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Die Arbeiten nach dem Brand des Straubinger Rathauses haben begonnen. 

Markus Pannermayr im Interview

Straubinger OB nach dem Rathaus-Brand: „Es ist eine Tragödie“

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Straubing - Nach dem Brand des Straubinger Rathauses wird noch lange kein Alltag einkehren. OB Markus Pannermayr (CSU) berichtet vom ersten Arbeitstag nach der Tragödie.

Es ist der vielleicht schwärzeste Wochenanfang in der Straubinger Stadtgeschichte. Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) und seine Mitarbeiter versuchen, nach dem Brand des 600 Jahre alten Rathauses den Betrieb wieder aufzunehmen. Vieles läuft erst mal provisorisch. Nur eines ist größer als der Schock, sagt Pannermayr. Die Solidarität.

Einen Montag wie diesen gab es im Straubinger Rathaus die vergangenen 600 Jahre nicht. Wie ist die aktuelle Situation?

Markus Pannermayr, der Straubinger Oberbürgermeister.

Wir versuchen seit Montagmorgen, den normalen Dienstbetrieb wieder aufzubauen. Am Wochenende hatten wir weder Strom, noch Heizung oder eine Datenverbindung. Auch die Telefonleitung war zerstört. Inzwischen konnten wir die Systeme wieder hochfahren – wie es aussieht, sind alle Daten erhalten. Es wäre schwer gewesen, sie wieder zu beschaffen. Wir versuchen jetzt, die Arbeit so gut es geht aufzunehmen. Aber es sind auch einige Ämter von dem Brand betroffen. Viele Räume und Unterlagen sind durch das Löschwasser zerstört.

Wie haben Sie von dem Brand erfahren?

Ich saß am Freitag nicht weit vom Rathaus entfernt in einer Sitzung, als ich die SMS bekommen habe. Ich war innerhalb weniger Minuten vor Ort, da brannte das Dach aber bereits. Das Feuer hat sich unheimlich schnell ausgebreitet. Glücklicherweise waren am Freitagnachmittag nicht mehr viele Personen im Rathaus, so dass niemand verletzt wurde. Ich bin der Feuerwehr unendlich dankbar, dass sie es geschafft hat, die Ausbreitung des Feuers zu verhindern.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen haben, als Sie das 600 Jahre alte Rathaus brennen sahen?

Ich war fassungslos. Es war zu sehen, dass der Sitzungssaal brennt. Der ideelle Wert ist nicht in Worte zu fassen und nicht zu ersetzen. Das Rathaus gehört den Bürgern seit dem Mittelalter, es hat so viel überstanden. Es ist einfach eine Tragödie.

Wie weit werden Sie das historische Gebäude erhalten können?

Wir mussten zuerst die Fassade zum Stadtplatz hin sichern. Sie steht weitgehend frei, ursprünglich war sie über den Dachstuhl rückseitig verankert. Wir gehen aber davon aus, dass wir Fassade und Giebel erhalten können. Das war uns sehr wichtig, denn wir wollen das markante Erscheinungsbild des Rathauses weitgehend erhalten. Auch einige historische Möbel konnten wir retten.

Wie gehen die Straubinger mit dem Brand um?

Die Menschen in unserer Region sind ins Mark getroffen. Aber die Solidarität aus ganz Bayern und darüber hinaus ist riesengroß. Das hat mich ungeheuer beeindruckt. Und es tut uns sehr gut. Ich habe erlebt, wie unsere Mitarbeiter und Firmen das ganze Wochenende unheimlich engagiert gearbeitet haben. Das ist die andere Seite einer Krise: Die Menschen rücken eng zusammen.

Sogar der Ministerpräsident hat seine Unterstützung zugesagt.

Ja, Horst Seehofer hat mich am Wochenende angerufen. Er hat mir versichert, dass der Freistaat uns zur Seite stehen wird. Morgen wird das Kabinett darüber beraten. Momentan können wir allerdings nicht mal abschätzen, wie hoch der Schaden ist. Auch was die Brandursache angeht, laufen die Ermittlungen noch.

Findet der Christkindlmarkt vor dem Rathaus weiterhin statt?

Am Freitag mussten wir ihn räumen. Seit Samstag läuft bis auf ein kleines abgesperrtes Eck alles wie geplant. Man merkt, dass die Stimmung gedrückt ist. Schaulustige habe ich nicht gesehen. Man spürt aber ganz deutlich eine andere Botschaft: Wir Straubinger halten zusammen, wir schaffen das.

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