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Ein umgestürzter Baum legte Ende September die komplette Bahnstrecke zwischen Ingolstadt und München lahm. Die Grafik im Text zeigt die Abschnitte in Bayern (rot gepunktet), bei denen bei Sturm Tempo 80 gilt.

Bäume in der Oberleitung als Problem

Bei Sturm: Bahn muss Tempo drosseln

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München - Das Streckennetz der Deutschen Bahn ist nach Ansicht des Freistaats nicht uneingeschränkt sturmfest. Bäume in Gleisnähe würden nicht genug zurückgeschnitten. Etwa auf der Starnberger Strecke.

RB 59 471 von München Richtung Garmisch, Abfahrt Hauptbahnhof 21.32 Uhr. Es war, sagt Pendler Dietmar Streidl, „meine bisher schrecklichste Reise mit der Deutschen Bahn“. Streidl, 46, hatte das Pech, in der Sturmnacht am Dienstag heim nach Penzberg fahren zu wollen.

Normal dauert das gute 50 Minuten. Diesmal fast fünf Stunden. Schon in Pasing war Endstation – über zwei Stunden saß der BMW-Angestellte dort fest. Sturmschaden auf der Starnberger Strecke. Für Streidl begann eine Odyssee – erst nach 2 Uhr nachts war er Zuhause. Durchsagen und Organisation der Bahn seien eine Katastrophe. Für den Sturmschaden selbst könne die Bahn ja nichts.

Doch ist das wirklich so? Die Bayerische Eisenbahngesellschaft, die dem Freistaat untersteht, hat sich in ihren jüngsten Mitteilungen die Richtlinie 408 von DB Netz vorgeknöpft. In ihr ist seit 2013 geregelt, dass die Züge ihr Tempo auf 80 km/h drosseln müssen, sobald Sturm vorhergesagt wird. Betroffen sind diejenigen Strecken, auf denen der Vegetationsrückschnitt unzureichend ist.

In Bayern, sagt der BEG-Manager Wolfgang Oeser, gibt es besonders viele dieser Strecken. Angeblich 180. 59 Prozent der Gleisabschnitte in Deutschland, in denen 80 km/h angeordnet werden kann, liegen im Freistaat.

Starnberger Strecke besonders gefährdet für Sturmschäden

Ein Beispiel ist just die Starnberger Strecke, die Oeser als besonders gefährdet für Sturmschäden klassifiziert. Sie führt durch dichtes Waldgebiet. Just am Dienstagabend segelte zwischen Gauting und Mühltal ein starker Ast auf die Oberleitung. Dabei habe die Bahn entlang der Starnberger Strecke „radikal“ die Bäume zurückgeschnitten – „ich betone: radikal“, erklärt Bahnsprecher Franz Lindemair.

Doch es gebe Grenzen. Nach einer Empfehlung des Eisenbahnbundesamtes soll links und rechts der Gleise eine sechs Meter breite Schneise freibleiben. Äste könnten natürlich weiter fliegen. Den Schritt, die Schneise bis auf Baumlänge zu vergrößern, will die Bahn nicht gehen. „Wir bekommen sonst Probleme mit den Waldeigentümern.“

Pendler Dietmar Streidl hadert derweil mit seiner Chaosreise vom Dienstag. Er kam erst kurz vor 24 Uhr von Pasing per S-Bahn weiter nach Gauting. Dort stellte er zu seinem Entsetzen fest, dass trotz Versprechungen der Bahn keine Busse zur Weiterfahrt bereitstanden.

Nach über einer Stunde kam ein Taxi, das als „Schienenersatzverkehr“ bis Tutzing fuhr. Dort war Schluss. Streidl rief nachts um halb zwei seine Frau an, die ihn abholte. Kurz nach 2 Uhr war er zuhause.

Bahnsprecher Lindemair hört die Geschichte. Dass die Busse nicht fuhren, ärgert ihn. Vielleicht kamen die Busfahrer wegen Sturmschäden nicht zum Einsatzort, meint er. „Aber das dies mit Durchsagen nicht klar gestellt wird, ist natürlich nicht in Ordnung.“

Dirk Walter

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