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Unkraut wächst vor dem geschlossenen "Gasthof Franken" im Landkreis Wunsiedel. Wie dieser Wirtschaft ergeht es vielen.

Ist das Rauchverbot schuld?

Wirtshaus-Sterben geht weiter

München - Eine Studie besagt: Jedes dritte Dorf in Bayern hat keine eigene Schankwirtschaft mehr. Der Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur möchte gegen den Negativtrend vorgehen – und nimmt dabei auch Möbelhäuser ins Visier.

„Die kleine Kneipe in unserer Straße“ besang Peter Alexander 1973 – und landete damals einen Erfolg in den Hitparaden. Das Erfolgsmodell der Schankwirtschaften, in denen sich das Dorfleben abspielte und man beim Wirt noch anschreiben konnte, scheint nicht mehr zeitgemäß zu sein. In vielen Orten gibt es sie bereits gar nicht mehr. „Jede dritte Gemeinde in Bayern hat keine Schankkneipe mehr“, sagt Karlheinz Zwerenz von der Hochschule München. Der Professor hat für den Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) das Wirtshaussterben in Bayern untersucht – mit ernüchternden Ergebnissen.

„Das Wirtshaus hat an Bedeutung verloren“, sagt Zwerenz. Die Leute würden ihr Bier heutzutage lieber daheim trinken. Die Folgen sind deutlich: Seit 1994 ist der Umsatz in deutschen Gastronomiebetrieben stetig gefallen. In der getränkeorientierten Gastronomie um 43 Prozent, bei den Speisegaststätten sogar um 58 Prozent. Die Ursachen sieht der VEBWK-Vorsitzende Franz Bergmüller auch im Vereinsleben. „Die Betriebe werden immer mehr geschwächt, weil es immer mehr Vereinsgaststätten gibt.“

In der Praxis bedeutet das zum Beispiel: Der Schützenverein, der sich früher regelmäßig im Wirtshaus getroffen hat, hält seine Veranstaltungen nun im eigenen Schützenhaus ab. Die Wirte gehen leer aus. Auch Geburtstags- oder Tauffeiern würden meist privat in Vereins- oder Pfarrheimen gefeiert werden. „Wenn das Bankettgeschäft wegfällt, ist der Tod programmiert“, sagt Bergmüller. Er fordert gleiche rechtliche Rahmenbedingungen für das Dorfwirtshaus wie auch für Vereinsheime, Feuerwehrhäuser und sonstige kommunale Dorfgemeinschaftshäuser. Kostspielige lebensmittelrechtliche Auflagen, Versicherungen und Steuerzahlungen inklusive. Auch Seniorennachmittage in Pfarrheimen, bei denen „der Kuchen für einen Euro verkauft wird“, sähe Bergmüller lieber in der Wirtschaft.

Talfahrt ab dem Jahr 2008

So richtig bergab ging es für die Wirte 2008. „Mit dem ersten gesetzlichen Rauchverbot hat sich der Umsatz um etwa ein Drittel reduziert“, erklärt Zwerenz. Für den Verein gehört der Nichtraucherschutz liberalisiert. „Wenn in öffentlichen Gebäuden Raucherräume eingerichtet werden dürfen, warum dann nicht auch in meiner Gaststätte“, fragt CSU-Landtagskandidat und Wirt Hans Koller.

Im Gegenzug verzeichneten die Selbstbedienungslokale seit 2004 einen stetigen Aufwärtstrend. Mit großem Missfallen sieht Bergmüller die Mittagsangebote von großen Möbelhäusern. Statt in der Wirtschaft einzukehren, würden die Handwerker ihre Mittagspause dort verbringen. „Hauptsache es ist billig. Im Umkreis ist es in den Gaststätten dann wie ausgestorben.“ Hier solle der Gesetzgeber mit einer Abschöpfungsquote eingreifen. Auch der mangelnde Tourismus würde in manchen Regionen zum Verschwinden der Wirtshauskultur führen. „Früher sind noch die Busse aus Berlin zu uns nach Bayern gekommen, jetzt fliegen die Touristen lieber nach Mallorca“, sagt Robert Drechsel, Wirt aus der Oberpfalz.

„Schaust anderen beim Kartenspiel zu und bist gleich mit jedem per Du“, heißt es im Schlagerlied über die Wirtshausromantik. Drechsel setzt der bayerischen Tradition die harte Realität entgegen: „Die Kartenspieler spielen lieber daheim. Dort, wo sie noch rauchen können.“

TASSILO PRITZL

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