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Der Künstler Babis Panagiotidis in seinem Atelier in Nürnberg. Das Nürnberger Oberlandesgericht verhandelt am Donnerstag, 26. Juli, erneut über einen jahrelangen Rechtsstreit zum Verbleib eines Kunstwerkes von Panagiotidis. Es handelt sich um die überlebensgroße Pferde-Skulptur "Hedon is (my) Trojaner", welche aus Computer-Tasten hergestellte wurde. Das Pferd wurde in der angemieteten Garage eines Freundes zwischengelagert. Dieser zahlte aber die Miete nicht. Der Vermieter ließ die Garage schließlich entrümpeln - mitsamt "Hedon".

Kunst oder Gerümpel?

Streit um Pferdeskulptur vor Gericht

Nürnberg - Mit einer Kettensäge soll ein Garagenbesitzer eine Pferdeskulptur zerschnitten und als Gerümpel entsorgt haben. Dem Künstler steht dafür Schadenersatz zu. Strittig ist, wie viel das Unikat wert war.

18 000 Computertasten, jede Menge Kabel und neun Monate Arbeit steckten in der überlebensgroßen Pferdeskulptur: Im Streit um Schadenersatz für das zerstörte Kunstwerk „Hedon is (my) Trojaner“ des Künstlers Babis Panagiotidis hat das Oberlandesgericht Nürnberg einen Vergleich angeregt. Der in einem ersten Urteil taxierte Wert der Figur von rund 70 000 Euro sei „zumindest plausibel“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Hauck am Donnerstag nach der Anhörung zweier Zeugen. Wenn sich beide Parteien - der Künstler und ein Mann, der das Werk in seine Einzelteile zerlegt hat - nicht einigten, müsse ein Sachverständiger entscheiden, wie wertvoll die Figur war. Kommt es nicht zum Vergleich, soll der Prozess am 24. August fortgesetzt werden.

Rüstiger Rentner lässt Garage entrümpeln

Die Geschichte um „Hedon“ begann kurz nach einer Ausstellung zum Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten im Jahr 2009, bei der die Pferdefigur zu sehen war. Danach lagerte Panagiotidis sein Werk in der angemieteten Garage eines Freundes zwischen. Dieser zahlte aber die Miete nicht. Der Vermieter - ein rüstiger Rentner - verlor schließlich die Geduld und ließ die Garage mitsamt „Hedon“ entrümpeln. Hemdsärmelig wählte er dabei die sogenannte kalte Räumung - also ohne Beschluss und ohne Gerichtsvollzieher. Damit sei unstrittig, dass er für den entstandenen Schaden haften müsse, betonte Richter Hauck.

Ein Galerist, der das Pferd Ende 2009 in Fürth sechs Wochen lang ausstellte, schätzte den Wert als Zeuge auf rund 100 000 Euro. Auch ein Mitarbeiter der „Nürnberger Nachrichten“, der seit 1993 den Kunstpreis betreut, bezeichnete die Versicherungssumme von 144 000 Euro für „Hedon“ während der Ausstellung als durchaus realistisch.

Künstler von Art der Entsorgung enttäuscht

Besonders betroffen zeigte sich der Künstler von der rabiaten Art des Vermieters. Dessen Sohn habe die 2,40 Meter hohe und 2,90 Meter lange Figur mit einer Kettensäge zerstückelt. Die Einzelteile landeten schließlich auf einem Wertstoffhof. Als der Künstler einige Wochen danach wegen eines Kaufangebotes nach „Hedon“ sehen wollte und die leere Garage vorfand, habe ihn fast der Schlag getroffen. „Ich war geschockt und musste nach Luft ringen“, sagte er in einer Verhandlungspause.

Auch Richter Hauck zeigte nur geringes Verständnis für die Beseitigung. „Wenn man so etwas in seiner Garage findet, liegt der Gedanke an Gerümpel nicht gerade in der Luft“, sagte er.

In einem ersten Prozess war der entstandene Schaden mit 73 500 Euro bewertet worden. Ein Vergleich in Höhe von 50 000 Euro kam aber nicht zustande, da sich die Haftpflichtversicherung des Vermieters nicht beteiligen wollte.

Schadenersatz hin oder her: Panagiotidis will jetzt eine zweite Version von „Hedon“ bauen. „Das ist eine Pflicht“, sagte der Grieche. Allerdings benötige er diesmal viel mehr Zeit. Einem Bekannten wird er seine Kunst aber wohl nicht mehr anvertrauen.

dpa

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