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Vergnügen ohne lange Wartezeiten: Immer mehr Skigebiete rüsten ihre Anlagen auf Sechser- oder Achter-Sessellifte auf

Grüne vs. Tourismusverbände

Streit um Wintertourismus: Haben Bayerns Skigebiete eine Zukunft?

München - Geht es nach den Grünen, haben Bayerns Skigebiete den Wettbewerb gegen Tirol längst verloren. Die Skigebiete und Tourismusverbände ziehen eine völlig andere Bilanz.

Für Ludwig Hartmann ist es eine einfache Rechnung: Die Übernachtungszahlen in Bayerns Skiregionen sind in den vergangenen zehn Jahren um rund sieben Prozent gesunken. Nur 13 Prozent der Urlauber sind Skifahrer oder Snowboarder. „Trotzdem pumpt die CSU-Regierung Millionen in Seilbahnen und Beschneiungsanlagen und betreibt damit Umweltvandalismus“, kritisiert der Grünen-Fraktionschef. Die Zahlen hat Hartmann nach parlamentarischer Anfrage vom Wirtschaftsministerium bekommen. Er folgert aus ihnen: „Die Subventionen für Seilbahnen und Schneekanonen sind hinausgeworfenes Geld. Das Wettrüsten in den Bergen ist gegen die Hochgebirgskonkurrenz in Tirol längst verloren.“ Die Grünen fordern eine Tourismusförderung, die Bayerns Stärken betont, statt seine Schwächen zu kaschieren.

Bilanz der Tourismusregion sieht anders aus

Harald Gmeiner hat sich geärgert, als er das gehört hat. So wie er sich schon lange nicht mehr geärgert hat. Er ist Geschäftsführer der Alpenregion Tegernsee Schliersee und seine Bilanz sieht ganz anders aus. Nach dem Bau des Waldkopflifts und der Beschneiungsanlagen samt Speicherteich kamen allein zum Sudelfeld vergangenen Winter knapp 200.000 Gäste. „Solche Zahlen hatten wir seit zehn Jahren nicht mehr“, sagt Gmeiner. Für ihn ist das ganz klar ein Effekt der Modernisierung. Die Statistik, auf die sich die Grünen beziehen, endet allerdings im schneearmen Winter 2013/14. „Die Zahlen werden die nächsten Jahre weiter steigen“, prophezeit Gmeiner. Jetzt werde im Ort Bayrischzell (Kreis Miesbach) investiert, 2017 soll ein neues Hotel eröffnet werden. „Welche Auswirkung die Modernisierung des Skigebiets hat, wird von Jahr zu Jahr sichtbarer.“ Es werden bereits die nächsten Schritte im Skigebiet Sudelfeld diskutiert: Ein Achter-Sessellift soll drei Schlepper ersetzen, damit die Wartezeiten am Lift noch kürzer werden. Die Kritik der Grünen ist für Gmeiner „reine Stimmungsmache“. „Die haben keine Ahnung, wie Tourismus funktioniert“, schimpft er.

Bayern steht besser da als Tirol

Ähnlich scharf weist Jens Huwald, Marketingchef von Bayern Tourismus, Hartmanns Kritik zurück. „Bayern ist touristisch gut aufgestellt“, sagt er. „Sogar deutlich besser als Tirol, wenn wir die Zahlen für das ganze Jahr vergleichen.“ Die Übernachtungszahlen liegen für ganz Bayern bei 85 Millionen im Jahr, 60 Prozent davon in den Sommermonaten, berichtet Huwald. Tirol kommt jährlich nur auf 44 Millionen Übernachtungsgäste. „Diese Zahlen sind seit Jahren stabil.“ Die Zahlen, mit denen Ludwig Hartmann argumentiere, beziehen sich hingegen auf den extrem schwachen Winter 2013/14. In diesem Winter hatte auch Tirol 3,3 Prozent weniger Übernachtungsgäste, betont er. „Die Behauptung, dass wir gegen Tirol verlieren, ist schlichtweg falsch. Trotzdem müssen wir wettbewerbsfähig bleiben.“ Am Wintertourismus hängen die Existenzen hunderter Familien in Bayern. „Allein deshalb sind wir verpflichtet, weiter zu investieren.“

Die Skigebiete südlich von München haben im vergangenen Winter deutlich mehr Besucher verzeichnet. Im Skigebiet Garmisch-Classic gab es ein Plus von rund vier Prozent. „Investitionen sind ab 100 bis 120 Betriebstagen rentabel“, sagt Alpenplus-Sprecherin Antonia Asenstorfer. „Die Rechnung ist letzten Winter mehr als aufgegangen.“ Im Skigebiet Brauneck haben sich die Fahrten durch den neuen Milchhäusl-Sechserlift sogar verdreifacht. „Skifahrer erwarten heutzutage einfach moderne Anlagen“, sagt Asenstorfer. „Wir müssen ja nicht aufrüsten wie Tirol – aber wir dürfen einfach auch nicht zu weit zurückfallen.“

Katrin Woitsch

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