Sündiges Treiben auf dem Rückzug

Städte kämpfen gegen Straßenprostitution

München - Leichtbekleidete Frauen, die sich auf dem Straßenstrich Männern anbieten: An manchen Münchner Plätzen ist das ein alltägliches Bild. Ganz anders in Nürnberg, dort herrscht ein Verbot. Ein solches will nun auch Augsburg.

Ob Straßenprostituierte ihre Dienste anbieten dürfen, ist in Bayern von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich geregelt. In Nürnberg sind sie gänzlich aus dem Stadtbild verbannt. Seit 1976 ist Straßenprostitution laut der Regierung von Mittelfranken im gesamten Stadtgebiet verboten. „Es ist überhaupt kein Thema hier“, sagt der Sachgebietsleiter Gewerbewesen beim Ordnungsamt, Rainer Lenzner. Nur sehr selten werde gegen das Verbot verstoßen. Auch im gesamten Schweinfurter und Aschaffenburger Stadtgebiet ist Straßenprostitution untersagt. Der Augsburger Ordnungsreferent Volker Ullrich (CSU) wünscht sich diese Situation auch für die Fuggerstadt.

„Es geht nicht darum, dass wir als Stadt besonders moralisch sein wollen“, sagt er. „Es hat erstmal den Staat nichts anzugehen, was die Menschen privat machen.“ Die Straßenprostitution sei in Augsburg lange Zeit kein großes Problem gewesen. Das sei heute anders. In den vergangenen Monaten habe es vermehrt Revierstreitigkeiten zwischen Zuhältergruppen aus Osteuropa gegeben. „Hier geht es immer häufiger um kriminelle Strukturen.“

Die meisten Augsburger Straßenprostituierten verkaufen ihren Körper Ullrichs Einschätzung nach nicht aus freien Stücken. Etwa 50 bis 100 gebe es in der Stadt, sie stammten vor allem aus Rumänien und Bulgarien. Schon den Frauen zuliebe müsse das Phänomen verboten werden - aber auch wegen massiver Beschwerden, etwa über draußen herumliegende benutzte Kondome. „Die Anzahl der Beschwerden von Unternehmen und Bürgern hat sich verzehnfacht in den letzten Monaten.“

Es gebe zwar Sperrzonen, in denen sich Frauen nicht auf der Straße gegen Geld anbieten dürften - diese seien in Augsburg aber relativ klein, kritisiert Ullrich. Er setzt sich im Stadtrat für eine Empfehlung an die schwäbische Bezirksregierung ein, die sogenannte Sperrbezirksverordnung aus den 1970er Jahren zu ändern. Die Zuhälterbanden würden sich im Falle eines Verbots aus Augsburg zurückziehen, sagt er.

Augsburgs Probleme habe München nicht, sagt der Zuständige beim Kreisverwaltungsreferat, Alain Langefeld. „Wir haben keine Zuhälterkriege oder Revierstreitigkeiten. Es ist auch nicht überwiegend so, dass Frauen dazu gezwungen werden.“ Es gebe in Bayerns Hauptstadt einen Sperrbezirk, der etwa 80 Prozent des Stadtgebiets umfasse. Dort sei jegliche Prostitution verboten.

Aber: „An neun Örtlichkeiten ist es in München erlaubt, auf den Strich zu gehen.“ Das seien die sogenannten Anbahnungszonen. Sexuelle Dienstleistungen ausüben dürften die Prostituierten dort allerdings nicht - dazu müssten sie sich mit den Freiern außerhalb des Sperrgebiets begeben, erläutert Langefeld. „Mir ist nicht bekannt, dass es zu großen Verstößen kommt.“ Er schätzt, dass es in München rund 1000 Straßenprostituierte gibt. Die Anbahnungszonen seien sehr beliebt: „Es ist sehr einfach. Man fährt hin und sucht sich eine Frau aus für eine schnelle sexuelle Dienstleistung.“

Auch in Ingolstadt, Bamberg, Coburg, Hof und Regensburg gibt es Sperrbezirksverordnungen. Regensburg fahre gut mit der Regelung, sagt Ordnungsamtsleiter Alfred Santfort. „Es gibt keinerlei Beschwerden an uns.“ In Zeiten des Internets rückt seiner Ansicht nach eher die Wohnungsprostitution in den Mittelpunkt. „Da gibt es bei uns jede Menge Beschwerden. Die Nachbarn sind da sehr rührig - schon wegen der Lärmbelästigung.“ In Würzburg ist Straßenprostitution im gesamten Stadtgebiet untersagt - einige Flächen sind der Regierung von Unterfranken zufolge zu bestimmten Zeiten von dem Verbot ausgenommen.

In Gemeinden mit bis zu 30 000 Einwohnern ist jegliche Prostitution nach Angaben des Innenministeriums grundsätzlich verboten, Ausnahmen sind aber möglich.

dpa

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