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Viele Pflegeheime sind nach einer aktuellen Studie vom Konkurs bedroht

Studie: Pleitewelle in der Pflege?

München - Jedem siebtem Pflegeheim droht die Pleite, so eine Studie. Erfolgreich seien nur neue, attraktive Heime - doch für Sanierungen fehlt Trägern oft das Geld.

Von Carina Lechner

Die Gründe für die Pleite waren banal: Das Katharinenstift im unterfränkischen Bad Kissingen, ein Pflegeheim, steht an einem Hang. Jede Sanierung wurde deshalb extra teuer. Die Auslastung war auch mau - irgendwann zog der Träger, die Diakonie, die Handbremse. Die Einrichtung belastete die Finanzen der ganzen Diakonie Kissingen. Nur eine Übernahme in letzter Sekunde durch die benachbarte Diakonie verhinderte eine Heimschließung. Pleite im Pflegeheim - glaubt man einer Studie von „Ernst & Young“, wird das in den kommenden Jahren häufiger passieren.

Jedes siebte Pflegeheim in Deutschland, so schreiben die Autoren, ist vom Konkurs bedroht. Bis zum Jahr 2020 würden rund 1750 der zuletzt rund 11 600 Heime in ihrer heutigen Form vom Markt verschwinden, Zahlen für Bayern bietet die Studie nicht. Bundesweit mussten im vergangenen Jahr 56 Heime den Weg in die Insolvenz antreten, sagte Peter Lennartz, der Autor der Studie. Zu den Ursachen zählten - wie im jüngsten bayerischen Fall Bad Kissingen - eine niedrige Belegungsquote oder zu kleine Finanzpolster für nötige Bau- oder Umbaumaßnahmen. Mehr als ein Viertel der Heimimmobilien entsprechen nicht mehr den aktuellen Standards - dabei steigen aber auch die Ansprüche der Bewohner und ihrer Familien, was den Komfort angeht. Alte Heime werden schlechter belegt: eine Abwärtsspirale.

Das Problem mit den alten Immobilien spitzt sich zu, befürchtet Leonhard Stärk, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes. Seit 2004 die staatliche Förderung für Sanierungen in Altenheimen weggefallen sei, „haben wir alle zu kämpfen“, sagt Stärk. „Es wird immer schwieriger, Rücklagen zu bilden.“ Von 80 Seniorenheimen seien schon jetzt 20 defizitär. Allerdings sehe er die Lage nicht so düster wie die Studie.

Ein Fall im Kreis Dachau zeigt, wie das BRK auf die Entwicklung reagiert. Im Kreisstadt-nahen Deutenhofen betreibt der Träger ein Pflegeheim in einem alten Schloss. Das Gebäude hätte dringend eine Sanierung nötig gehabt, doch die Belegung ließ nach - auch, weil in Dachau ein privater Träger ein neues Heim eröffnet hatte, erklärt der Leiter des Heims in Deutenhofen. Weil ein zweites BRK-Heim in Altomünster ebenfalls renovierungsbedürftig war, gibt man den Standort Deutenhofen zum Jahresende auf. Dafür wird in Altomünster, das wegen der stadtferneren Lage bessere Voraussetzungen hat, ein neues, größeres Gebäude gebaut. Auf ähnliche Konzentrationsprozesse stellt man sich auch bei der Diakonie Bayern ein: „Das regelt der Markt“, so Sprecher Daniel Wagner.

Bessere Karten, so die Studie, haben grundsätzlich private Betreiber. „Weil die unter Tarif zahlen“, sagt BRK-Chef Stärk. „Stimmt nicht“, sagt Bernd Meurer. Unter Tarif würde aufgrund des Pflegenotstands keine qualifizierte Kraft arbeiten. Er ist selbst privater Heimbetreiber in Unterföhring (Kreis München) und zugleich Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste. „Wir haben einfach schlankere Strukturen.“ Geht ein Heim pleite, liegt es seiner Ansicht nach oft an Missmanagement. Bislang handle es sich aber um Einzelfälle.

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