Sind die Vorschriften sexistisch?

Streit um Dresscode: Schule verbietet Miniröcke und Tanktops

Würzburg - An einem unterfränkischen Gymnasium gelten seit Mai strenge Bekleidungsvorschriften: Darin heißt es, dass "Brustwarzen nicht zu sehen sein sollten", ebenso Unterwäsche und Bauchnabel. Jetzt regt sich Widerstand gegen die Vorschiften, auch von Seiten der Politik.

Schulverbot wegen aufreizender Kleidung? Davon ist man am Würzburger Deutschhaus-Gymnasium zwar noch entfernt, doch der dort seit Mai geltende Dresscode sorgt über die fränkischen Grenzen hinaus für Aufregung. So sind Leggings und Strumpfhosen mit längeren Oberteilen zu kombinieren, der Bauchnabel sollte nicht frei liegen und weit ausgeschnittene Tanktops sind auch für Jungs verboten - Nippelalarm.

"Verbot ist sexistisch"

Nachdem bereits Schülervertreter ihren Unmut auf Facebook äußerten und diesen bei einem Termin bei der Schulleitung und der Elternvertretung bekräftigten, meldet sich jetzt auch die Lokalpolitik zu Wort. Die "JuLis", die "Jungen Liberalen Würzburgs" bezeichnen die Regelung in einer Presserklärung als "Einschränkung der persönlichen Freiheit". Thomas Schuster, der stellvertretende Vorsitzende der "JuLis" sagt: "Ein Verbot von gewisser Kleidung ist ebenso sexistisch wie unnütz." Schuster, der früher selbst Schüler am Deutschhaus-Gymnasium war, findet, dass einem Dresscode eine gefährliche Denkweise zu Grunde liegt: "Wenn etwas nicht gut läuft oder sich ein paar Leute nicht an den Mainstream halten wollen, dann gibt es eben ein Verbot. In einem freiheitlichen Land wie Deutschland sollte eben so eine Denkweise nicht Schule machen."

Nicht die Kleidung ist das Problem, sondern der Umgang damit

In dieselbe Kerbe schlägt auch die "Grüne Jugend Bayern". Ihre Frauen- und Genderpolitische Sprecherin Mariella Kessler sagt: "Dieser Dresscode und viele weitere Kleiderordnungen an bayerischen Schulen propagieren letztendlich nichts weiter als 'Victim-Blaming' und Sexismus, da er vor allem jungen Mädchen vorschreibt, wie sie sich zu kleiden haben". Nicht die Kleidung sei das Problem, sondern der Sexismus, der hinter den Reaktionen auf die Kleidung stehe.

Der Elternbeiratsvorsitzende Martin Nußpickel verweist darauf, dass die Kleidervorschriften gemeinschaftlich beschlossen wurden, auch mit den Klassenelternsprechern. Auf Facebook äußert er sich öffentlich: "Freiheit ist nicht nur die Freiheit, tun und lassen zu können, was man möchte, Freiheit ist auch die Freiheit des anderen, der eben nicht durch fremdes Handeln in seinen Gesinnungen, Gefühlen oder seiner eigenen Freiheit diskriminiert werden darf."

Schulshirt als Strafe

In der Umsetzung heißt das: Wer unangemessen angezogen ist, muss ein Schulshirt aus der alten Schulkleidungskollektion tragen. Was allerdings nicht behalten werden darf, sondern "gewaschen und gebügelt abgegeben werden muss."

Andrew Weber

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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