Das Schild verwehrt Wanderern den Zutritt

Streit um Privatgelände: Weg zu Wallfahrtskirche gesperrt

Brannenburg - Seit 350 Jahren gibt es die Wallfahrt zur Schwarzlack bei Brannenburg - sie führt über das Gelände einer Privatschule. Doch vor kurzem hat der Besitzer den Weg gesperrt. Das stellt nicht nur Pilger vor Probleme.

Einer der beliebtesten Wege zu der malerischen Wallfahrtskirche Schwarzlack im Kreis Rosenheim beginnt gleich hinter der Wendelsteinhalle und führt vorbei an Schloss Brannenburg mit der dort untergebrachten privaten Real- und Fachoberschule samt Internat. „Geschlossenes Privatgelände – Zutritt nur für Berechtigte – kein öffentlicher Durchgang“, so heißt es auf dem Schild, das neuerdings den Zugang zum Gelände des Schlosses verwehrt. Darunter ein Hinweis, dass offizielle kirchliche Veranstaltungen in Schwarzlack davon ausgenommen sind. Seit Grundstücksbesitzer und Schuldirektor Hans Zuber den beliebten Weg, der in allen gängigen Wanderkarten verzeichnet und Bestandteil des ausgeschilderten örtlichen Wanderwegenetzes ist, gesperrt hat, häufen sich die Beschwerden bei Gemeinde und Verkehrsamt. Doch dort sieht man keine Möglichkeit zu helfen: Da der Weg über Privatgelände verläuft, sei der Handlungsspielraum der Gemeinde begrenzt, bedauert Bürgermeister Mathias Lederer. Er versichert, die Gemeinde sei auf der Suche nach einer Lösung.

Die Privatschule

Zuber wirbt um Verständnis für seinen Standpunkt und für die Notwendigkeit, das Schulgelände abzusichern. Kirchgänger und Wallfahrer seien nicht das Problem, betont er. Vielmehr erschwere es die „massive Zunahme der Freizeitgesellschaft“, einen geschützten und repräsentativen Bereich im Schlossgelände zu schaffen. Zu viele Wanderer, Nordic-Walker und Mountainbiker seien auf dem Areal unterwegs, das von den Internatsschülern als Pausenhof und in der Freizeit genutzt wird. Schon mehrfach habe es Kollisionen zwischen Bergradlern und Schülern gegeben. Auch würden Wanderer Hecken beschädigen und ihren Abfall hinterlassen.

Ganz andere Sorgen haben dagegen Veronika und Johann Peter, die Pächter der Gastwirtschaft neben der Wallfahrtskirche. Sie befürchten, dass ihre Gäste ausbleiben, wenn die Route durch das Schlossgelände nicht mehr passiert werden darf. Die Nutzung anderer Wege zur Schwarzlack sei für Senioren oder Familien mit Kindern oft nicht möglich. Ortsfremde Gäste, die den auf allen Karten und Wegweisern verzeichneten Weg nicht mehr nutzen könnten, blieben gänzlich aus. Tatsächlich gibt es von Brannenburg aus keine Alternative.

Auch die Pfarrei Brannenburg hofft auf ein gütliches Einvernehmen. Der Kreuzweg zur Wallfahrtskirche habe eine jahrhundertealte Tradition, so Pfarrer Bernhard Bielasik. Er habe ebenfalls ein Gespräch mit Direktor Hans Zuber geführt. Inzwischen hat die Pfarrei sogar das Ordinariat eingeschaltet. Dort prüft nun die Rechtsabteilung, ob es eine juristische Handhabe gibt. Bis dahin ist der Weg zur Schwarzlack beschwerlich.

Maria Stuffer-Chunphetch

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