Athens Weg aus der Eurozone: So könnte er aussehen

München - Was kostet alle Beteiligten ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro, und wie kann man ihn organisieren? Das sollte eine Studie es Ifo-Instituts für das bayerische Finanzministerium klären. So ganz eindeutig ist die Antwort nicht.

 „Man muss die Vor- und Nachteile ernsthaft diskutieren“, sagte Ifo-Forscher Kai Carstensen, der die Studie gestern gemeinsam mit Finanzminister Markus Söder vorstellte. So vornehm zurückhaltend war der Minister nicht. „Es ist unverantwortlich, weiter Geld in ein Fass ohne Boden zu pumpen“, sagte er. Auch für die Griechen sei es besser, den Euro aufzugeben.

Letztlich legen dann auch Carstensens Argumente diesen Schluss nahe. Eine andauernde Transferunion, bei der Griechenland auf echte Reformanstrengungen verzichtet, schloss auch er aus.

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Auch die derzeitige europäische Linie, nach der Griechenland durch sinkende Löhne und Preise künftig wieder konkurrenzfähig werden soll, sieht Carstensen skeptisch: „Die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands ist kaum gestiegen“, sagt der Ifo-Konjunkturchef. „Die griechische Volkswirtschaft verschuldet sich weiter.“ Selbst ohne Zinszahlungen kriegt Athen keinen schuldenfreien Haushalt hin.

Also bleibt ein dritter Weg: Die Anpassung über eine Abwertung, der notwendigerweise ein Euro-Austritt vorangehen muss. Das Problem: Historische Vorbilder, die wirklich vergleichbar sind, gibt es nicht. Die Studie bezieht sich auf ähnlich gelagerte Fälle. Als Beispiel für eine gelungene Anpassung nennt Carstensen Argentinien – ein Land mit eigener Währung. Argentinien, das 2001 seine Zahlungsunfähigkeit erklärt hatte, löste damals den Peso vom Dollar und konnte mit einer Abwertung der eigenen Währung innerhalb weniger Monate auf den Wachstumspfad zurückkehren.

Allerdings waren die durch die Abwertung verdreifachten Fremdwährungsschulden von der argentinischen Wirtschaft nicht mehr zu bedienen. Sie mussten in langwierigen Verhandlungen umgeschuldet werden, wobei die Gläubiger auf einen Großteil verzichteten. Auch das Bankensystem des Landes kollabierte.

Dabei hatte Argentinien eine ganze Reihe von Problemen nicht: Da musste keine neue Währung gedruckt werden. Das Land gehörte auch keinem einheitlichen Wirtschaftsraum mit freiem Kapitalverkehr an. Es konnte über Nacht die Grenzen für den Geldabfluss dichtmachen und so Kapital im Land halten.

„Technisch-organisatorisch ist ein Austritt aus der Währungsunion mit moderaten Kosten möglich“, besagt die Ifo-Studie. Ob das aber im gegenwärtigen griechischen Machtvakuum handhabbar ist, bleibt offen. Als Voraussetzung dafür nennt das Institut „unbedingte Geheimhaltung in der Vorbereitungsphase und die erfolgreiche Einführung von wirksamen Kapitalverkehrs- und Grenzkontrollen“.

Was wird beim Austritt aus den griechischen Schulden? Carstensen: „Ich glaube nicht, dass Griechenland alle Schulden zurückbezahlt.“ Das gilt auch für die Targetsalden im Verrechnungssystem zwischen EZB und den nationalen Notenbanken, in dem die griechischen Verbindlichkeiten auf über 100 Milliarden Euro aufgelaufen sind. „Aus unserer Sicht ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Zentralbanken des Eurosystems anteilig Abschreibungen in Höhe der gesamten Forderungen des Eurosystems gegenüber der griechischen Zentralbank vornehmen müssen“, schreiben die Ifo-Forscher. Man kann es auch einfacher sagen: Das Geld ist dann weg.

Martin Prem

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