Das Schloss Neuschwanstein: Das Bier darf weiter seinen Namen tragen.

Gerichtsurteil um Luxus-Bier

Streit: Darum darf das Neuschwansteiner auch künftig so heißen

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Darf ein Gerstensaft wie das Märchenschloss Neuschwanstein heißen? Dieser Frage ging das Bayerische Amtsgericht nach. Warum die Luxus-Biermarke das Duell gewonnen hat.

In manchen Momenten wirkte der Prozess ein wenig wie das Königlich Bayerische Amtsgericht. Mehrfach nahm der Vorsitzende Richter die ebenso ungewöhnliche wie edle Bierflasche in die Hand, musterte sie aufmerksam - natürlich aus rein beruflichem Interesse. Denn das Oberlandesgericht München musste am Donnerstag schlicht darüber entscheiden, ob eine Brauerei ihr Luxus-Bier nach dem Märchenschloss Neuschwanstein benennen darf. 

Und nach nicht einmal einer Stunde Prozess war klar: Das „Luxus-Edelmärzenbier Neuschwansteiner“ darf auch künftig so heißen wie das bei Touristen besonders beliebte Schloss im Allgäu. Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hatte dies verhindern wollen. Schließlich suggeriere der Name Neuschwansteiner, dass das Bier „auch in den Mauern des Schlosses gebraut wird“, so Andreas Schulz, der Anwalt der Verbraucherschützer. Tatsächlich aber sei die Brauerei nur in der Nähe des Schlosses in Schwangau beheimatet. 

Bei einem Gerstensaft, für den Bierfans bei Käfer im Internet pro 0,75-Liter-Flasche rund 30 Euro hinblättern müssen, würden Kunden erst recht denken, dieses werde tatsächlich auf dem Schlossgelände gebraut. Das Gericht sah dies anders - der durchschnittliche Kunde gehe bei Neuschwansteiner nicht davon aus, dass es auch auf dem Schloss gebraut werde. Der Vorsitzende Richter sagte, Neuschwanstein sei „kein geografischer Ort“ - tatsächlich gehört es zur Gemeinde Schwangau. Bei Füllern von Montblanc wisse ja auch jeder, dass diese „nicht auf dem Berg hergestellt werden“. 

Luxus-Biermarke darf nicht mehr von „königlicher Methode“ reden

Neuschwansteiner kann nun aufatmen - schließlich hat der Bieranbieter sich mit einem aufwendigen Marketing eine noble Stammkundschaft aufgebaut. Als „deutsches Luxusbier“ wird der Gerstensaft bei allerlei Events der Reichen und Schönen wie dem Grand Prix in Monaco ausgeschenkt. Als Markenbotschafter hatte man schon frühzeitig Prinz Leopold „Poldi“ von Bayern (71) engagiert, einen leibhaftigen Nachfahren von Neuschwanstein-Erbauer Ludwig II. 

Auf seiner Homepage schreibt der Brauer des Luxus-Bieres, das in einer Art Champagnerflasche abgefüllt ist, dass das Brauwasser mit der Grander-Methode behandelt und mit einem Filter aus Bernstein gereinigt werden würde. Dieses Verfahren bewirbt die Brauerei als „Methode Royal“, als „königliche Methode“. Diese Behauptung untersagte das Gericht jedoch. Diese deute eine luxuriöse Braukunst an, dabei werde das Bier nur nach althergebrachter Methode hergestellt. 

Tobias Lill

Lesen Sie auch: Belgier (66) will Betrug um König Ludwig II. aufdecken

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