Bayer ersteigert "nationales Kulturgut"

Skurriler Streit um slowenische Silbermünze

München – Ein Bayer hat in England eine Silbermünze aus Slowenien ersteigert. Die Slowenen fordern das „nationale Kulturgut“ zurück. Doch die Sache ist vertrackt: Woher stammt die Münze überhaupt? Ein Fall fürs Gericht.

Stolz zeigt der Besitzer ein Foto der alten keltischen Silbermünze auf seinem Smartphone: Auf dem Geldstück, das aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus stammt, prangt ein Pferd, die Ränder sind teils eingerissen. Der leidenschaftliche Münzsammler aus dem Landkreis München, von Beruf selbstständiger Kaufmann, ersteigerte die Münze im März 2013 für 3000 Pfund bei einer Online-Auktion in einem britischen Auktionshaus. Seitdem nennt er sie sein Eigen. Zu Unrecht, sagt die Republik Slowenien. Sie hält die Silbermünze mit dem Ross für „nationales Kulturgut“ und fordert die Rückgabe. Nun streiten sich Slowenien und der Sammler vor dem Verwaltungsgericht in München.

Laut Beschreibung des Auktionshauses aus Norfolk wurde die Münze im September 2011 nahe der Mur in Slowenien gefunden. Als die Republik Slowenien erfuhr, dass das Geldstück auf ihrem Staatsgebiet gefunden, außer Landes geschafft und verkauft wurde, wandte sie sich an das bayerische Kultusministerium. Sie fordert die Rückgabe, da archäologische Funde, die älter als 100 Jahre sind, dem Staat gehören, auf dessen Gebiet sie entdeckt wurden. Das Kulturgüterrückgabegesetz scheint den Slowenen Recht zu geben. „Wenn es 2011 ausgegraben wurde, handelt es sich um ein neues archäologisches Fundstück“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Eder. „Wir sähen den Herausgabeanspruch als gegeben an.“

Wenn die Sache nur so einfach wäre. Nachträglich erzählte der slowenische Finder der Münze nämlich eine ganz andere Geschichte. Er habe das Geldstück gar nicht in der Nähe der Mur gefunden, sondern 1979 von seinem Großvater zur Geburt geschenkt bekommen. Dieser wiederum habe es auf dem Russlandfeldzug erhalten. Die Geschichte mit dem Fund habe er nur erzählt, um damit an einem Gewinnspiel für ein Metallsuchgerät teilzunehmen. Bei diesem Preisausschreiben ging es um die beste Geschichte – der Slowene gewann damit auch tatsächlich das Suchgerät.

Der Knackpunkt ist nun: Welche Geschichte stimmt? Wurde die Münze in der Nähe eines Flusses ausgegraben, oder ist sie ein Geschenk des Opas? Wenn sie ein Willkommensgeschenk des Großvaters wäre, würde es sich um keinen archäologischen Fund handeln – die Münze müsste nicht zurückgegeben werden.

Der einzige, der diese Frage beantworten könnte, ist der slowenische Verkäufer der Münze. Er müsste vor Gericht als Zeuge aussagen, damit die Richter seine Glaubwürdigkeit beurteilen können. Doch diese Aussage wäre teuer: Der Slowene bekäme Reise und Unterkunft bezahlt. Deshalb schlug das Gericht einen Vergleich vor: Der Sammler aus dem Kreis München gibt die Münze zurück und bekommt dafür alle seine Unkosten ersetzt – vom Kaufpreis bis zu den Anwaltskosten. Der Sammler stimmte um des lieben Friedens Willen zu: „Mit einem tränenden Auge.“

Der Vergleich war schon fast fertig ins Protokoll diktiert, da überwarfen sich die beiden Parteien: Die Höhe der Rechtsanwaltskosten, ein Sachverständigengutachten – alles wurde zum Streitthema. Der Vergleich platzte.

Nun muss das Gericht das Verfahren durchziehen, den Zeugen aus Slowenien laden und befragen – und herausfinden, wo die mysteriöse Münze wirklich herkommt.

Nina Gut

Rubriklistenbild: © dpa

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