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Eine neue Studie sagt, dass der Einsatz von Sexualhormonen in der Schweinezucht zur Routine geworden ist.

Neue Studie

Schweinezucht: Hormone für geplante Ferkel

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München - Schweinerei, oder was? Laut einer neuen Studie werden Sauen in vielen Zuchtbetrieben systematisch mit Sexualhormonen versorgt. Die Landwirte wollen so die Ferkel-Produktion effizienter machen.

Johannes Scharl (35) ist Schweinezüchter – und Rhythmus ist für ihn die halbe Miete. In seinem Betrieb in Eichstätt werfen jede Woche rund 15 Sauen ihre Ferkel. Nicht zehn, nicht 20, sondern 15. Bei insgesamt 300 Tieren ist dieser Rhythmus wichtig. Würde nur eines unter ihnen später werfen, sagt Scharl, gäb’s ein Durcheinander. Er bräuchte einen Extrastall, müsste Extra-Arbeitszeit aufwenden. Um das zu verhindern, verabreicht der Junglandwirt seinen Jungsauen ein Sexualhormon, das den Rhythmus regelt. Für ihn eine normale Sache.

Viele Schweinezüchter arbeiten ähnlich. Das zumindest belegt eine neue Studie, die der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Darin heißt es, in konventionellen Betrieben in ganz Deutschland würden Hormone routinemäßig zur Ferkelerzeugung eingesetzt. Für die Umweltschützer ein Skandal. Sie fordern, den Einsatz der Präparate zu beschränken.

Im Betrieb von Landwirt Scharl ist die Gabe von Hormonen schon seit 15 bis 20 Jahren Usus. Dass das Thema nicht neu ist, weiß man auch beim BUND. „Es spricht nur niemand offen darüber“, sagt BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning. Meist werde nur von „Fruchtbarkeitsmanagement“ gesprochen. Das schließe nicht nur das gleichzeitige „Abferkeln“ der Sauen ein. Durch die Medikamente würden außerdem immer häufiger Ferkel in unnatürlich hoher Anzahl geboren: Benning spricht von etwa 16 statt der normalen zwölf bis 13 Tiere. Schwache und überzählige Ferkel würden in der Folge oft erschlagen.

Auch die Umwelt sieht Benning gefährdet. Über die Gülle könnten Hormone ins Trinkwasser gelangen und so andere Tiere beeinflussen. Hohe Hormonbelastung sei etwa für den Rückgang von Amphibien verantwortlich.

Sowohl beim Bayerischen Bauernverband (BBV) als auch bei der „Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern“ (EGZH) blickt man naturgemäß skeptisch auf die Studie. „Da wird wieder dramatisiert“, sagte eine Sprecherin der EGZH, in der rund 120 bayerische Betriebe organisiert sind. Der niederbayerische BBV-Bezirkspräsident und Nutztierexperte Gerhard Stadler spricht von einem „höchst durchsichtigen Manöver des BUND“, im Vorfeld der Grünen Woche die Tierhaltung zu attackieren.

Eine Gefährdung für die Umwelt oder den Verbraucher sieht Stadler nicht. Die genutzten Hormone unterlägen in Deutschland und der EU einem strengen Zulassungsverfahren, sagte er. Substanzen, die zu unnatürlich vielen Geburten führen, seien zudem seit Jahren verboten. Insgesamt sind 26 hormonhaltige Präparate erlaubt.

Zu viele für den BUND. Aber nicht nur das. Die Verantwortlichen stören sich besonders an der Tatsache, dass ein Tierarzt die Medikamente verschreiben kann, ohne dass dafür eine Erkrankung bei der Sau vorliegen muss. Die Forderung: Zukünftig sollten nur noch kranke Tiere behandelt werden dürfen.

Wie viele Hormonpräparate jährlich verabreicht werden, sagt die Studie nicht. Der jüngste Wert stammt laut Reinhild Benning aus dem Jahr 2003. Damals seien bundesweit 670 Kilogramm verabreicht worden. Weil die Tierhaltung seitdem intensiviert worden sei, gehe man heute von sehr viel höheren Mengen aus.

Bei Ferkelerzeuger Scharl bekommen jährlich rund 100 Jungsauen Medikamente, das sind sechs Fläschchen à 25 Milliliter. Die Diskussion hält er für aufgeblasen. „Wenn das ein Skandal ist, dann muss man auch die Anti-Baby-Pille verbieten.“ Den Wunsch der Verbraucher nach Transparenz und guter Qualität kann Scharl verstehen. „Es ist halt nur schwierig, dass wir Landwirte uns dafür entschuldigen müssen, dass wir Geld verdienen wollen.“

Von Marcus Mäckler

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