Studie: Bayern lernen ein Leben lang

München - Dass Bayerns Schulen spitze sind, ist dank Pisa & Co. ein alter Hut. Doch auch beim lebenslangen Lernen abseits der Schulbank ist der Freistaat bundesweit unschlagbar. Das hat der „Lernatlas“ der Bertelsmann-Stiftung ergeben. Im ländlichen Raum dominieren oberbayerische Kreise die Rangliste.

Im Landkreis Miesbach könnten schon bald Besuchergruppen aufkreuzen, denen der Tegernsee völlig wurscht ist und die Rotwand sowieso. Denn seit gestern kennen Bildungsexperten und Kommunalpolitiker in ganz Deutschland Miesbach vor allem als Vorzeige-Landkreis in Sachen Lernen. Keine andere Region in der Kategorie „ländlicher Raum“ schnitt in einer Studie der Bertelsmann Stiftung so gut ab. Landrat Jakob Kreidl (CSU) ist stolz und wäre gerne bereit, den Verantwortlichen weniger erfolgreicher Landkreise die Miesbacher Bildungslandschaft nahezubringen. „Wir stellen unsere Erfahrungen gerne zur Verfügung. Wenn mich Kollegen anrufen, sind sie herzlich willkommen“, sagt Kreidl.

Dass er Besuch aus anderen oberbayerischen Landkreisen bekommt, ist äußerst unwahrscheinlich. Denn Miesbach ist in der Spitzengruppe in guter, weißblauer Gesellschaft. Im ländlichen Raum folgen Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen auf Rang zwei und drei. Bei den Großstädten liegt München ganz vorn, in der Kategorie „verdichtetes Umland“ kommt der Kreis München immerhin auf Platz zwei, gefolgt von Ebersberg, Dachau und Starnberg.

Es ging den Experten, die den Lernatlas erstellt haben, nicht nur ums Lernen in der Schule, sondern auch um berufliches, soziales und persönliches Lernen. Sie bewerteten beispielsweise Weiterbildungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz, Chancen zu sozialem Engagement und kulturelles Interesse der Bevökerung.

Im Fall von Miesbach waren es vor allem Angebote abseits der klassischen Schulbildung, die zum Sieg führten. So gehen die Landkreisbürger nicht nur überdurchschnittlich oft ins Theater, sie besuchen auch besonders häufig die Volkshochschule. Während deutschlandweit nur vier von 100 Menschen VHS-Kurse belegen, sind es in Miesbach mehr als Sieben. Die örtliche VHS-Chefin Veronika Knörr führt dies auf besonders maßgeschneiderte Angebote im Landkreis zurück. „Wir bieten ein Programm, das auf die jeweiligen Orte zugeschnitten ist“, sagt sie. Nicht alles, was in Miesbach Menschen in die VHS locke, sei in Tegernsee oder Holzkirchen beliebt.

Es zahlt sich aus, wenn im Bildungsbereich so aufmerksam gearbeitet wird, erklären die Experten der Bertelsmann-Stiftung. „Wo lebenslang gelernt wird, sind die Menschen glücklicher, das Zusammenleben sozial gerechter und die Gesellschaft wohlhabender“, sagt Jörg Dräger vom Vorstand der Stiftung.

Andreas Zimniok

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