Nachweis über Gottesdienstbesuch

Wirbel um Stempelkarte für Kommunionkinder

Waldkirchen - Ein Stempel-Buch für den Gottesdienstbesuch? In vielen Pfarrgemeinden führen Kommunionkinder einen Pass, um sich den Kirchgang bestätigen zu lassen. Ohne Pass keine Kommunionfeier? So streng läuft das nicht.

Der Besuch vom Sonntags-Gottesdienst ist in vielen Familien längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Nicht einmal, wenn sich der Sohn oder die Tochter auf die Erstkommunion vorbereiten. Am Sonntag nach Ostern, dem sogenannen „Weißen Sonntag“, finden in vielen katholischen Pfarrgemeinden traditionell die Erstkommunionfeiern statt. Noch bereiten sich die Drittklässler auf das große Ereignis vor.

Um die Kinder zum Gottesdienstbesuch in dieser Zeit zu motivieren, führen immer mehr Pfarrgemeinden einen Art Stempel-Pass ein. So auch im Pfarrverband Waldkirchen (Kreis Freyung-Grafenau). Dort gibt es einen Streckenpass. Um zur Erstkommunion zugelassen zu werden, müssen die Grundschüler mindestens zehn Gottesdienste besuchen und sich die Anwesenheit dann in der Sakristei mit einem Stempel bestätigen lassen, schreibt die Passauer Neue Presse. Ein Vorgehen, das nicht bei allen Eltern auf Verständnis stößt.

Die Kinder allerdings scheinen kein Problem damit zu haben. „Mein Sohn Alexander sieht den Stempel nach der Kirche als Belohnung, eine Art Adventskalender, denn dieser führt ihn ja Schritt für Schritt zu seiner ersten Kommunion hin“, sagt Vater Rainer Schüll aus Waldkirchen.

In der katholischen Gemeinde St. Joseph in Tutzing (Kreis Starnberg) gibt es auch so etwas wie eine Stempelkarte – allerdings bei den Firmlingen. Pfarrer Peter Paul Brummer ist keiner, der unter Verdacht stehen könnte, zu kontrollieren oder Druck auszuüben. Aber bei den Siebtklässlern, den 13-jährigen Buben und Mädchen, funktioniere das mit der Karte recht gut. „Das hilft manchem, ein bisserl Selbstkontrolle zu üben“, sagt er auf Nachfrage. Er hat allerdings auch noch nie jemanden von der Firmung ausgeschlossen, weil die Karte nicht voll war. „Aber es war dann ein Anstoß für ein Gespräch mit dem Jugendlichen.“ Durch eine solche „Card“ werde auch eine gewisse Gruppendynamik angestoßen.

Heutzutage haben die Geistlichen – auch die Gemeindereferenten – schon damit zu kämpfen, dass manche Menschen meinten, ein so kostbares Sakrament wie die Kommunion „im Vorbeigehen mitnehmen zu können“. Das werde, so Brummer, der Bedeutung des Sakraments nicht gerecht. Gleichzeitig beobachtet der Priester eine wachsende Unverbindlichkeit. Es sei schon schwierig, über Wochen und Monate die Kinder bei der Stange zu halten.

In St. Joseph werden die Buben und Mädchen, die am 28. April zu Erstkommunion gehen, seit Ende November auf das Ereignis vorbereitet. Bei Kommunionkindern allerdings hat Brummer eine solche Stempelkarte nicht eingeführt. „Aber es gibt Kinder, die fast nie da sind. Was mache ich dann? Da muss ich mit den Eltern sprechen“, berichtet er. Das Christentum sei ein Weg, dem man sich anschließen könne oder nicht. Den Eltern müsse man daher schon klarmachen, dass Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit dazu gehörten. Doch diese Probleme treiben den Pfarrer nicht nur bei Erstkommunion oder Firmung um. Auch Taufen und Hochzeiten müssten mehr sein als „ein Event“. Daher sollte es eine intensive Vorbereitung darauf geben.

Monsignore Thomas Schlichting, Leiter des Ressorts Seelsorge und kirchliches Leben im erzbischöflichen Ordinariat in München, kennt solche „Stempelkarten“ auch aus der pastoralen Praxis, als er noch Pfarrer in Traunreut war. „Wichtig ist, dass damit eine positive Motivation verbunden ist“, erklärt er. Keinesfalls solle Druck oder Zwang ausgeübt werden. Schlichtig weiß, dass es eine Gratwanderung ist. Die Pfarrer sollten den Kindern deutlich machen, dass es sinnvoll ist, während der Vorbereitung auf die Sakramente regelmäßig zum Gottesdienst zu gehen. Extremer Druck sei kontraproduktiv. Aber ein solcher Pass könne auch ein schöner Anreiz sei: Kinder sammelten ja auch gerne.

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Damals, in Traunreut, erinnert sich Schlichting, seien die Firmlinge oft nach der Messe regelrecht in die Sakristei gestürmt, um sich den Stempel zu holen. Und dann wollten auch die Kommunionkinder nicht zurückstehen.

Bruno Pöppel, Pfarrer von Waldkirchen, macht klar: „Man kann kein Sakrament empfangen, wenn man das Hochamt der Eucharistie nicht respektiert und kennt.“ Der Gottesdienst-Pass jedenfalls soll die Kinder dazu anregen, diese Erfahrung zu machen.

VON CLAUDIA MÖLLERS UND CHRISTOPH SEIDL

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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