Steuer-Vergleich: Die günstigsten Gemeinden

München - Der Wirtschaftsaufschwung sorgt für Entspannung in den Kassen vieler Kommunen. Die Steuern sprudeln, doch sie sprudeln von Ort zu Ort unterschiedlich. Ein Vergleich.

Trotz leicht verbesserter Kassenlage bleibt nach Einschätzung des bayerischen Städtetags-Chefs Ulrich Maly (SPD) die Finanznot weiterhin das größte Problem der Kommunen. „Die Konjunktur deckt derzeit die strukturellen Probleme nur zu“, warnt Maly. Wie berichtet, schlägt der Nürnberger Oberbürgermeister vor, die Gewerbesteuer künftig auf Freiberufler wie Ärzte, freie Architekten und Rechtsanwälte auszuweiten. Für seinen Vorschlag erntete Maly heftige Kritik, vor allem aus den Reihen der Ärzteschaft.

Die Gewerbesteuer ist die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinden. Diese können die Hebesätze selbst bestimmen, wodurch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen entstehen. In Bayern reicht die Spannweite bei der Gewerbesteuer von 230 Prozent bis zu 490 Prozent, teilt das Landesamt für Statistik in einem aktuellen Vergleich mit.

Die gravierendsten Fälle von Steuerverschwendung

Die schlimmsten Fälle von Steuerverschwendung

Günstige Hebesätze spülen zwar weniger Geld in die Kassen, locken dafür aber Investoren an. Den niedrigsten Gewerbesteuerhebesatz mit 230 Prozent hatte im Jahr 2010 die Gemeinde Rettenbach am Auerberg im Landkreis Ostallgäu. Mit jeweils 240 Prozent sind die beiden Steueroasen in Oberbayern Pöcking und das noble Grünwald. Auch in Gräfelfing (250), Pullach (260) und Oberhaching (270) sind die Sätze vergleichsweise niedrig. Die ProSiebenSat.1 Media AG in Unterföhring muss mit 330 Prozent schon deutlich mehr Gewerbesteuer zahlen. In Starnberg sind es ebenfalls 330 Prozent, in Rosenheim sogar teure 400. Die Spitzenposition in Bayern belegt München zusammen mit der kleinen Gemeinde Kirchberg mit stolzen 490 Prozent (siehe Interview). Auf dem dritten Platz steht der 2800-Seelen-Ort Frauenau im Landkreis Regen (475). In Nürnberg sind es 447, in Augsburg 435 und in Regensburg 425 Prozent.

Für Hauseigentümer und Landwirte spielt vor allem die Höhe der Grundsteuer eine wichtige Rolle. Die Grundsteuer A (agrarisch) gilt für Grundstücke der Landwirtschaft, die Grundsteuer B (baulich) für bebaute oder bebaubare Grundstücke. Die niedrigsten Sätze mit jeweils 150 Prozent für A und B gibt es in Gundremmingen. Landwirte in Pullach (160), Gräfelfing (170) und Rottach-Egern (180) werden ebenfalls vergleichsweise wenig zur Kasse gebeten. Am höchsten ist die Grundsteuer A in Gnotzheim und Meinheim. Beide Gemeinden im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen verlangen satte 650 Prozent. In München sind es immerhin noch teure 535 Prozent.

Steuersenkungen: Wer davon profitiert

Steuersenkungen: Wer davon profitiert

Die Grundsteuer B ist in Gundremmingen am günstigsten, es folgen Gräfelfing, Brunnthal, Feldkirchen und Grünwald mit je 200 Prozent. Auch in Baierbrunn (220), Taufkirchen (220) und Planegg (250) sind die Sätze niedrig. Gnotzheim und Meinheim hingegen sind mit 650 Prozent auch bei der Grundsteuer B die teuersten Gemeinden Bayerns. München folgt auf Platz acht mit 535 Prozent. Aber es geht auch noch teurer: Enzklösterle in Baden-Württemberg belegt deutschlandweit den Spitzenplatz bei der Grundsteuer A. Hebesatz: 1800 Prozent.

Von Thomas Schmidt

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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