährige steht im Vierschimmelsaal der Münchner Residenz. In ein paar Minuten erhalten er und viele andere Bergretter dort eine Auszeichnung für ihre Verdienste. Hornfeck erzählt ruhig, aber nicht distanziert. Wie jemand, der den Katastrophen oft ins Auge geblickt hat, aber nie den Respekt vor den Unglücken verloren hat.

„Nach zwei Stunden Suchen und Graben haben wir den Raupenfahrer praktisch unversehrt gefunden“, erzählt er. Dessen Glück sei gewesen, dass er sich in der Raupe befand, als die Lawine runterging. „Die dankbaren Augen der Geretteten, das ist für mich der schönste Lohn“, sagt Horst Hornfeck bescheiden über seine Arbeit als Bergretter. Seit 53 Jahren macht er das jetzt schon. Sein Großvater war Gründungsmitglied der „Ersten Skifahrenden Sanitätskolonne“ - das war die Geburtsstunde des Deutschen Bergrettungsdienstes im Roten Kreuz. Eine Berufung, für die Hornfeck heute mit dem Abzeichen in Gold ausgezeichnet wird.

Für zwei Stunden verwandelt sich der traditionsreiche Vierschimmelsaal am Montag Vormittag ein wenig in einen Stadl. In einer Ecke, unter einem riesigen Ölgemälde, wird Gstanzl-Musik gespielt. Der Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Alois Glück, heißt die geladenen Gäste - die meisten sind in Tracht gekommen - „in der guten Stube“ willkommen. Auch Ministerpräsident Horst Seehofer gibt sich die Ehre und zeichnet als erster bayerischer Ministerpräsident die Bergretter persönlich aus. Zwar spricht Seehofer zunächst viel von anderen Dingen, wie dem „Fünf-Sterne-Land“ Bayern, von Vollbeschäftigung, von Audi, BMW und Adidas. Aber ja nur, um dann umso mehr die Bergretter für ihre Leistungen zu loben, für ihre Zusammenarbeit, den Teamgeist.

Und dafür wird neben Horst Hornfeck auch der Murnauer Franz Vögele (Kreis Garmisch-Partenkirchen) mit dem goldenen Leistungsabzeichen ausgezeichnet. Mit seinen 71 Jahren ist Vögele immer noch aktiver Bergretter - und damit gut beschäftigt. Letztes Wochenende hatte er Bereitschaft, nächste Woche bildet er junge Bergretter aus. Wie viele Einsätze er in seinen 46 Jahren Dienst absolviert hat, traut er sich nicht zu schätzen.

„Verändert“, sagt Vögele, „hat sich in all den Jahren aber viel. Die Anforderungen an die Bewerber sind härter geworden.“ Um den Nachwuchs macht er sich aber dennoch keine Sorgen. Im Gegenteil. „Die fundiertere Ausbildung führt dazu, dass das Ehrenamt des Bergretters attraktiver wird.“

Und mit engagierten Unterstützern wie Schwester Theodolinde Mehltretter wird die Bergwacht auch in Zukunft gut aufgestellt sein. Die 65-jährige ehemalige Geschäftsführerin der Adelholzener Alpenquellen hatte 2004 veranlasst, dass von jedem verkauften Träger Mineralwasser zehn Cent dem Bau des weltweit einzigartigen und selbstentwickelten Hubschraubersimulators in Simulationszentrum Bad Tölz zu Gute kamen. Unter anderem dafür erhielt sie in der Residenz ein Ehrenabzeichen. „Wir unterstützen die Bergwacht seit Jahren finanziell“, sagt Schwester Theodolinde. Und natürlich auch mit Getränken. Die sind in der Tölzer Übungsanlage nämlich gratis.

Patrick Wehner

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