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Der Donaudurchbruch - in diesem Gebiet hätte ein dritter bayerischer Nationalpark entstehen können, jetzt droht das Projekt zu scheitern.

Rhön oder Donauauen

Streit um dritten Nationalpark: Projekt steht vor dem Aus

Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob es in Bayern einen dritten Nationalpark geben soll. Nun könnte dem Projekt das baldige Ende drohen. 

Ingolstadt - Das Projekt eines dritten Nationalparks in Bayern steht auf der Kippe. Die Gegner des angedachten dritten Parks sehen sich durch die kritische Haltung des designierten Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) bestätigt und hoffen auf ein baldiges Ende der Diskussion. Söder hatte sich zuletzt mehrfach skeptisch zu den Plänen für einen weiteren Nationalpark geäußert. Die offene Suche nach einem Nationalpark soll schnell entschieden werden, gegebenenfalls auch ablehnend, hatte Söder erklärt.

„Ich hoffe, dass das Projekt beerdigt wird“, sagte Stefan Wurst von der Holzvermarktungsgesellschaft der Waldbesitzervereinigung Nordschwaben. Landwirte und Waldbesitzer in Schwaben und im nördlichen Oberbayern hatten sich immer wieder kritisch zu den Überlegungen geäußert, die Donauauen zu einem Nationalpark zu erklären. Auch beim zweiten möglichen Nationalparkgebiet in der Rhön hoffen Gegner auf eine Ende der Debatte. „Für uns wäre es das Schönste, der Markus Söder sagt: „Wir haben die Sache geprüft, wir haben zwei Nationalparke - das reicht““, sagte Daniel Wehner, Vorsitzender des Vereins „Unsere Rhön - gemeinsam stark“.

Nationalparkgegner in beiden möglichen Gebieten

Seit Jahren wird über einen weiteren Nationalpark im Freistaat diskutiert. Deutschlands ältester Nationalpark existiert im Bayerischen Wald, das zweite bestehende Schutzgebiet in Bayern ist der Alpennationalpark Berchtesgaden. Nachdem mehrere mögliche Gebiete ausgeschieden sind, hatte die Staatsregierung im Sommer entschieden, sich bei der Suche auf die Donauauen und die Rhön zu konzentrieren. In beiden Gebieten gibt es allerdings zahlreiche Nationalparkgegner.

„Wenn es sich nur auf den Auwald beschränken würde, damit könnten wir leben“, sagte Wurst. Da dieses Gebiet aber maximal 4000 Hektar umfasse und 10 000 Hektar für einen Nationalpark benötigt würden, müsste sich solch ein Park aber in die Wirtschaftwälder ausdehnen - dagegen gebe es Widerstand. Wurst meinte, die Idee eines weiteren Nationalparks werde häufig von Stadtbewohnern positiv aufgenommen, doch „die Landbevölkerung sieht es sehr kritisch“. Kritiker Wehner vermutet, dass Söder das Thema aus dem bevorstehenden Landtagswahlkampf raushalten wolle.

Der Bund Naturschutz in Bayern (BN), der Landesbund für Vogelschutz und die Naturfreunde Deutschlands haben sich unterdessen noch einmal für einen dritten Nationalpark ausgesprochen. Die Verbände sind der Ansicht, dass ein Auen-Nationalpark, der die wertvollsten Bereiche der Auwälder und frei fließende Strecken entlang Donau und Isar umfasst, ein Gewinn für den Freistaat wäre. „Der Reichtum und die Faszination von Wald- und Fluss-Wildnis ist ein einmaliges Geschenk, sie gilt es auch für kommende Generationen zu bewahren und zu fördern“, meinte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger.

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) hat unterdessen einen ursprünglich für diesen Freitag in Ingolstadt angedachten Termin zu der Nationalparksuche auf unbestimmte Zeit verschoben, nachdem Söder für die kommenden Monate eine grundsätzliche Entscheidung angekündigt hatte. „Diese Entscheidung gilt es abzuwarten“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. „Deshalb ist es im Moment nicht zielführend, vor Ort über Details eines dritten Nationalparks zu diskutieren.“

Das sind die zwei Nationalpark-Kandidaten

Nachdem der Steigerwald, der Spessart und der Frankenwald von der Staatsregierung als Nationalpark-Standorte ausgeschlossen wurden, sind noch zwei Kandidaten in der Auswahl für einen möglichen dritten Nationalpark in Bayern:

Rhön

Die Rhön liegt im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen. Das Mittelgebirge ist mit seinem höchsten Berg, der Wasserkuppe, 950 Meter hoch. Die Rhön ist bereits Unesco-Biosphärenreservat. Das heißt, drei Prozent der gesamten Waldfläche müssen Kernzone und damit fast unberührt sein. Im übrigen Teil ist eine naturnahe Bewirtschaftung erlaubt und erwünscht.

Die Rhön ist - auch dank des Eingriffs und der Steuerung der Menschen - überdurchschnittlich reich an Pflanzenarten. In den Kernzonen gibt es Buchen-Urwälder. Außerdem bietet die Rhön Hoch- und Niedermoore sowie Berg- und Feuchtwiesen. Der künftige Nationalpark Rhön wäre den Planungen zufolge in der Südrhön zu finden - und zwar im Dreieck zwischen den Städten Bad Kissingen, Bischofsheim an der Rhön und Bad Brückenau.

Donauauen 

Ein möglicher Nationalpark Donauauen würde überwiegend im Norden Oberbayerns liegen und noch ein kleines Stück nach Schwaben hineinreichen. Diskutiert wird ein Stück etwa von Marxheim (Landkreis Donau-Ries), wo der Lech in die Donau mündet, bis nach Ingolstadt. Der größte Teil dieses Schutzgebietes wäre im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Die Donau ist in diesem Bereich noch relativ naturbelassen, da dort keine großen Schiffe unterwegs sind. Erst ab dem niederbayerischen Kelheim ist Europas zweitlängster Fluss eine Wasserstraße.

Das Gebiet rund um Neuburg ist allerdings für einen Nationalpark zu klein. Das bayerische Umweltministerium hatte unlängst erklärt, dass für einen neuen Park mindestens eine Fläche von 10 000 Hektar nötig sei. „Um auf diese Gesamtfläche zu kommen, braucht die Region Neuburg-Schrobenhausen weitere Partner“, hieß es im Ministerium. Wie solch eine Partnerschaft aussehen könnte, ist noch unklar.

dpa

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