Der Flughafen und sein Umland (im Vordergrund der Freisinger Domberg). Foto: Archiv

Die Untersuchung „Norah“

Studie beflügelt Fluglärm-Gegner

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München - Eine umfangreiche Studie zum Verkehrslärm in Deutschland liegt nun den bayerischen Ministerien und dem Landtag vor. Ob aus ihr speziell für die Flughafen-Anrainer konkrete Maßnahmen abgeleitet werden können, ist aber fraglich.

Die Norah-Studie ist 2500 Seiten dick und sorgte gleich nach der Veröffentlichung Ende Oktober für Streit. Mehrere Mediziner warfen den Autoren vor, einseitig die Auswirkung von Lärm auf den menschlichen Organismus kleinzureden. Von „methodischen Hämmern“ war die Rede und einer Gefälligkeitsstudie.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fluglärmkommissionen hält „Norah“ trotzdem für relevant und hat eine Kurzversion nun an die Fraktionschefs im Landtag verschickt. Nach der Lektüre sei klar, „dass dringender politischer Handlungsbedarf besteht“, schreibt der Vorsitzende der AG, Thomas Jühe. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Raunheim nahe Frankfurt. Laut Jühe hat vor allem nächtlicher Fluglärm im Vergleich zu Straßen- und Schienenlärm einen deutlichen Effekt auf Krankheiten. „Bei allen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche) erhöht sich das Risiko einer Erkrankung bei hohen nächtlichen Maximalpegeln statistisch signifikant.“ Außerdem weist Jühe darauf hin, dass Fluglärm nach Angaben der Norah-Studie die Leseleistungen von Kindern verringere. „Zehn Dezibel höhere Dauerschallpegel verzögern das Lesenlernen um einen Monat“, schreibt der Bürgermeister.

Seine Gemeinde Raunheim liegt westlich des Frankfurter Flughafens. Hier sowie im Umfeld der Flughäfen Berlin, Düsseldorf und Köln hatten die Wissenschaftler ihre Daten erhoben – sowohl durch Befragungen vor Ort als auch durch Vergleich von Krankenkassendaten. Auftraggeber war das Land Hessen.

Für München trifft die Studie keine Aussage. Herbert Knur, Vorsitzender der Fluglärmkommission München, hält sie auch nicht für übertragbar. „Ich kann keinen Ansatz für München erkennen“, sagt er. Die Besiedlung im Umfeld des Flughafens sei in Frankfurt anders als im Erdinger Moos. Knur ist Ex-Bürgermeister von Berglern (Kreis Erding) und Startbahn-Gegner. Außerdem ist er Stellvertreter von Jähe in der bundesweiten AG. Handlungsbedarf bestehe aber trotzdem, sagt Knur. Er hoffe, dass die Große Koalition im Bund wie zugesagt das Fluglärm-Schutzgesetz verschärfen und mehr passiven Lärmschutz – Einbau von Lärmschutz-Fenstern oder Gebäudeisolierungen – vorschreiben werde. Die Studie sei „ein weiteres Argument gegen die 3. Startbahn“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn. Lärmschutz, vor allem in der Nacht und in den Randstunden, müsse „erheblich verbessert werden“.

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