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Natur-Idylle: Weil die Wasserqualität des Flusses so gut ist, baden Wasserratten gerne in ihrer Isar – wie hier in München. Einige Angler beklagen allerdings, dass in dem Gewässer kaum noch Fische schwimmen.

Sterben Fische, weil die Isar zu sauber ist?

München - Der Fisch-Bestand in der Isar geht dramatisch zurück. Je sauberer das Wasser, desto weniger Fische sind im Fluss - das sagt der Chef des Moosburger Anglervereins. Doch Experten sehen ganz andere Ursachen für das Fischsterben.

Die Isar ist zu sauber - deshalb sterben heimische Fischarten aus. Wie bitte? Das klingt nach einem Widerspruch. Doch Robert Kaseder steht hinter dieser These. Er ist erster Vorsitzender des Anglervereins Moosburg im Kreis Freising - er und seine Fischerfreunde beklagen immer häufiger leere Netze. „Je sauberer das Wasser, desto weniger Fische sind darin."

Vor 100 Jahren, sagt der 52-Jährige aus Mauern, da war der Nährstoffgehalt in der Isar zehn Mal so hoch wie heute. Äschen, Barben, Aitel, Nasen, Huchen, verschiedene Aale und Kleinfische - diese isartypischen Fische seien damals noch in ganzen Schwärmen im Fluss unterwegs gewesen, Futter war reichlich vorhanden. Doch damals war die Isar noch ein freies Gewässer, an vielen Stellen eng verbunden mit Auwäldern. Mit jedem Hochwasser wurden Laub, Gehölz, Käfer, Erdreich in den Fluss gespült. Das sind natürliche Nährstoffe: „Davon lebt ein Fluss", sagt Kaseder. Die Isar wurde aber begradigt - die natürliche Nährstoffanreicherung fehlt weitgehend, sagt der Fischer. Dazu komme, dass die Kläranlagen das Nutzwasser mittlerweile auf Trinkqualität säubern. „Es gibt also auch keinen unnatürlichen Nährstoffeintrag mehr", beklagt Kaseder. „Die Isar ist einfach zu sauber." Nur Algen könnten mit dem geringen Nährstoffgehalt wachsen - und das nicht zu knapp.

Ein algenbedecktes Flussbett: Ist das ein Zeichen für ein kränkelndes Gewässer? „Algen gehören dazu", sagt Klaus Arzet, Leiter des Münchner Wasserwirtschaftsamts und zuständig für die Isar zwischen Schäftlarn im Süden und Moosburg im Norden. Zudem bieten Algen auch Nahrung für Fische, sagt der Biologe. Von der „Zu Sauber"-These Kaseders hält Arzet nichts. „Die Isar ist weit davon entfernt, nährstoffarm zu sein." Fischereifachberater Ulrich Wunner vom Bezirk Oberbayern schießt ebenfalls gegen Kaseder: „Das ist ja fast schon dreist", sagt er. Jahrzehntelang habe die Fischerei dafür gekämpft, dass die Flüsse nicht von Abwasser verseucht werden. Und jetzt soll die Isar zu sauber für Fische sein?

Die Wasserqualität in Bayern erhalte im europaweiten Vergleich die Schulnoten 1 bis 2. Beim Fischbestand sieht es deutlich schlechter aus. „Da haben wir die Note 5 bis 6." Vor 20 Jahren maß man in der Isar etwa 200 bis 300 Kilo Fisch pro Hektar. Heute ist es etwa ein Zehntel. „Man findet alle 50 Meter vielleicht eine Äsche - man sollte aber 50 finden", sagt Wunner. Mit dem Nährstoffgehalt habe der Rückgang aber nichts zu tun - stellenweise sei der Fischbestand sehr gut, zum Beispiel im Stadtgebiet Bad Tölz. „Der Tisch ist für die Fische reichlich gedeckt", sagt Wunner. Der Experte gibt vielmehr dem Kormoran die Schuld: „Der ist das große Problem."

Der knapp gänsegroße Vogel frisst fast ausschließlich Fisch. Zwar darf der Kormoran - obgleich Vogel des Jahres 2010 - inzwischen ganzjährig abgeschossen werden. Allerdings nur, wenn das Tier auf Beutezug geht - nicht in seinen Rückzugbereichen in Vogelschutzgebieten, etwa am Speichersee in Ismaning (Kreis München). Dort rotten sich die Kormorane zusammen - „bis zu 300 sitzen da", sagt Wunner. „Die allein brauchen eine gewaltige Menge Fisch, etwa 150 Kilo pro Tag." Die Kormorane nur in der Fläche zu erschießen, reiche längst nicht aus, um das Fischsterben in Bayern aufzuhalten.

Carina Lechner

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