Streit ums Bier: Gesund oder nicht?

München - Ist Biertrinken gut für die Gesundheit oder nicht? Mit der Frage setzen sich Brauer und Ernährungswissenschaftler seit Jahren auseinander – ohne eindeutiges Ergebnis. Jetzt hat sich auch ein Gericht mit der Bier-Frage beschäftigt.

Hin und wieder mal ein Glas Bier, das kann vor Demenz schützen. Bier enthält wichtige Mineralstoffe, Bier regt den Stoffwechsel an. Das sind Thesen, die vielleicht streitbar sind. Seit Mai dieses Jahres können sie aber auch bis zu 250 000 Euro Strafe kosten – wenn sie der Deutsche Brauer-Bund oder einer seiner Landesverbände verbreitet.

Das Landgericht Berlin entschied bereits im Mai dieses Jahres, dass der Verband nicht mehr für die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Bier werben darf, wenn dessen Alkoholgehalt über 1,2 Prozent liegt. Das widerspreche einer europäischen Verordnung, die seit Jahren auch für die Werbung im Fernsehen gilt. Mit knapp dreimonatiger Verspätung veröffentlichte am Montagabend ein Pressesprecher des Berliner Gerichts dieses Urteil, das auf seinem Schreibtisch untergegangen war. Der bayerische Landesverband der Brauer reagierte prompt: „Wir haben daraufhin solche Inhalte von unserer Internetseite genommen, wir sind vorsichtig“, sagt Geschäftsführer Walter König auf Nachfrage. Der Bundesverband habe bereits Berufung gegen das Urteil eingelegt. So ganz nachvollziehen kann er die Entscheidung des Gerichts aber nicht. „Internationale Studien belegen seit Jahren, dass moderater Bierkonsum die Gesundheit fördert“, meint König, „auch mit Alkohol“.

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Dass Bier eine positive Wirkung auf den Körper haben kann, davon sind auch Experten überzeugt. Der Grazer Neurologe Manfred Walzl brachte zusammen mit einem Professor der Technischen Universität München ein Buch heraus, das sich mit diesen Eigenschaften des Biers beschäftigt. Titel: „Jungbrunnen Bier“. Der Name ist Programm. „Unbestritten ist seine vorbeugende Wirkung bei Nierensteinen, außerdem ist viel Kalium und wenig Natrium darin“, sagt Walzl. Das beuge Bluthochdruck vor, wie viele Studien belegten. „Bei mäßigem Konsum können Sie nichts falsch machen.“ Die Betonung liegt auf „mäßig“.

Auch seitens der Sportmedizin gibt es Unterstützung: Johannes Scheer, Mannschaftsarzt der Deutschen Alpinski-Nationalmannschaft, hat eine Weißbier-Studie durchgeführt und sich dabei auf sogenannte Polyphenole konzentriert. „Das sind Geschmacks- und Bitterstoffe, die Viren und Bakterien abtöten und entzündungshemmend wirken“, sagt Scheer. Diese kommen in allen Pflanzen vor, die farbig sind, in Rote Bete zum Beispiel in besonders hoher Konzentration. „Wir haben die Studie unter 277 männlichen Probanden durchgeführt, die drei Wochen lang täglich eineinhalb Liter alkoholfreies Weißbier trinken mussten.“ Die Studie, die übrigens von einer bayerischen Brauerei mitfinanziert wurde, habe eindeutig belegt, dass die Probanden weniger infektanfällig waren. Doch auch Scheer betont: „Trinkt man diese Menge alkoholhaltiges Weißbier, hat man ruck zuck eine Leberzirrhose.“

Die besten Brauereien Deutschlands

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Der Verbraucherschutz in Bayern sieht indes in den Lobpreisungen des Bieres, zum Beispiel auf den Internetseiten des Brauer-Bunds, nicht das Ziel von Verbraucher-Information. So hatte der Dachverband vor Gericht argumentiert. Das Ziel sei, den Umsatz der Brauereien zu steigern: „Wenn da steht, Bier enthält viel Vitamin B und sorgt für schöne Haare und reine Haut, dann geht es darum, sein Klientel auf Frauen auszuweiten“, sagt Ernährungs-Expertin Heidrun Schubert. So pauschal ließe sich eine solche Aussage sowieso nicht treffen. Grundsätzlich ist aber, erklärt die Fachfrau, gegen den Biergenuss in Maßen nichts einzuwenden.

Patrick Wehner

Rubriklistenbild: © dpa

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