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Neue Besen kehren gut – aber: Muss man so etwas Banales in der Schule lernen? 

Streit um Schulfach „Lebenskunde“

München - Müll ordentlich entsorgen, den Hof kehren oder Schnürsenkel binden – all das sind Fertigkeiten, die viele Schüler nicht mehr können. Sagen zumindest die bayerischen Landfrauen.

Sie trommeln zusammen mit den Freien Wählern für ein neues Unterrichtsfach: „Lebenskunde“.

Manchmal scheitert man ja schon an den ganz einfachen Dingen des Lebens. Zum Beispiel an der Handhabung eines Besens. Günther Felbinger, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler, war früher Lehrer und brachte das Ding mal in den Unterricht mit – und ob man es glaubt oder nicht: „Die Schüler wussten nicht, wie man den Besen in die Hand nimmt.“ So sei es auch mit anderen Dingen: Schnürsenkel binden etwa. Nun gut, es gebe Klettverschlüsse – aber ab und an soll das Wissen einer kunstvollen Schleife schon noch gefragt sein. Oder einen Knopf annähen. Können heute, glaubt man Felbinger, nur noch die wenigsten Schüler.

Das soll sich ändern. „Über alle Schularten hinweg“ soll den Kindern ein neues Schulfach „Lebenskunde“ die Dinge des täglichen Lebens einbläuen, fordert Felbinger. Über die Modalitäten hat er bislang nur ungefähre Vorstellungen: Eine Unterrichtsstunde in der Woche soll das Fach in der Klasse eins bis zehn gelehrt werden, also nicht nur in der Grundschule, sondern auch an den weiterführenden Schulen einschließlich der Gymnasien. So etwas gebe es schon in Schleswig-Holstein, wo 2009/10 ein Schulfach „Verbraucherbildung“ eingeführt wurde – allerdings nur an Regional- und Gemeinschaftsschulen. Die Kosten dafür seien jetzt nicht wichtig – „es muss es uns einfach wert sein“, fügt Felbinger an.

„Ein absurder Vorschlag“, ärgert sich die FDP-Bildungsexpertin Renate Will. Schule könne nicht alle Defizite ausgleichen, „die wir in unserer Gesellschaft haben“. Auch Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle lehnt Felbingers Vorschlag, über den auch im Landtag abgestimmt werden wird, ganz klar ab. „Ich halte es für unverantwortlich, die Stundenpläne zu erweitern“, sagte Spaenle unserer Zeitung. Eine Stunde Unterricht mehr sei einfach „pädagogisch nicht vertretbar“. Das Thema sei sicher wichtig, müsse aber in die bestehenden Lehrpläne integriert werden. Damit jedoch, so erklärt Felbinger, wolle man sich nicht mehr abspeisen lassen.

Trotz des Vetos der Regierungsfraktionen zeichnet sich ab, dass der Vorstoß im Zeichen des Wahljahres ein pikantes Nachspiel haben wird. Die Freien Wähler stellen sich hier nämlich hinter eine Initiative, die ursprünglich die Landfrauen im Bayerischen Bauernverband angestoßen hatten. „Es geht uns um die einfachen Dinge, die früher selbstverständlich waren“, sagt Christine Singer, Landwirtin in Spatzenhausen (Kreis Garmisch-Partenkirchen) und zweite stellvertretende Landesbäuerin. Wichtig seien ihr zum Beispiel auch Kenntnisse über nachhaltiges Wirtschaften.

Die Landfrauen starteten bereits vergangenen November eine Unterschriftenaktion, die mittlerweile mehr als 30 000 Unterzeichner hat. Unter ihnen sind, so sagen die Landfrauen, auch zahlreiche CSU-Repräsentanten. Landtags-Präsidentin Barbara Stamm etwa, so behauptet Felbinger, habe „schon fünf Mal“ derartige Initiativen unterstützt und auch den jüngsten Aufruf der Landfrauen mit ihrer Unterschrift geadelt. Es werde noch interessant sein zu beobachten, wie sich die CSU-Fraktion bei der Abstimmung im Landtag verhalten wird, unkt SPD-Bildungsexperte Martin Güll.

DIRK WALTER

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