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Kämpfte vor Gericht ums Erbe: Isolde R. (rechts) mit Ehemann Uwe (links) und Rechtsanwalt Johannes Lell.

Fall in Mindelheim

Wenn alte Leute Geld verstecken - wer erbt es dann?

Mindelheim - Alte Menschen werden manchmal misstrauisch und bunkern das Geld lieber im Wäscheschrank als bei der Bank. Das kann dann zum Erbstreit führen – wie in einem Fall in Mindelheim. 

Der Nachlasspfleger, der das Haus dreier Geschwister in Mindelheim (Kreis Unterallgäu) durchforstete, muss sich vorgekommen sein wie ein Schatzsucher: Plötzlich hatte er bündelweise Geldscheine in der Hand. Im Vorratsraum des Erdgeschosses fand er 15 800 Euro, im Schlafzimmer 850; im Vorratsraum im ersten Stock lagen 119 650 Euro, im Schlafzimmer 5 400 Euro. Insgesamt kamen 141 700 Euro auf ein Treuhandkonto. Doch wem gehört das Geld? Die Rechtsgelehrten streiten sich. Inzwischen ist der Streit beim Oberlandesgericht (OLG) München gelandet.

Bei Gericht ist es ein bekanntes Problem: „Das Thema alte Leute und Geld gibt immer wieder mal zu Verdruss Anlass“, sagte der Vorsitzende Richter Wilhelm Schneider. Meist sei es so, dass das Testament kurzfristig noch geändert werde. Dann komme es zum Streit unter Angehörigen. Dieser Fall liege aber anders. Das Testament sei in Ordnung. Die Frage sei, wem das Geld gehört, das „in nicht unbeträchtlichen Mengen“ zwischen Wäsche und Konservendosen steckte. „Das machen alte Leute ganz gerne, dass sie Geld irgendwo verstecken“, sagte Schneider – es sei dahingestellt, ob künftig auch junge Leute Geld in die Wäsche stecken, weil sie den Banken nicht mehr trauen.

Der Fall in Mindelheim ist besonders vertrackt. Johann R. (94) bewohnte mit seiner behinderten Schwester Elisabeth die Wohnung im ersten Stock, Bruder Maximilian R. lebte im Erdgeschoss. Elisabeth und Maximilian starben 2013 im Alter von 90 und 92 Jahren. Johann R. bekam bereits 2011 einen Betreuer wegen seiner Demenzerkrankung und zog in ein Mindelheimer Altenheim. Jahre zuvor, zwischen 2003 und 2009, hatten alle drei Geschwister aus Misstrauen gegenüber der Bank ihre Konten leer geräumt – und das Geld im Haus versteckt. Wer was tatsächlich wohin schob, wird nie mehr aufgeklärt werden.

Doch der Betreuer vom BRK-Betreuungsverein sagt, dass das Geld Johann R. gehört. Damit soll zu allererst seine Pflege bezahlt werden. Deshalb hat er die Erbin von Bruder Maximilian R. auf die Herausgabe des Geldes verklagt. Isolde R. (48) aus Teisendorf (Berchtesgadener Land) war von „Onkel Max“ schon als Kind als Erbin vorgesehen – und sollte „Tante Elisabeth“ pflegen. Ihr leuchtet nicht ein, warum sie zahlen soll: „Das BRK will unser Geld. Das ist nicht gerecht.“

Das Landgericht Traunstein gab der Frau Recht. Der Nachlasspfleger müsse ihr die fast 124 000 Euro auszahlen, die sich noch auf dem Treuhandkonto befinden. Denn ihr Onkel Max habe seit 2011 die tatsächliche Verfügungsgewalt über das Haus gehabt.

Doch der Betreuer von Johann R. legte Berufung ein. Ebenfalls mit Erfolg. Das OLG sah die verzwickte Sache nun ganz anders: Nur weil Johann R. ins Heim gezogen sei, habe er nicht die Verfügungsgewalt über seine alte Wohnung aufgegeben. „Es bleibt die Wohnung von Johann R.“, sagte der Vorsitzende. Er riet zum Vergleich.

Am Ende stimmte Isolde R. zähneknirschend zu, um nicht leer auszugehen. Johann R. bekommt nun 75 000 Euro, Isolde R. an die 50 000 Euro. Dennoch ist sie enttäuscht: „Das wäre nicht der Wunsch und Wille meines Onkels gewesen.“

Nina Gut

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