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Einfahrt in den Münchner Hauptbahnhof: Lokführer Timo Steinhauser im Simulator. 

Geübt werden Störfälle aller Art

Stresstest: So üben Lokführer für den Einsatz auf der Schiene

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München - Mal klemmt die Weiche, mal ist das Signal kaputt – die Lokführer üben in einem Simulator Störfälle aller Art. Nur eine Jacke in der Oberleitung – Auslöser des S-Bahn-Chaos vom Dienstag – ist in den Katastrophenszenarien der Deutschen Bahn bisher nicht vorgesehen.

Irgendwann ist er dann doch passiert – der Schnitzer, der manchem Lokführer einmal im Berufsleben unterläuft: Timo Steinhauser, 24, hat zu spät gestoppt und einen Bahnhof überfahren. Auf halber Länge steht seine Regionalbahn jetzt auf freier Strecke, nur die hintere Hälfte hält noch am Bahnsteig. Wer jetzt denkt, der Lokführer solle halt dann mit seinem Zug vorsichtig zurückfahren, der irrt: Strengstens verboten ist das, sagt Steinhauser.

Zum Glück ist ihm das Malheur in Echt noch nie passiert – und der Test im Simulator, wo ihm die Presse über die Schulter schaut, wird nicht gewertet. Alle 20 000 Lokführer der Deutschen Bahn müssen regelmäßig zu einem einstündigen Stresstest, der DB-intern etwas harmloser heißt: „Überwachungsfahrt“. Sie ist jährlich vorgeschrieben – wer allerdings einen vier Stunden langen Mammuttest absolviert, muss nur alle zwei Jahre in den Simulator bei der DB-Abteilung „Training“ in München-Aubing.

Lokführer Timo Steinhauser schaukelt seine Züge am liebsten durchs schöne Altmühltal. Mit den Kollegen der S-Bahn München würde er lieber nicht tauschen. „Ich find’s anstrengend – alle zwei Minuten halten, und dann immer durch den Tunnel.“ Passieren könne aber überall etwas, egal ob auf der Münchner Stammstrecke oder im Altmühltal, sagt Karsten Preller, ein so genannter Instruktor bei der DB Training. Er überwacht von außen, ob Steinhauser alles richtig macht und lädt am Computer alle möglichen Störfälle hoch. Eine Weichenstörung wie die in Laim, die diese Woche gleich zwei Mal für S-Bahn-Chaos sorgte, gibt es auch im Programm.

Für Lokführer Steinhauser im Simulator beginnt es aber harmlos. Gleich hinter der Hackerbrücke wartet ein Langsamfahrstelle – innerhalb von 20 Sekunden, so die Vorschrift, muss er seinen Zug von 120 auf 80 km/h runterbremsen. Kaum ist das gemeistert, blinkt ein Signal – der Zug muss aufs Gegengleis wechseln. Es rumpelt ein bisschen, wie in Echt halt. Aber es gelingt ohne Mühe. Obwohl erst 24 Jahre alt, ist Steinhauser in seinem Metier schon ein erfahrener Mann.

Seit drei Jahren ist er Lokführer bei DB Regio Oberbayern. „Das war mein Traumjob, seit ich sieben Jahre alt war“, erzählt der Ingolstädter. Er blickt konzentriert auf den Bildschirm – Warten auf die nächste Gemeinheit, die Instruktor Preller so einfällt. Sie kommt sogleich in Form eines heftigen Schneegestöbers. Ein Lokführer darf sich da nicht beeinflussen lassen. „Ich verlasse mich nur auf Signale“, und die sind auch im dichten Schnee gut zu sehen. Allerdings verlängert Schnee auf dem Gleis den Bremsweg. Kaum hört es zu schneien auf, lässt Preller auf den Gegengleis einen Güterzug mit Funkenflug vorbeizischen. Jetzt ist es aber höchste Eisenbahn für einen Notruf: „Betriebsgefahr – alle Züge zwischen Mammendorf und Olching sofort anhalten“, ruft er ins Mikro. Im Ernstfall müsste der Fahrdienstleiter, den Steinhauser so verständigt, sofort den Nothalt der Züge veranlassen.

Beim nächsten Bahnhof blendet der Instruktor starkes Sonnenlicht ein, so dass Steinhauser das Signal nicht erkennt. Wieder nimmt er Kontakt mit dem Fahrdienstleiter auf, der ihm dann die Weiterfahrt genehmigen muss. DB Training hat noch mehr auf Lager: Tiere im Gegengleis, Bäume in der Oberleitung. Speziell für S-Bahn-Lokführer gibt es die Störfallsimulation „Notarzteinsatz“ und „Feuer im Tunnel“.

Und dann passiert die Sache mit dem überfahrenen Bahnhof. Das hätte im Ernstfall zwar nicht die Lizenz gekostet, wohl aber ein ernstes Gespräch mit dem Instruktor nach sich gezogen, vielleicht auch eine Nachschulung.

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