Medizin wird zur Frauensache

München - Die medizinischen Berufe werden in absehbarer Zeit zur Frauendomäne. Schon heute sind über 60 Prozent der bayerischen Erstsemester-Studenten im Fach Humanmedizin weiblich, wie das Wissenschaftsministerium erklärte.

Der Trend werde anhalten. Die herkömmlichen Arbeitszeitmodelle für Ärzte seien damit in Zukunft fragwürdig, sagte Minister Wolfgang Heubisch. Es müsse möglich sein, dass Ärztinnen auch Teilzeit arbeiten.

Bayernweit waren im Wintersemester 2011/12 genau 60,9 Prozent der Studienanfänger in Medizin weiblich. An der Ludwig-Maximilians-Universität München beträgt der Frauenanteil unter den 2100 Studenten im Vorklinikum, also in den ersten vier Semestern, 62 Prozent. Bei der Zahnmedizin sind es sogar 64 Prozent.

Bis in die neunziger Jahre war der Arztberuf männlich dominiert. 1991 war nur ein Drittel der praktizierenden Ärzte weiblich, seitdem steigt der Anteil in jedem Jahr. 2009 lag die Quote laut Bundesärztekammer bei 43 Prozent.

Ein Grund für den steigenden Frauenanteil sind nach Angaben des Ministeriums die Leistungen junger Frauen im Abitur. „Die Mädchen sind einfach besser“, sagte ein Sprecher – sie könnten die Numerus-Clausus-Hürde leichter überwinden. Zum vergangenen Wintersemester war für die Aufnahme eines Medizin-Studiums in Bayern ein Abiturschnitt von 1,2 oder besser notwendig.

Das klassische Hausarztmodell, rund um die Uhr verfügbar zu sein, sei durch diese Entwicklung zumindest fragwürdig, sagte Heubisch. Auch Ärztinnen solle Teilzeitarbeit ermöglicht werden, um etwa Beruf und Familie vereinbaren zu können. „Teilzeitmodelle und flexible Arbeitszeiten wären wünschenswert“, erklärte auch die Frauenbeauftragte für die Medizin-Fakultät an der TU München, Janine Diehl-Schmid. Eine Lösung sind Medizinische Versorgungszentren, also Praxis-Zusammenschlüsse mehrerer Mediziner, wie es sie neuerdings etwa in München gibt. Hier ist nach Absprache auch Teilzeit-Arbeit möglich.

dw

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