Babyarm mit Kuscheltier
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Mit Fotografien von Sternenkindern will Daniela Wohlbrück den Eltern möglichst viele Erinnerungen bewahren.

Ehrenamtliches Projekt

Erinnerungen an Sternenkinder: Fotografin hilft bei der Bewältigung

  • Leyla Yildiz
    vonLeyla Yildiz
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Daniela Wohlbrück schenkt Erinnerungen. Sie macht Bilder von Sternenkindern. Eltern, deren Kind tot zur Welt gekommen oder kurz nach der Geburt gestorben ist, können ihre Fotos helfen.

München – Das Telefon klingelt, Daniela Wohlbrück nimmt den Hörer ab. Ein Mann meldet sich am anderen Ende der Leitung. „Meine Frau ist mit dem vierten Kind schwanger“, sagt er. „Wir sind gerade im Krankenhaus, weil unser Baby in der 17. Woche gestorben ist.“ Mit diesem traurigen Satz beginnt die Arbeit der Münchnerin.

Daniela Wohlbrück fotografiert Sternenkinder, also Babys, die entweder im Mutterleib oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Sie ist nebenberufliche Fotografin und macht außer der Sternenkindfotografie unter anderem Familien- oder Neugeborenen-Shootings. Zu der Sternenkindfotografie ist sie durch einen Kurs des Vereins „Hope’s Angel“ gekommen. Der Verein unterstützt und begleitet Familien beim frühen Tod des eigenen Kindes und hat eine große Kartei an Sternenkindfotografen.

Daniela Wohlbrück

„Birgit Rutz, die Gründerin von Hope’s Angel, hat diesen Kurs für Fotografen angeboten und ich habe mir das Ganze angehört“, sagt Wohlbrück. „Ich wusste nämlich nicht, ob ich Sternenkinder fotografieren kann.“ Doch sie hat schnell gemerkt, dass diese wichtige Aufgabe zwar nicht leicht ist, aber „dadurch, dass ich keine eigenen Kinder habe, ist diese Verlustangst nicht da“.

Sternenkinder-Fotografen spenden Mitgefühl - „Den Eltern die wertvollste Erinnerung schenken“

Die Sternenkindfotografen dürfen den Eltern Mitgefühl zeigen, sich jedoch nicht zu stark in die Situation hineinversetzen. „Es ist ja nicht das eigene Schicksal“, sagt Wohlbrück. Bei ihrem ersten Auftrag war die Fotografin noch aufgeregt. Allerdings wusste sie, dass es ein Auftrag ist, den sie für die Eltern des Kindes perfekt machen muss. Dabei hilft es ihr, den Tod nicht als etwas Negatives zu sehen. „Ich versuche mich darauf zu fokussieren, dass ich jetzt keine Leiche fotografiere, sondern dass ich den Eltern die wertvollsten Erinnerungen an ihr Kind schenken werde“, sagt Wohlbrück.

Seit etwa sieben Jahren ist sie bei „Hope’s Angels“ und zusätzlich bei der „Dein-Sternenkind-Stiftung“ als Fotografin für Sternenkinder im Raum München und Dachau registriert. In dieser Zeit hatte sie fünf Einsätze. Das kleinste Sternchen, wie Wohlbrück die Kinder nennt, war das, das in der 17. Woche gestorben ist. „Das war so klein, dass man noch kein Geschlecht erkennen konnte“, sagt sie. Doch Füße, Hände, Gesicht, Nasen und Ohren waren schon da. „Davon mache ich immer Detailaufnahmen“, sagt Wohlbrück. Das ist wichtig, „dass die Eltern hinterher sagen können, ,es hatte deine Nasen oder deine Ohren‘“.

Sternenkinder: Daniela Wohlbrück nimmt kein Geld - sie will einfach nur helfen

Bei dem Termin hat sie den Eltern gesagt, dass sie nicht auf sie achten sollen. „Ich habe dann Fotos von der Situation gemacht“, sagt sie. „Wie beispielsweise die Geschwister des Sternchens seine Hand berührt haben.“ Die fertigen Fotos schickt oder übergibt sie persönlich an die Eltern – je nachdem, wie sie es wünschen. Anschließend können die Eltern selber entscheiden, ob und wann sie den Umschlag mit den Fotos aufmachen. „Manche machen die Bilder erst Wochen, Monate oder Jahre später auf“, sagt sie.

Für ihre Fotos bekommt sie kein Geld, sie macht die Bilder ehrenamtlich. Aufs Geld kommt es Daniela Wohlbrück aber auch nicht an. „Ich wollte schon immer etwas Soziales, Ehrenamtliches machen“, sagt die Fotografin. „Es gibt mir ein gutes Gefühl für die Eltern, Erinnerungen zu schaffen.“ Denn ohne sie sei es schwieriger, den frühen Tod des eigenen Kindes zu verarbeiten.

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