Liftbetreiber werben für Schneekanonen

Studie: Schneesichere Pisten bis ins Tal

München – Die deutschen Skigebiete bleiben auch in Zukunft schneesicher: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die der Verband Deutscher Seilbahnen (VDS) in München präsentiert hat. Lohnen sich die Schneekanonen also doch?

Warme Winter hat es schon immer gegeben. Ein beliebtes Argument, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Skigebiete in den Alpen herunterzuspielen. Solange es von Seilbahnbetreibern und Wintertouristikern vorgetragen wird, überrascht das nicht. Dafür umso mehr, wenn es von einer Wissenschaftlerin kommt. Wie von Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung in Innsbruck: „Das Wetter war schon immer launisch“, sagt sie. Dann packt sie die weiße Überraschung aus: Die deutschen Pisten bleiben, auch in niedrigen Höhenlagen, für mindestens 30 weitere Jahre schneesicher – eine „effiziente Beschneiung“ vorausgesetzt.

Das ist das Ergebnis der Studie, die die Expertin nun bei einer Pressekonferenz des Verbands Deutscher Seilbahnen (VDS) im Münchner Presseclub präsentiert hat. Fischer geht sogar noch weiter: Von einem Aus des Wintersports aufgrund des Klimawandels könne keine Rede sein. Einen Widerspruch zu gängigen Klimaszenarien erkennt sie dabei nicht: „Wir sehen die Hauptauswirkungen eben erst nach 2050.“ Also weit außerhalb jeglichen Investitionszeitraums.

Umso größer ist dafür der Gegensatz zur Studie von Robert Steiger vom Innsbrucker Forschungszentrum Alps, die der Deutsche Alpenverein (DAV) in Auftrag gegeben und bereits im April vorgestellt hat (wir berichteten). Demnach sei in Bayern zwischen 2025 und 2040 mit einer Erwärmung von mindestens einem Grad zu rechnen, ab 2040 wären es schon zwei. Selbst bei einem weiteren Ausbau der Beschneiung wären in 20 Jahren nur noch 50 bis 70 Prozent der Skigebiete schneesicher.

Ein Trend, den Fischer in ihren Daten nicht feststellen konnte. Anders als Steiger hat sie auch die Vergangenheit miteinbezogen und die Messwerte der Stationen des Deutschen Wetterdiensts (DWD) von Oberstdorf auf 810 Metern Höhe bis zur Zugspitze auf 2962 Metern seit 1948 abgefragt. Nicht den Tagesmittelwert, sondern die stündliche Feuchttemperatur. Das, sagt die Forscherin, sei auch der große Vorteil ihres Verfahrens. „Nur so können wir das gerade im Gebirge oft entscheidende Mikroklima mit Inversionslagen und Kaltluftseen berücksichtigen.“ Und damit die tatsächlich Schneekanonen-tauglichen Tage exakter vorhersagen. Denn die bei der Beschneiung entstehende Verdunstungskälte könne bei mehr Luftfeuchte eine höhere Temperatur kompensieren. Unterschiede von mehreren Grad Celsius seien möglich. Und eben diese für die Beschneiung entscheidende Feuchttemperatur werde in den kommenden Jahrzehnten – abgesehen von den üblichen Schwankungen – nicht wesentlich ansteigen.

Sehr zur Freude von VDS-Vorsitzendem Peter Huber: „Der Schnee ist und bleibt die Existenzgrundlage des alpinen Wintertourismus“, sagt er. Der Ausbau der Beschneiung sei eine sinnvolle Investition in die Zukunft der Region. Die Gegner überzeugt das nicht: „Das Prognostizieren von Minusgraden, die die künstliche Beschneiung in allen Höhenlagen garantieren, wird das Problem sicher nicht an der Wurzel packen“, sagt Claudia Stamm, Landtagsabgeordnete der Grünen. Florian von Brunn, Umweltexperte der SPD-Landtagsfraktion, fordert, dass es künftig kein Steuergeld mehr für Schneekanonen gibt: „Aufgrund der Klimaerwärmung ist das reine Verschwendung“, sagt er.

Bei aller Diskussion über die langfristige Entwicklung: Die Skiliftbetreiber richten ihren Blick erst einmal auf den kommenden Winter. Und da, so DWD-Meteorologe Volker Wünsche, gibt es für Mitte kommender Woche zumindest vage Anzeichen für kälteres Wetter. Vielleicht sogar mit Schnee vom Himmel statt aus der Maschine.

Sebastian Grauvogl

Rubriklistenbild: © Plettenberg Thomas

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sattelzug kippt um und verursacht hohen Schaden
Auf der A7 verursachte ein Sattelzug einen Unfall mit hohem Sachschaden. Dem Fahrer wurde nicht grundlos der Führerschein entzogen.
Sattelzug kippt um und verursacht hohen Schaden
Drogenkurier mit fünf Kilogramm Amphetamin erwischt
Eine Verkehrskontrolle beim Autobahnkreuz Nürnberg wurde einem ungarischen Drogenkurier zum Verhängnis. Seine Ware wird er wohl nicht mehr transportieren können.
Drogenkurier mit fünf Kilogramm Amphetamin erwischt
Hund fällt in Kanal: Passant packt beherzt zu
Die Feuerwehr wird in Augsburg alarmiert, um einen Hund aus einem betonierten Bachbett zu retten. Als sie ankommt, gibt es eine Überraschung. 
Hund fällt in Kanal: Passant packt beherzt zu
Wanderer sauer: Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen nachts geschlossen
Für Wanderer warten im September die goldenen Tage. Mit der Partnachklamm bleibt ein Nadelöhr für Touren rund um die Zugspitze vorerst nachts geschlossen. Viele …
Wanderer sauer: Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen nachts geschlossen

Kommentare