GDL-Bundeschef Claus Weselsky

Er ist der Mann, der die Pendler nervt

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München – Dieser Mann lässt Deutschlands Bahnen stillstehen: Claus Weselsky ist der Bundeschef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer. Ein Portrait.

Wie der Bahnstreik ablief, lesen Sie im Ticker.

Die Streiknacht endete offiziell heute früh Punkt 6 Uhr. Doch die Pendler werden die Auswirkungen des neunstündigen Ausstands der Lokführer wohl auch heute morgen noch spüren – die Deutsche Bahn rechnet damit, dass die Verspätungen bis weit in den Vormittag hinein andauern werden.

Wer ist der Mann, der Deutschlands Bahnen stillstehen lässt? Claus Weselsky, 55, seit 2008 Bundeschef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), hat 1975 bei der Deutschen Reichsbahn der DDR den Beruf des Schienenfahrzeugschlossers gelernt – ist also gelernter Lokführer. Seine letzte Fahrt ist aber schon eine Zeit her: 1992. Da Lokführer jährlich mindestens 100 Stunden Fahrpraxis haben müssen, könnte Weselsky nicht ohne Weiteres zurück in seinen alten Beruf. Das hat er aber ohnehin nicht vor. Weselsky gilt als knallharter Gewerkschaftsboss – „der stellt sich hin, als würde er zum Heiligen Krieg aufrufen“, wütete sein Vorgänger Manfred Schell, mit dem Weselsky inzwischen heillos verkracht ist. „Heiliger Krieg“ klingt komisch für jemanden, der CDU-Mitglied ist. Weselsky betont, in der DDR nie Mitglied einer Partei gewesen zu sein. „Meine Grundeinstellung ist wertkonservativ.“ Daher CDU.

Vertraute schätzen an Weselsky seinen Mut zur „klaren Kante“, also zur deutlichen Attacke, attestieren ihm aber auch Fähigkeit zur Selbstkritik. Die konnte er unlängst unter Beweis stellen: Seinen missglückten Behindertenvergleich („Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus“) bereue er mittlerweile zutiefst, berichten Insider. Aber gesagt ist gesagt – der Ruf ist erstmal ruiniert. Weselsky, der in Leipzig wohnt und keine Modelleisenbahn im Keller hat, wie er betont, wittert dahinter eine gezielte Kampagne der Deutschen Bahn. Sie verfüge „als Staatskonzern über die notwendigen Kontakte“, wie er gegenüber unserer Zeitung sagt. „Denen geht es darum, den Vorsitzenden als Person zu diskreditieren.“ Im breiten Sächsisch fügt er an: „Aber da müschen wir dursch.“ Er sei jedenfalls „nicht auf dem Ego-Trip“, sondern kämpfe für seine Mitglieder. Die inhaltlichen Forderungen – fünf Prozent mehr Gehalt, eine um zwei Stunden verkürzte Wochenarbeitszeit – würden leider derzeit „völlig in den Hintergrund gedrängt“.

Seine Mitstreiter sehen es ähnlich: „Seine Person wird zur Zielscheibe, da wird ein Feindbild aufgebaut“, sorgt sich Uwe Böhm, GDL-Chef in Bayern. „Aber Tarifverhandlungen sind nun mal kein Ponyhof.“

Böhm ist einer der sieben mächtigen GDL-Bezirkschefs, die zusammen mit Weselsky und dessen beiden Stellvertretern per Telefonschalte die Streiktermine ausmachen. Das geht innerhalb von Stunden. Böhm kennt Weselsky schon vom letzten großen Bahnstreik 2007. Damals war Weselsky Stellvertreter des GDL-Chefs Manfred Schell – und schon damals sahen ihn viele als eigentlichen Organisator des bis zu drei Tage andauernden Bahnstreiks.

Die Deutschen Bahn wird mit ihrem Kontrahenten noch eine Weile leben müssen: Die GDL hat ihrem Bundeschef eine Amtszeit XXL zugebilligt: fünf Jahre, ein Jahr mehr als eine normale Amtsperiode dauert. Grund ist die Geschichte: 1867 gründete sich die erste deutsche Lokführer-Gewerkschaft als „Hülfskasse der Eisenbahner“. Erst passend zum 150-jährigen Bestehen 2017 soll ein neuer Bundeschef gewählt werden.

Dirk Walter

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