Ludwig Spaenle Stolz über den Zuwachs bei den Lehrerstellen.

10 000 Stellen für ein Kind weniger je Klasse

München - Bayern beschäftigt so viele Lehrer wie nie. Trotzdem gibt es kaum spürbare Verbesserungen im Schulalltag, etwa bei den Klassenstärken. Aber warum ist das so?

Hans-Ulrich Pfaffmann „Ich zweifle Ihre Darstellung an.“

„Jetzt sagt er’s zum 5. Mal“, grollte der SPD-Abgeordnete Martin Güll. „Nein, zum 7. Mal“, zürnte ein Landtagskollege, und zog den Kopf noch ein wenig mehr ein. Schon wieder schwirrte das Fallbeil des Kultusministers über der Opposition. „Entweder kann man’s nicht oder man sagt wissentlich die Unwahrheit“, lästerte Ludwig Spaenle. Und dann breitete er erneut seine Zahlenkolonnen im Bildungsausschuss aus. Dass Bayern den höchsten Lehrerstand seit über 60 Jahren habe. Dass der Etat des Kultusministeriums im Jahr 2011 auf 9,78 Milliarden Euro gestiegen ist - absoluter Rekord. Und dass seit 2008 über 6000 neue Lehrerplanstellen geschaffen worden seien.
„Wichtig ist, was hinten raus kommt“, zitierte Ludwig Spaenle Helmut Kohl. Aber was kommt „hinten raus“? Wenig, urteilte die Opposition. Zwar hat die Zahl der Lehrerstellen von 2007 bis 2011 um 10 000 zugenommen, der Freistaat beschäftigt heute über 101 000 Lehrer. Trotzdem sind im gleichen Zeitraum die Klassenstärken in den größten Schularten im Schnitt nur minimal gesunken, nämlich:

-In der Grundschule von 23,1 auf 21,8.

-In der Hauptschule von 21,4 auf 20,2.

-In der Realschule von 21,4 auf 20,2.

-Am Gymnasium von 27,9 auf knapp unter 27.

Das heißt, in den Klassen sitzt heute im Schnitt gerade einmal ein Schüler weniger als noch vor vier Jahren.

Spaenle, designierter Münchner CSU-Chef, saß im Landtag direkt neben Hans-Ulrich Pfaffmann, SPD-Bildungsexperte und Münchner SPD-Chef. Das mag persönliche Feindseligkeiten erklären. „Ich zweifle ihre Darstellung an“, begann Pfaffmann seinen Konter, in dem er sich dagegen verwahrte, als „dumm und unfähig“ dargestellt zu werden. Was Spaenle als Investition darstelle, sei zumeist eine reguläre Kostensteigerung im Doppelhaushalt 2011/12 - etwa für Beförderungen und Pensionierungen. Er frage sich, warum alle Lehrerverbände die „intransparente“ Stellenplanung kritisierten.

In der Tat: Trotz der Stellenmehrung insgesamt hat der Bayerische Philologenverband erst vergangene Woche einen Brandbrief an CSU und FDP verschickt, um den Wegfall von 1800 Stellen am Gymnasium zu verhindern. Die Stellen schwinden, weil der letzte G 9-Jahrgang demnächst sein Abitur macht. Doch der Protest war vergebens - die Stellen werden umgeschichtet und wandern zum Teil an die Hochschulen. Der Verband der Realschullehrer spricht schon von „Luftbuchungen“, weil trotz starken Schülerzuwachses auch für diese Schulart nur wenige neue Stellen bewilligt wurden.

Wahrscheinlich seien andere, personalaufwändige Unterrichtsformen ein Grund dafür, warum sich trotz Stellenzunahme vor Ort wenig ändere, meinte die Abgeordnete der Freien Wähler, Eva Gottstein. Etwa mehr Ganztags-Angebote oder auch die personalintensive Inklusion (also der Regelschul-Besuch behinderter Kinder), wo künftig sogar noch mehr investiert werden muss, wie der CSU-Abgeordnete Georg Eisenreich sagte.

Es gibt übrigens auch nette Ausnahmen von der Statistik. Zum Beispiel Bayerns kleinste Hauptschulklasse im Landkreis Neustadt/Aisch: neun Schüler.

von Dirk Walter

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