Bayerischer Wald

Bergretter stürzt bei Übung in den Tod

Bayerisch Eisenstein/Straubing - Als er von einer Gondel einer Liftanlage in die andere kletttern wollte, stürzte der 48 Jahre alte Mann am Samstag ab. Sein Partner wurde schwer verletzt.

Die Dunkelheit breitete sich langsam aus. Feuerwehrmänner vom Bayerischen Wald brachten deswegen Leuchtballons in Position, die bei der he­reinbrechenden Finsternis den vielen Übenden und den Statisten genügend Licht geben sollten. Hintergrund: Am Samstag übten am Großen Arber (1456 Meter) verschiedene Bergwachtsbereitschaften, Feuerwehren und Polizei den Ernstfall – Evakuierung aus stillstehenden Gondeln. Dabei kam es aber zu einer unfassbaren Tragödie, die die Menschen im Bayerwald erschüttert: Ein Bergwachtmann (48) kam bei einem Unfall ums Leben, sein Kamerad (24) wurde schwer verletzt.

Das Training fing am späten Nachmittag an, da zuvor die Bahn zum Gipfel noch lief. Wie geplant, stoppten dann alle Gondeln. Das Szenario sah vor, dass 90 Fahrgäste von den Rettern aus den Gondeln auf den Boden und damit in Sicherheit gebracht werden mussten. Im Einsatz waren Zweier-Teams, ein Mann oben, der andere unten zum Sichern mit dem Seil.

Ernst S. (48) aus Cham, ein sehr erfahrener und versierter Bergretter, war in seinem Duo der Mann an der Gondel. Er wurde von einem Kameraden aus Regensburg (24) gesichert. Was dann passierte, nach 17.15 Uhr, muss ein Gutachter he­rausfinden: Beim Wechseln von einer Gondel zur nächsten, wobei der Retter anscheinend auch am Führungsseil der Bahn eingehakt war, lief etwas schief. Ernst S. nahm auf einmal brutal Fahrt auf. Sein Kamerad versuchte, ihn zu halten, wurde aber bergab mitgeschleift. Dann das Unglück: „Es sieht so aus, dass der Mann gegen die nächste Gondel geprallt ist“, so Matthias Ferstl vom Polizeipräsidium Niederbayern, Von dort stürzte Ernst S. 14 Meter in die Tiefe. Er erlitt so schwere Verletzungen, dass er später im Krankenhaus starb. Sein 24-Jähriger Kamerad liegt mit schweren Verletzungen in der Klinik.

 

Das wurde trainiert

Es passiert immer wieder: Plötzlich stehen die Gondeln einer Seilbahn, wie damals am Brauneck im Januar 2010. Deswegen üben die Einsatzkräfte der Bergwacht Bayern mit dem Betreiber der Seilbahnanlagen den Fall. Am Großen Arber heißt es mindestes einmal im Jahr: Evakuierung aus der Seilbahn. Dies geschieht vor der Wintersaison. Zunächst klettern die Retter mit Strickleitern auf das Dach der Gondeln. Von dort lässt sich die Kabinentür entriegeln. Wenn dies geschehen ist, klettert der Bergwachtler zu den Passagieren ab. Diese werden dann mit Gurten gesichert und einer nach dem anderen an einem Seil auf den Boden gelassen. Dort werden die Fahrgäste, die von der Erfahrung her durchs lange Sitzen in der Kälte unterkühlt sein könnten, von weiteren Helfern betreut. Am Brauneck kam vor fast sechs Jahren eine besondere Schwierigkeit hinzu: Einige Skifahrer wurden nicht ab-, sondern aufgeseilt: in den Heli.

Rubriklistenbild: © dpa

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