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Mit Tablets allein ist es nicht getan. Es kommt auf den schlauen Umgang mit den Geräten an.

Digitales Klassenzimmer

Studie besagt: Bei Digitalisierung in Schulen kommt es auf die Lehrer an

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Bayern hat Nachholbedarf bei der digitalen Bildung – das ist fast eine Binsenwahrheit. Eine Studie lotet jetzt aus, an was konkret es hapert.

München – Das ideale digitale Klassenzimmer gibt es schon. Zwar nicht an einer Schule, wohl aber an der Uni. In der Fakultät für Psychologie und Pädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität hat Professor Frank Fischer für Referendare einen Lehrsaal eingerichtet – gespickt mit digitalen Medien: Whiteboard, Tablets, Lern-Apps. „Die wichtigste Komponenten ist aber die qualifizierte Lehrkraft – ohne die kann man sich das Geld sparen.“

Fischer hat für die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft eine Studie über den Stand bei der digitalen Bildung in Bayerns Klassenzimmern erstellt. Gar so düster wie viele andere Studien will der Pädagogik-Professor die Situation nicht zeichnen. 410 Lehrer aller Schularten wurden vom Umfrageinstitut GMS Dr. Jung befragt. Zudem wertete Fischer 3000 Dokumente, vor allem Lehrpläne, für die Studie aus.

Ergebnis: „Das Glas ist halb voll, nicht halb leer“, sagt Fischer. Das beginnt schon bei der Ausstattung. 88 Prozent der befragten Lehrer gaben an, an ihrer Schule sei in jedem Klassenzimmer ein Beamer, in zwei Drittel der Räume Dokumentenkameras. Weniger vorhanden sind zum Beispiel Tablets, die es an knapp der Hälfte der Schulen gar nicht gibt, an weiteren 37 Prozent der Schulen nur in einzelnen Klassenzimmern. Bei der technischen Ausstattung seien die Schulen „präsentationslastig“, folgert Fischer. Das bedeutet: Der Lehrer spielt etwas aus dem Internet an die Wand, einen Film oder eine Präsentation, die Schüler schauen es an und schreiben es ab. Das ist schlecht, sagt Fischer. Interaktive Anwendungen, also eine Vernetzung der Schüler, seien weit weniger verbreitet. Das liegt auch an der Art der Aus- und Fortbildung. An den Unis werde der Einsatz digitaler Medien, der über das Präsentieren von Inhalten hinausgehe, nur sehr unsystematisch gelehrt. „Hier herrscht dringender Nachholbedarf“, sagte der Uni-Professor. Es gebe auch keine Konzepte, die die einzelnen Phasen der Lehrerbildung verbinden. „Da müssen wir uns an der eigenen Nase fassen.“ Lehrer bräuchten Kompetenzen, „die über das reine Präsentieren hinausgehen“. Fischer warnte auch die Schulen, die auf die bloße Faszination der neuesten Geräte-Generation setzen und hoffen, dann würden die Schüler sich schon kreativ damit befassen. Dem sei nicht so. „Der Neuigkeits-Effekt nutzt sich sehr schnell ab.“

Forderung: Digitalisierung muss schneller passieren

Nach Ansicht des Wirtschafts-Verbands muss Bayern die Digitalisierung der Schulen jetzt beschleunigen. „Digitale Klassenzimmer fordern wir schon lang“, sagt Verbands-Präsident Alfred Gaffal. Aber die Qualität des Medieneinsatzes müsse steigen – mehr interaktive Lernaktivitäten, weniger reines Präsentieren. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sieht die Studie als Bestätigung, „den eingeschlagenen Weg weiterzugehen“. Auf Kritik an der Lehrerbildung ging er nicht ein.

Wohin der Hype mit der digitalen Bildung nicht führen darf, illustrierten Schüler einer Münchner Mittelschule kürzlich beim Festakt zu 150 Jahre Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverband. Sie spielten ein Theaterstück „Das Klassenzimmer in 50 Jahren“: 2067 wird der Unterricht nur per Videokonferenz durchgeführt – so die Vision. Eine leibhaftige Person vermissten die Schüler sehr: ihren Lehrer.

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