Suizid eines Häftlings - Angeklagte weisen Vorwürfe zurück

Nürnberg - Ein Arzt und ein Sanitäter sollen sich im Nürnberger Gefängnis nicht ausreichend um einen Häftling gekümmert haben, der sich die Adern aufgeschnitten hatte.

Der 23-Jährige verblutete. Seit Mittwoch stehen die beiden Männer wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Zum Prozessauftakt ließen sie über ihre Anwälte erklären, dass sie das tragische Geschehen bedauerten; sie seien jedoch der Meinung, dass ihnen kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen sei.

Zwei Wachtmeister hatten den Gefangenen nach seinem Notruf auf dem Bett gefunden, vor ihm eine Blutlache. Sie alarmierten den Sanitäter. Der nun angeklagte Krankenpfleger wiederum rief den Ermittlungen zufolge den Gefängnisarzt an, der den Verletzten jedoch nicht persönlich behandelte. Stattdessen ordnete der 61-Jährige an, der Pfleger solle die Wunden mit Klammerpflastern versorgen und den Häftling stündlich überwachen. Der mutmaßliche Räuber starb jedoch noch während der Wundversorgung an einem Verblutungsschock. Der 28 Jahre alte Sanitäter hatte in der Zwischenzeit zwar noch einen externen Notarzt herbeigerufen, dieser kam allerdings zu spät - der Mann war schon tot.

Der Notarzt sagte am Mittwoch aus, er habe sich über die Situation gewundert, die er angetroffen habe. Der Tote habe nicht mehr in seiner Zelle im ersten Stock gelegen, sondern in einem Sanitärraum im dritten Stock. Durch den Transport könnten wertvolle Minuten verloren gegangen sein. Auch seien die Wunden zu tief und zu groß gewesen, um sie mit einem Klammerpflaster zu versorgen. Der Notarzt sagte, er frage sich, warum er nicht sofort gerufen worden sei. Für den Prozess sind zunächst vier Verhandlungstage vorgesehen.

dpa

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