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Nach dem Wahlsieg von Grün-Rot steht Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle vor einem Scherbenhaufen ambitionierter Pläne.

Aus für „Südabitur“ - Rückschlag für Spaenles Schulpläne

München - Südabitur, dreigliedriges System, Vorreiter beim G 8 – die Liste der schulpolitischen Gemeinsamkeiten zwischen Bayern und Baden-Württemberg war groß. Jetzt steht Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle vor einem Scherbenhaufen ambitionierter Pläne.

„Das ist die Atomisierung der Bildungspolitik“, sagt Hans-Peter Meidinger. Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands zeichnet von der bundesdeutschen Bildungslandschaft ein düsteres Bild. Die Schulsysteme der Länder entwickelten sich immer weiter auseinander, klagt Meidinger, der ein Gymnasium in Deggendorf leitet. Die jüngsten Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt würden diesen Trend weiter verstärken. „Alles ist derzeit total im Fluss.“ Besonders alarmierend ist für Meidinger, dass auch unionsregierte Länder von Eckpfeilern konservativer Schulpolitik – etwa der Dreigliedrigkeit – abweichen. So werden in Niedersachsen Haupt- und Realschulen nun zu Oberschulen zusammenlegen.

Tröstlich für Meidinger war bisher, dass wenigstens Baden-Württemberg und Bayern an einem Strang zogen. „Wir hatten über Jahrzehnte verlässliche Bildungskooperationen“, sagt auch Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Doch der Wahlsieg von Grün-Rot beendet diese Südallianz. Schmerzlich für Spaenle ist vor allem, dass seine erst 2010 bekräftigten Pläne für ein gemeinsames Abitur schwere Rückschläge erlitten haben. Unter dem nicht ganz stimmigen Begriff „Südabitur“ wollten Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gemeinsame Aufgabenpools und gemeinsame Bildungsstandards entwickeln. Von diesen Plänen, sagt Spaenle jetzt, ist nicht viel geblieben. Thüringen hat sich vom „Südabitur“ zurückgezogen, in Sachsen-Anhalt wechselt wohl der Kultusminister von CDU zur SPD – was aus Sicht Spaenles kein gutes Zeichen ist. Dass Baden-Württemberg weiter dabei bleiben werde, ist ebenfalls nicht zu erwarten. Ein Grundsatzpapier der Unionsländer gegen die „Einheits- und Gemeinschaftsschule“, das Spaenle im Oktober 2010 in der Bundespressekonferenz in Berlin vorstellte, ist gleichfalls Makulatur. „Die bisherige enge inhaltliche Abstimmung wird sich anders gestalten“, meint der Kultusminister vielsagend.

Noch eine zweite Entwicklung gibt zu denken: Mehr und mehr Länder lassen Gemeinschaftsschulen zu, also Kooperationen oder sogar Fusionen von Haupt- und Realschulen. Neben Niedersachsen werden diese Schulen jetzt auch in Sachsen-Anhalt und in Nordrhein-Westfalen eingeführt – und zwar auf Antrag, sofern es die Kommunen wünschen. Ähnliches ist jetzt für Baden-Württemberg zu erwarten. Dort gibt es nach Informationen von Meidinger bereits eine Reihe von Anträge.

In Bayern sind Gemeinschaftsschulen bisher nicht erlaubt, doch der Druck nimmt zu. Der Dachauer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Güll rührt mit einigem Geschick die Werbetrommel – in Denkendorf (Kreis Eichstätt) sowie in Pfaffenhofen/Glonn, Odelzhausen und Sulzemoos (alle Kreis Dachau) haben Elterninitiativen schon ausgefeilte Modelle entworfen.

Bislang blockt Kultusminister Spaenle ab. Er pocht auf „Systemkonstanz“ – wenigstens in Bayern soll sich nichts ändern.

Von Dirk Walter

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