Strauß-Kinder zeigen Buchautor an

Die Erben wehren sich: Die drei Strauß-Kinder überziehen den Buchautor Wilhelm Schlötterer mit Anzeigen – er verunglimpfe ihren Vater. „Jetzt reicht’s“, sagt Franz Georg Strauß.

Im Juli vergangenen Jahres veröffentlichte Wilhelm Schlötterer, einst hoher Beamter im bayerischen Finanzministerium und trotz allem weiterhin CSU-Mitglied in der Ortsgruppe Pullach, eine Art Abrechnung mit Strauß und seinen Untergebenen: „Macht und Missbrauch“, erschienen im Fackelträger Verlag, errang eine Platzierung in der prestigeträchtigen „Spiegel-Bestseller-Liste“ und verkauft sich mit bislang rund 52 000 Exemplaren für ein Sachbuch außerordentlich gut. Es dürfte noch einige Zeit so weitergehen, denn die Anzeige der Strauß-Kinder sorgt für neuen Wirbel – ein Reklameeffekt für das Buch. Die drei Strauß-Kinder haben Schlötterer wegen Verleumdung, Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener sowie Verletzung des Steuergeheimnisses bei der Münchner Staatsanwaltschaft angezeigt – unter anderem weil der Autor behaupte, Franz Josef Strauß habe auf kriminellen Wegen ein Vermögen von bis zu 450 Millionen Mark erworben. In einer zweiten Strafanzeige, nachgeschoben am 17. Mai, rückt auch Strauß-Tochter Monika Hohlmeier in den Fokus. Schlötterer wird hier der üblen Nachrede gegen Personen des politischen Lebens (§188 des Strafgesetzbuches) bezichtigt. Die Ermittlungen stehen erst am Anfang. „Jetzt wird der Beschuldigte angehört“, sagt Staatsanwalt Hans-Joachim Lutz. Schlötterer bemerkt dazu: „Keinen einzigen Punkt nehme ich zurück.“

Im Juli 2009 hatte die Familie Strauß noch gedacht, sie werde den Trubel um Schlötterer einfach aussitzen können. „Schmähbücher gibt es ja viele, das haben wir verkraftet“, sagt Franz Georg Strauß. Doch die Lage änderte sich, als die Strauß-Kinder merkten, dass Schlötterer keine Eintagsfliege war. Fortwährend wird der 71-Jährige zu Lesungen eingeladen, bisher mehr als 40 Mal. Ein Ende sei nicht absehbar, sagt Schlötterer – nächste Woche liest er beispielsweise in Grünwald, danach in Sulzbach-Rosenberg, Dillingen, Wasserburg und Donauwörth. Er legt Wert darauf, dass auch örtliche CSU-Mandatsträger zu den Lesungen erscheinen. „In Miesbach war sogar die Bürgermeisterin dabei, sie hat mich herzlich begrüßt und Beifall geklatscht.“

Zunächst waren es vor allem die Grünen, die den Vorlesemarathon für den Strauß-Kritiker organisierten. „Aber jetzt fängt auch die SPD damit an“, klagt Franz Georg Strauß. In mehreren Lesungen, unter anderem in Dachau im Februar 2010, haben die Strauß-Kinder daraufhin Vertrauenspersonen („Anwälte, Junge-Unions-Leute“) geschickt. „Es gibt Mitschnitte“, sagt Franz Georg Strauß, der ankündigt, eine zivilrechtliche Klage hinterherzuschicken. Darin sollen Widerrufe, Unterlassungen und Schwärzungen im Buch verlangt werden. Auch die Lesungen will man weiter mithören – und gegebenenfalls weitere Strafanzeigen einreichen. Schlötterer habe „eine Schmähschrift“ verfasst. „Wir wollen, dass er dafür seine Quittung bekommt.“

Dirk Walter

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