Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus

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Wie teuer wird die Sanierung? Die Bausubstanz des Schlosshotels Herrenchiemsee ist schlecht, Kellerwände sind feucht und durch Salz belastet. Das treibt den Preis in die Höhe, nach aktuellen Schätzungen auf 7,93 Millionen Euro.

Streit um Schlosshotel-Sanierung auf Herrenchiemsee

Die Kosten für die Sanierung des Schlosshotels Herrenchiemsee sind um zwei Millionen Euro nach oben korrigiert worden. SPD und Grüne fühlen sich verschaukelt, die CSU beschwichtigt. Pächter Hans Huber plant derweil eine Anzeige wegen Rufmord.

Hat er, oder hat er nicht? Als die Abgeordneten des Haushaltsausschusses am vergangenen Donnerstag Fuß auf die Herreninsel setzten, wollten sie den Zustand des staatseigenen Schlosshotels unter die Lupe nehmen. Schließlich hatten sie bereits 5,9 Millionen Euro für dessen Sanierung bewilligt – da schaut man besser genau hin.

Die veranschlagten 5,9 Millionen Euro entstammten einer Schätzung. Der Pächter, behauptete an jenem Tag eine Vertreterin des Bauamts, habe sich geweigert, seine Räume für eine Überprüfung der Bausubstanz zu öffnen. Hat er, oder hat er nicht? Es klang wie eine vorbeugende Erklärung dafür, dass man sich vielleicht um die eine oder andere Million verschätzt haben könnte. Hat man dann auch. Verschätzt um rund zwei Millionen Euro.

„Hab ich nicht!“, beteuert Pächter Hans Huber und fühlt sich zu unrecht an den Pranger gestellt. Während der Betriebszeit des Schlosshotels bis Ende Oktober habe er lediglich darum gebeten, nicht ausgerechnet während der Mittagszeit den Presslufthammer anzusetzen, im Gegenzug jedoch Arbeiten bis in die späten Abendstunden erlaubt. Den tatsächlichen Sanierungsaufwand habe er nie verheimlicht. Im Gegenteil: „Wir haben als erste auf die Baufälligkeit hingewiesen. Jetzt stehen wir als Sündenböcke da.“ Bereits im Jahr 2004 habe er die Bayerische Schlösserverwaltung über die hohen Schäden informiert. Jetzt lässt Huber eine Anzeige wegen Rufmord vorbereiten.

Fakt ist: Der schlechte Zustand des Gebäudes treibt die Kosten der Sanierung kräftig in die Höhe. Aus den veranschlagten 5,9 Millionen sind 7,93 Millionen Euro geworden. Nicht nur die Kosten sind gestiegen, auch der Blutdruck von Adelheid Rupp, SPD-Vorsitzende des Haushaltsausschusses, zeigte bei der Sitzung gestern steigende Tendenz. „Abgeordnete werden für doof verkauft“, ärgerte sie sich. Die Mängel seien seit 2004 bekannt. „Niemand kann mir erklären, warum man bei der Kostenschätzung 2008 nichts mehr davon gewusst haben will.“ Die Behauptung, der Pächter habe die Schätzungen behindert, sei „ein Versuch der Schlösserverwaltung, uns abzuwimmeln“. Zudem wurden für den Nachtragshaushalt 350 000 Euro „Inselzuschlag“ draufgerechnet. Rupp süffisant: „Ich denke, man hat schon vorher gewusst, dass Herrenchiemsee eine Insel ist.“

Rupp zur Seite sprang Eike Hallitzky (Grüne). Die Kostensteigerung sei „ein Desaster für die Bauverwaltung“. Die Planungen seien „schlampig“ und das Projekt ein „Fass ohne Boden“. Auf diese Art zwinge man den Landtag, „immer wieder neues Geld nachzuschieben“.

CSU und Schlösserverwaltung mühten sich vergebens, die Wogen zu glätten. Georg Winter (CSU): „Ich verstehe die Aufregung nicht.“ Mehrkosten bei Bauvorhaben seien „leider normal“. Die Opposition mache „eine Mücke zum Elefanten“. Man stehe unter dem „Zeitdruck des Konjunkturprogramms“ und habe „mit heißer Nadel“ stricken müssen. Mathias Pfeil von der Schlösserverwaltung kann kein schlampiges Vorgehen erkennen. „Ich kann nicht sagen, was wir hätten besser machen können.“ Ausschussmitglieder seien eben keine Architekten, die Kosten während des laufenden Betriebs und unter Zeitdruck nicht genauer zu bestimmen gewesen.

 „Windige Ausreden“, reagiert Rupp verstimmt. Immerhin ist die „Mücke“ zwei Millionen Euro schwer. „Ich war noch nie so sauer, seit ich in diesem Ausschuss sitze.“ Gegen die Stimmen der SPD und der Grünen ging der Antrag durch. FDP und FW sahen „keine bessere Alternative“.

Von Thomas Schmidt und Heike Duczek

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