Fraueninsel im Chiemsee

Streit um Grabkreuz für Nazi-Kriegsverbrecher: Bürgermeister angezeigt

München - Der Aktionskünstler Wolfram Kastner hat erneut gefordert, die Erinnerung an den Chef des Wehrmachtsführungsamtes, Alfred Jodl, auf einem Friedhof auf der Fraueninsel zu beseitigen. 

Kein Ende im Streit um ein Grabkreuz für den Nazi-Kriegsverbrecher Alfred Jodl auf einem Friedhof mitten im Chiemsee: Der Aktionskünstler Wolfram Kastner hat erneut gefordert, die Erinnerung an den einstigen Chef des Wehrmachtführungsamtes zu beseitigen. „Das Ehrenkreuz für Jodl ist vielen Menschen und insbesondere Besuchern der Fraueninsel ein unerträgliches Ärgernis und eine Provokation, die schon viel zu lange existiert und umgehend beseitigt werden muss“, schrieb Kastner in einem am Dienstag veröffentlichten Brief an Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Zudem zeigte der Aktivist den Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee wegen Volksverhetzung an. Kastner wirft Georg Huber vor, Proteste gegen das Grabkreuz zu verharmlosen und einen Hinweis auf die Naziverbrechen Jodls zu verweigern. Huber billige die öffentliche Ehrung einer Symbolfigur der Naziwillkürherrschaft, weil er Hinweise auf die kriminelle Vergangenheit Jodls unterbinde, sagte Kastner. Björn Pfeiffer von der Traunsteiner Staatsanwaltschaft bestätigte die Existenz der Anzeige: „Der Sachverhalt wird überprüft, das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.“

Schon im Juni war Kastner jedoch selbst zur Tat geschritten. Er brachte an dem Grabkreuz eine Tafel mit der Inschrift an: „Keine Ehre dem Kriegsverbrecher! Alfred Jodl wurde im Nürnberger Prozess 1946 als Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt und hingerichtet.“ Die Tafel verschwand wenig später. Jodel ist in dem Grab nicht bestattet. Seine Asche wurde von den US-Amerikanern in der Isar verstreut. In dem Grab liegen Angehörige von ihm.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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