Studie: Bayerische Schulen wenig selbstständig

München - Bayerische Schulen haben weniger Freiheit als die in den meisten anderen Bundesländern. Bayern, das Saarland und Thüringen sind die Schlusslichter in einer neuen Studie zum Thema Schulautonomie des Aktionsrats Bildung.

Demnach haben Lehrer und Schulleiter in Bayern nicht nur vergleichsweise wenig Freiheiten bei der Umsetzung von Lehrplan und Unterricht. Auch in der Verwaltung, im Finanz- und Personalwesen sowie bei der Sicherung der Schulqualität liegt Bayern auf hinteren oder mittleren Plätzen. Die unabhängigsten Schulen gibt es laut Studie in Nordrhein-Westfalen. In Bayern hat das Gutachten aber noch nicht alle der jüngsten Änderungen in der Schulorganisation berücksichtigt.

In der Pädagogik rangieren Bayerns Schulen in drei von vier untersuchten Feldern im Tabellenkeller: Laut Gutachten ist flexible Gestaltung des Lehrplans an bayerischen Schulen “kaum oder gar nicht vorhanden“, ebenso wie eine eigenständige Profilierung der jeweiligen Schule. Nur im Rahmen von Schulversuchen haben bayerische Schulen hohe pädagogische Eigenständigkeit. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) betonte, dass die Staatsregierung den Schulen größere Freiheiten geben wolle - dass aber die bisher bestehenden Möglichkeiten von vielen Schulen gar nicht genutzt würden. “Wir haben im Gesetz einen ganzen Kasten, der nur von einem Bruchteil der Schulen in Anspruch genommen wird“, sagte Spaenle.

In der Schulverwaltung haben Bayerns Schulleiter im Vergleich zu ihren Kollegen in Nordrhein-Westfalen und mehreren anderen Bundesländern laut Gutachten ebenfalls nur geringe Eigenständigkeit. Bei der Anstellung neuer Lehrer und der Auswahl von Schulleitern haben die bayerischen Schulen bisher keine Mitsprache. Am weitesten in dieser Hinsicht geht Schleswig-Holstein, wo die Schulleiter von ihren Kollegen gewählt werden. Und immerhin sieben Bundesländer - überwiegend im Norden und Westen Deutschlands - gewähren den Schulleitungen Mitsprache bei der Anstellung neuer Kollegen.

In Sachen Geld sind bayerische Schulen ebenfalls vergleichsweise wenig selbstständig. In etwa der Hälfte der Bundesländer dürfen die Schulen mittlerweile auch wirtschaftlich tätig sein - etwa Spenden eintreiben. In Bayern geht dies laut Gutachten nur mit Einschränkungen.

Der Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, Randolf Rodenstock, forderte mehr Freiräume in der Organisation eines schülergerechten Unterrichts, das Recht für die Schulleiter, die Lehrer selbst auszusuchen sowie externe Qualitätskontrolle für die Schulen. Manches davon sei in den Projekten “Modus 21“ und “Modus F“ an einigen Schulen in Bayern bereits erfolgreich erprobt. “Inzwischen hat das bayerische Kultusministerium zahlreiche Elemente aus dem Modellversuch für alle Schulen freigegeben“, sagte Rodenstock. “Wir wünschen uns hier aber mittelfristig noch mehr Veränderung in der Fläche.“

dpa

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