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Osman Saracuz: Er wurde erschossen.

Tod im Straßengraben -Prozess

Traunstein/Edling – Ein Mann (52) liegt sterbend im Straßengraben – er hat eine Kugel im Kopf. Angeblich wollte er die Machenschaften des Chefs eines türkischen Unterstützungsvereins aufdecken. Der Vorsitzende (48) steht nun wegen Mordes vor Gericht.

Das Rätsel begann in der Nacht vom 13. auf den 14. März 2010, gegen 0.20 Uhr. Ein Autofahrer alarmierte Polizei und Notruf, weil er im Straßengraben neben der Kreisstraße nahe Edling bei Wasserburg am Inn (Kreis Rosenheim), am Rand des Naturschutzgebiets Kesselsee, einen grausigen Fund gemacht hatte. Ein Mann lag im Graben, Blut strömte ihm über Kopf und Gesicht. Der Notarzt behandelte ihn noch an Ort und Stelle. Doch alles war vergebens: Am frühen Morgen erlag der Mann im Krankenhaus Wasserburg seinen schweren Kopfverletzungen. Ein Großaufgebot an Polizeibeamten ging ans Werk, das Verbrechen aufzuklären. Eine Belohnung von 5000 Euro wurde ausgesetzt.

Die Ermittler fanden schnell heraus, dass es sich bei dem Toten um den 52-jährigen Türken Osman Saracuz aus München handelt. Er starb an einer Kugel, die man ihm durch den Kopf gejagt hatte. Die Spuren und Hinweise führten letztlich zu einem 48-jährigen Landsmann des Toten. Der Türke, damals Angestellter der Stadt München, muss sich ab 15. Februar wegen Mordes an Saracuz vor dem Schwurgericht Traunstein verantworten. Hat er den Landsmann erschossen?

Die Ermittler wussten bereits bald nach der Tat, wo Saracuz den letzten Abend seines Lebens verbracht hatte. Das mit 1,58 Zentimeter Körpergröße auffallend kleine Opfer hielt sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 23 Uhr noch im Münchner Stadtteil Giesing nahe des Lokales „Sanzatu“ in der Sankt-Bonifatius-Straße auf. Wenig später verlor sich seine Spur im Bereich des Rosenheimer Platzes.

Die Kripo Rosenheim ging davon aus, dass der 52-Jährige in einem Fahrzeug von München aus an den Auffindeort – etwa zwei Kilometer von Edling entfernt Richtung Albaching – gelangte. Die Polizei veröffentlichte mögliche Fahrtstrecken und bat dringend um Zeugenhinweise, auch mit Hilfe von 1000 Plakaten, die in München und an markanten Stellen der denkbaren Routen geklebt wurden.

Fünf Tage nach dem Verbrechen klickten für den jetzigen Angeklagten in München die Handschellen. Die Hintergründe der Bluttat sollen in einem türkischen Unterstützungsverein mit Sitz in München zu finden sein. Der angeblich von Schulden geplagte Angeklagte war über viele Jahre Vorsitzender und soll es mit den Finanzen nicht genau genommen haben. So soll dem Verein ein Schaden in fünfstelliger Höhe entstanden sein. Das Opfer soll zeitweise im Vorstand gewirkt haben und kurz vor der Gewalttat wieder in den Vorstand gewählt worden sein. Dabei sollen dem 52-Jährigen die Unregelmäßigkeiten, beispielsweise unberechtigten Barabhebungen, aufgefallen sein – die er angeblich bei der ersten Sitzung des neuen Vorstands ans Tageslicht bringen wollte. Sie war für den 14. März 2010 terminiert. Die Nacht zuvor überlebte der 52-jährige jedoch nicht.

Der Angeklagte soll ihn vor Mitternacht in München aufgesucht haben und mit ihm in Richtung des späteren Auffindeorts gefahren sein. Außerhalb des Autos soll der 48-Jährige überraschend die Waffe gezückt und dem ahnungslosen Mann in den Kopf geschossen haben – laut Anklage heimtückisch und um seine vorherigen Straftaten zu verdecken. Das Schwurgericht Traunstein wird den Fall genau beleuchten. Ein Urteil wird am 28. März erwartet.

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