Streit um Übertrittszeugnis

München - Der Grundschullehrerverband BLLV besteht auf Änderungen bei dem Übertrittsverfahren nach der 4. Klasse. Der Druck nehme „bizarre Formen“ an, sagte BLLV-Chef Klaus Wenzel.

Eltern würden sogar „aggressiv bis ausfallend“, wenn sich abzeichne, dass ihr Kind den Sprung aufs Gymnasium nicht schaffe. „Der Übertrittsdruck vergiftet die Atmosphäre an den Schulen“, resümierte der Verband.

Am Mittwoch erhalten die rund 100 000 Viertklässler in Bayern ihr Übertrittszeugnis. Nur wer in den Fächern Mathematik, Deutsch sowie Heimat- und Sachunterricht einen Notenschnitt von 2,33 oder besser hat, darf auf das Gymnasium wechseln. Bis 2,66 ist der Übertritt zur Realschule möglich, bei einem schlechteren Schnitt bleibt die Mittelschule. Allerdings sind die Möglichkeiten für Probeunterricht erweitert worden.

Die Grünen forderten gestern die Abschaffung der Übertrittsnoten. Lehrer sollten nur noch beraten, die Eltern anschließend selbst entscheiden, auf welche Schulart sie ihr Kind schicken, sagte Grünen-Bildungsexperte Thomas Gehring. Auch der Bayerische Elternverband und die GEW fordert das. Realschul- und Philologenverband sind für das gängige Übertrittsverfahren. Der BLLV hält vor allem die strikte Probenregelung für absurd. Für die 4. Klasse wird vom Kultusministerium eine Richtzahl von 22 übertrittsrelevanten Proben empfohlen, Probenphasen und probenfreie Zeiten sind dann detailliert vorgeschrieben. Das führe zu vielen Elternrückfragen und -protesten, sagte BLLV-Rechtsexperte Hans-Peter Etter. Außerdem werde gegen die Noten gerichtlich vorgegangen. Denn: „Ein Übertrittszeugnis ist ein anfechtbarer Verwaltungsakt.“

Hingegen hält Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) an den Regeln fest. Laut Umfrage hätten 60 Prozent der Eltern und Lehrer die Ankündigung von Probearbeiten in der 4. Klasse begrüßt. Im Mai werde es eine neue Online-Erhebung an 700 Schulen geben. Auch die FDP sieht keinen Änderungsbedarf.

dw

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