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Jeder Zentimeter zählt: Polizeiobermeisterin Katja Eußner (29) ist 1,68 Meter groß, Kollege Polizeiobermeister Florian Schotter (33) ragt 194 Zentimeter in den Himmel.

Streit um Einstellungskriterien: Wie klein darf ein Polizist sein?

München - Bei der bayerischen Polizei entscheiden Zentimeter über den Traumberuf. Hinter der gesetzlichen Mindestgröße vermuten die Grünen eine Diskriminierung von weiblichen Bewerbern - und laufen dagegen Sturm.

Im Freistaat muss ein Bewerber bei der Polizei mindestens 1,65 Meter groß sein, um eine Chance zu bekommen. Wer einen halben Zentimeter zu kurz ist, muss aber nicht verzagen: In Baden-Württemberg reichen bereits überschaubare 1,60 Meter. Was dieses spezielle Einstellungskriterium betrifft, kocht jedes Bundesland sein eigenes Süppchen. Fraktionsübergreifend stößt das im bayerischen Landtag auf Unverständnis: „Das ist kein Zustand, das ist absurd“, Christian Meißner, CSU. „Kompletter Blödsinn“, Andreas Fischer, FDP. „Willkürlich und widersinnig“, Susanna Tausendfreund, Grüne. Es herrscht Einigkeit über die Uneinigkeit.

Was Sie nie zu Polizisten sagen sollten

Was man nie zu Polizisten sagen sollte

Gestern haben die Landtagsgrünen einen Antrag gestellt, die aus ihrer Sicht „willkürliche Grenze“ abzuschaffen. „Es gibt einfach wichtigere Kriterien wie Fitness, Sozialkompetenz und die Noten beim Eignungstest“, meint Tausendfreund. Sie selbst liege knapp unter den 1,65 Meter Körpergröße, betont aber, keine zweite Karriere in Uniform antreten zu wollen. Für Tausendfreund ist die Mindestgröße eine klare Diskriminierung: „Während nur drei Prozent der 18-jährigen Männer kleiner sind als 1,65, gilt dies für 45 Prozent der Frauen.“ Seitdem vor einigen Jahren die Mindestgröße angehoben worden war, sei die Zahl der weiblichen Bewerber drastisch gesunken.

Die damalige Anhebung auf 1,65 war „verwunderlich“, sagt Harald Schneider, Sprecher der bayerischen Polizeigewerkschaft. „Es darf die Frage gestellt werden, ob man damit den Frauenanteil absichtlich zurückdrängen wollte“, spekuliert er. Zwischen 1990 und 2000 hätten 1,60 Meter ausgereicht. Damals gab es „einen richtigen Boom unter den Bewerberinnen – die Hälfte waren Frauen“. Aktuell liege der Frauenanteil im Dienst bei rund 35 Prozent, schätzt Schneider. Auch für ihn zählt Fitness mehr als Größe. „Ich habe jahrelang mit einem kleinen Kollegen Dienst getan, der sehr selbstbewusst und wehrhaft war“, erinnert er sich und fordert, alle Größenbeschränkungen aufzuheben.

Die CSU bleibt skeptisch. Bereits 2006 hatte man einen entsprechenden Antrag der Grünen abgelehnt. Der Polizeiberuf stelle gewisse körperliche Anforderungen an die Beamten. Die „Präventivwirkung des Erscheinungsbildes“ müsse gewährleistet bleiben, hieß es. Christian Meißner sieht das auch heute noch so. „Wir wollen eine bundesweit einheitliche Regelung“, und einer solchen würde man sich auch beugen. Aber: „Eine völlige Freigabe sehe ich nicht kommen.“ Die Zahl der gewaltsamen Übergriffe auf Polizeibeamte steige stetig. Die Politik trage eine Verantwortung für die Frauen und Männer auf den Straßen. Jetzt wolle man sich zunächst die Zeit nehmen, das Thema mit dem Innenministerium zu diskutieren.

Der innenpolitische Sprecher der CSU sieht schon eher eine Chance, dass der parallele Antrag der SPD eine Mehrheit im Landtag findet. Auch die Genossen sprechen von einer „willkürlichen" Grenze, die „jeglicher Grundlage" entbehre. Deswegen wolle man die willkürlichen 165 Zentimeter auf die unwillkürlichen 160 Zentimeter reduzieren. Auf eine Mindestgröße will auch die SPD nicht verzichten.

Die FDP hält es derweil für „fragwürdig, eine Mindestgröße für eine berufliche Tätigkeit" festzulegen, will sich aber Zeit nehmen für die Entscheidung. Bislang habe der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Andreas Fischer vergeblich auf ein „durchschlagendes Argument" für die 1,65 gewartet. Wie skurril der Status quo ist, zeigt sich anschaulich bei polizeilichen Großereignissen, bei denen sich die Bundesländer regelmäßig gegenseitig aushelfen. Dann nämlich kann die 1,64 große Frau aus Baden-Württemberg plötzlich doch in Bayern für Sicherheit sorgen. Polizist Schneider kennt solche Fälle, er nennt sie „irrwitzig".

Thomas Schmidt

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