Stopp! Keine Bussis an Schulen

Mehr als 1500 Menschen in Bayern haben sich inzwischen mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert. Damit es zum Schuljahresanfang zu keiner massenhaften Ausbreitung kommt, legt das Kultusministerium nun einen Verhaltenskatalog auf.

Noch hat das Kultusministerium den Brief nicht verschickt. Doch sein Inhalt ist längst bekannt. Pünktlich zum Schulstart am 15. September will die Behörde rund 5500 bayerischen Schulen eine Information zukommen lassen: Es geht um die Schweinegrippe – und um „Verhaltensmaßnahmen“, wie man sich vor dem neuen Virus am besten schützt.

Kein Händeschütteln, kein Bussi, keine Finger im Gesicht. Stets in den Ärmel niesen – und: Immer wieder Hände waschen. Damit soll das Infektionsrisiko in Klassenzimmern und auf Pausenhöfen minimiert werden. Denn im Herbst könnte sich die Situation zuspitzen: Breitet sich der Schweinegrippe-Erreger zusammen mit der allgemeinen Grippewelle aus, verändert sich das neue Virus womöglich – und der bisher sanfte Verlauf der Krankheit gehört der Vergangenheit an.

„Das Schreiben aus dem Kultusministerium wird Grundlage für die Schulen sein, Schüler, Lehrkräfte und Eltern zu informieren. Wie diese Information konkret erfolgt, wird aber vor Ort jede Schule selbst entscheiden“, sagt Sprecherin Nicole Steinbach – eine Doppelstunde „Schweinegrippe-Prävention“ stehe in der ersten Schulwoche also nicht zwingend auf dem Lehrplan.

Auch ist noch nicht klar, wie man am besten mit potenziellen Schwänzern umgehen soll: Schülern, die lediglich vorgeben, Grippesymptome zu haben, damit sie zuhause bleiben können. „Die Schule wird – wie bei anderen Krankheiten auch – jeweils individuell die Situation einschätzen und nach ihrem Ermessen reagieren. Eine ärztliche Diagnose kann nur ein Arzt, nicht aber die Schule stellen“, sagt Steinbach weiter. Sollte tatsächlich an einer Schule die Schweinegrippe ausbrechen, wolle man am bisherigen Verfahren festhalten, heißt es im Gesundheitsministerium.

Konkret bedeutet das: „Von Fall zu Fall an Ort und Stelle neu entscheiden.“ Eine Schulschließung müsse das örtliche Gesundheitsamt in Absprache mit dem Schulamt verhängen – die Schule selbst dürfe die Schüler nicht für mehrere Tage oder gar Wochen nach Hause schicken.

Auch in den Rathäusern ist das Thema Schweinegrippe längst angekommen: Während die Mitarbeiter in Würzburg und Erlangen bei Nürnberg die Menschen auf dem Amt lieber anlächeln statt ihnen die Hand zu schütteln, gibt es in Oberbayern (noch) keine Kommune, „die ähnliche Maßnahmen ergreift“, heißt es beim Bayerischen Städtetag. „Sollte sich die Schweinegrippe jedoch massiv ausweiten, könnten diese Verhaltensregeln größere Kreise ziehen“, sagt Vize-Geschäftsführer Bernd Buckenhofer. Bislang aber werde „die Situation manchmal dramatischer dargestellt als sie ist“.

Ähnliches hört man bei den Kirchen. Anders als vielfach kolportiert, gebe es „keine offizielle Anweisung der Deutschen Bischofskonferenz“, im katholischen Gottesdienst auf den Friedensgruß zu verzichten, heißt es beim Erzbischöflichen Ordinariat München-Freising. Und auch die evangelische Kirche hält sich mit einer „allgemein verpflichtenden Regelung“ zurück: Beim traditionellen Abendmahl werde weiterhin aus einem Kelch getrunken. Jede Gemeinde könne aber selbst entscheiden, ob die Gläubigen künftig auf den Schluck Traubensaft verzichten – und nur ihre Hostie eintauchen.

mm

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