Neugeborenen-Screening

Stoffwechselerkrankung: Fast alle Babys in Bayern werden untersucht

Erlangen - Ein kleiner Piks in die Ferse kann Leben retten: Fast jedes Neugeborene im Freistaat wird auf Stoffwechsel- und Hormonstörungen getestet. Mit der richtigen Behandlung ist ein normales Leben möglich.

Fast alle in Bayern geborenen Babys werden inzwischen frühzeitig auf schwere angeborene Stoffwechsel- und Hormonstörungen untersucht. Mit Behandlung verbessere sich die Chance dieser Kinder erheblich, trotz ihrer Krankheit ein normales Leben führen zu können, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Mittwoch in Erlangen. Die Teilnahmequote am sogenannten Neugeborenen-Screening liege bei 99 Prozent.

Unbehandelt können Störungen sogar zum Tod führen

Dabei wird Babys am 2. oder 3. Lebenstag ein Tropfen Blut an der Ferse abgenommen und untersucht. Von 1999 bis Ende 2013 wurden mit Hilfe des Programms bei etwa 1300 Kindern solche Erkrankungen frühzeitig festgestellt. Unbehandelt können diese Störungen zu schweren geistigen und körperlichen Behinderungen führen - oder sogar zum Tod. Ohne den Test würde man die Erkrankung zunächst nicht bemerken, weil die Kinder nach der Geburt meist völlig gesund wirken.

Auf 14 angeborene Stoffwechsel- und Hormonprobleme wird bisher getestet. Zu diesen Störungen gehören die Schilddrüsenunterfunktion, die Phenylketonurie (eine Störung im Eiweißstoffwechsel), der MCAD-Mangel (eine Störung der Fettsäureverwertung) oder das Adrenogenitale Syndrom (Unterfunktion der Nebennierenrinde).

Solche Erkrankungen treten bei etwa einem von 1200 Neugeborenen auf. Derzeit wir untersucht, auf welche weiteren seltenen Krankheiten das Screening ausgeweitet werden kann. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll auch auf die Erbkrankheit Mukoviszidose getestet werden.

Im Freistaat werden jedes Jahr etwa 105.000 Neugeborene untersucht. Rund 100 Kinder kommen pro Jahr mit einer solchen Störung zur Welt.

Erfolgreiches „Tracking“-Verfahren

Damit möglichst kein Neugeborenes übersehen wird und auffällige Befunde abgeklärt werden, gibt es in Bayern seit 1999 ein spezielles Erinnerungssystem („Tracking“) durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und die Gesundheitsämter. Mitarbeiter sprechen dabei gezielt Eltern an, die mit ihren Kindern nicht zu Kontrolluntersuchungen kommen.

„72 der betroffenen Kinder wären ohne das spezielle bayerische ‚Tracking‘-Verfahren nicht frühzeitig diagnostiziert und behandelt worden“, sagte Huml. Bei mehr als 500 Kindern ging beispielsweise der Test verloren, was ohne „Tracking“ gar nicht aufgefallen wäre.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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