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Wenn Fasching gefeiert wird, wird meistens auch getrunken. Viele Städte und Gemeinde haben sich Regeln überlegt, um Unfälle und Ausschreitungen zu vermeiden. Einige haben sich bewährt.

Auflagen für Faschingsumzüge

Strenge Regeln für die närrische Zeit

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    Alicia Greil
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Faschingsumzüge haben es heutzutage schwer. Immer mehr Auflagen haben zur Folge, dass die Gaudiwürmer kürzer werden – oder gar nicht mehr durch die Straßen ziehen. Doch einige Regeln haben sich auch bewährt.

Dachau – Vor zehn Jahren war es im Landkreis Dachau vorbei mit der Narrenfreiheit in der närrischen Zeit. 2009 wurden die Auflagen für Faschingsumzüge verschärft. Hochprozentiger Alkohol wurde auf den Wagen verboten. Auch Glasflaschen sind untersagt. Doch dabei ist es nicht geblieben: 2017 fanden sich das Dachauer Landratsamt, alle Faschingskomitees des Landkreises und 15 Faschingsgruppen zusammen, um eine Neuauflage der Vorschriften zu entwickeln. Neben den bisherigen Einschränkungen ist seitdem auch die Höhe und Breite der Faschingswagen vorgegeben: Maximal 4,20 Meter hoch und drei Meter breit dürfen sie sein.

Das mag Faschingsfans auf den ersten Blick vielleicht wie Erbsenzählerei vorkommen – doch diese Neuregelung geschah aus gutem Grund: Im selben Jahr hatte sich beim Faschingsumzug in Markt Indersdorf im Kreis Dachau ein schwerer Unfall ereignet: Ein 21-Jähriger stürzte von einem Wagen auf die Fahrbahn und zog sich schwere Kopfverletzungen zu. Er war zum Zeitpunkt des Unfalls stark alkoholisiert.

„Glasflaschenverbot hat auf jeden Fall etwas gebracht“

Die Höhenbegrenzung der Wagen hält Johannes Böller vom Faschingskomitee Indersdorf deshalb für sinnvoll. „Und auch das Glasflaschenverbot hat auf jeden Fall etwas gebracht“, zieht Böller Bilanz. Seitdem gebe es deutlich weniger Schnittverletzungen. Ganz problemlos läuft es aber trotz strengerer Regeln im Landkreis Dachau auch heuer nicht.

Glasflaschen sind seit diesem Jahr auch beim Olchinger Faschingszug am morgigen Faschingsdienstag verboten. Auf Druck von der Stadt und dem Landratsamt Fürstenfeldbruck ist die Zahl der teilnehmenden Wagen zudem auf 36 beschränkt worden. Im Vorjahr waren es noch 51. „Zu laute Musik auf den Wagen und zu betrunkene Teilnehmer“, lautete die Bilanz von Luca Maier vom Olchinger Faschingskomitee. Die strengeren Regeln und die reduzierte Teilnehmerzahl sollen dafür sorgen, dass es dieses Jahr friedlicher zugeht.

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Johannes Böller sieht die Verschärfung der Auflagen für Faschingsumzüge jedoch nicht nur positiv. „Je mehr Auflagen ein Umzug hat, desto weniger attraktiv ist es für die Faschingsgruppen, daran teilzunehmen“, sagt er. „Es ist deshalb wichtig, sich mit allen Beteiligten zusammenzusetzen und die Regeln gemeinsam zu erarbeiten.“

Bei den Auflagen gebe es einige regionale Unterschiede. „Viele Faschingsumzüge sterben wegen vergleichsweise strengen Regeln aus“, sagt er. Ein Beispiel ist die Stadt Dachau, deren Umzug 2013 zum letzten Mal stattfand. Danach löste sich der örtliche Faschingsförderverein auf. „Dieses Jahr gab es zwar Anfragen, ob man den Faschingszug reaktivieren kann“, verriet der Kulturamtsleiter der Stadt, Tobias Schneider. „Ich glaube aber nicht, dass das passieren wird.“ Denn es würden immer mehr Auflagen an einen Verein gestellt. „Und das tut sich heutzutage wohl niemand mehr an.“

Auf ihre Kosten kommen die Narren in Dachau aber auch ohne Faschingsumzug. Denn seit 2013 findet stattdessen das „Faschingstreiben“ statt. Am vergangenen Samstag feierten wieder zahlreiche Faschingsfans am Dachauer Marktplatz – übrigens auch mit hochprozentigen Getränken. Probleme mit übermäßigem Alkoholkonsum gebe es dabei kaum. „Wir sind mit dem Ausschank von Hochprozentigem sehr zurückhaltend, und es gelten die gesetzlichen Regeln zum Jugendschutz“, erklärt Schneider.

In Bichl im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist harter Alkohol beim Faschingsumzug ebenfalls nicht explizit verboten, und die Narren verhalten sich dort auch vorbildlich: „Auf den Umzugswagen trinkt das niemand“, sagt Benedikt Deiser vom Maschkeraverein Bichl. Eine Regel hat der Faschingsverein jedoch aufgestellt: „Man darf das Bier zwar mit auf den Wagen nehmen, aber die Feiernden sollen es so trinken, dass man sie dabei nicht sieht.“

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